RONALD M. HAHN

 

 

T.N.T. Smith, Band 5:

Die Insel der Unsterblichen

 

 

 

Roman

 

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

Der Autor 

DIE INSEL DER UNSTERBLICHEN 

Das Abenteuer geht weiter! 

 

Das Buch

 

1939: Der Journalist T.N.T. Smith, noch immer auf den Fersen der unsterblichen Ex-Fremdenlegionäre, hat eine neue Spur: Finanziert von seinem Verleger Mr. Castle schließt er sich im australischen Brisbane einer Expedition an, die bei den Salomonen nach Schiffbrüchigen sucht - denn dort befindet sich der Unterschlupf des Unsterblichen Leopold von Kaunitz. Die Playboy-Suchexpedition endet in einem Fiasko: Als einziger Überlebender einer weiteren Schiffskatastrophe gelangt Smith auf die Insel, auf der Graf von Kaunitz über eine Gruppe von Amazonen herrscht und seinen blutrünstigen Neigungen frönt. Auch Smiths Freunde Italo Gasponi und Rick Blaine, die mit einem Wasserflugzeug eintreffen, um ihn zu retten, werden bald zur Jagdbeute des perversen Grafen. Das Trio leistet seinen Truppen heftigen Widerstand. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Weitere Unsterbliche treffen ein - aber auch ein japanisches Marinekommando, das in Kaunitz' Inselfestung eine Spionagezentrale wittert, und der SS-Sturmbannführer Van Thal, der Smiths Spur mit einem U-Boot aufgenommen hat...

 

T.N.T. SMITH. Die beinharte Science Fiction-Serie spielt vor der atemberaubenden Kulisse des Zweiten Weltkriegs und führt den Leser in rasanten Abenteuern um die ganze Welt.

Der Autor

 

 

Ronald M. Hahn, Jahrgang 1948.

Schriftsteller, Übersetzer, Literaturagent, Journalist, Herausgeber, Lektor, Redakteur von Zeitschriften.

Bekannt ist Ronald M. Hahn für die Herausgabe der SF-Magazine Science Fiction-Times (1972) und Nova (2002, mit Michael K. Iwoleit) sowie als Autor von Romanen/Kurzgeschichten/Erzählungen in den Bereichen Science Fiction, Krimi und Abenteuer.

Herausragend sind das (mit Hans-Joachim Alpers, Werner Fuchs und Wolfgang Jeschke verfasste) Lexikon der Science Fiction-Literatur (1980/1987), die Standard-Werke Lexikon des Science Fiction-Films (1984/1998, mit Volker Jansen), Lexikon des Horror-Films (1985, mit Volker Jansen) und das Lexikon des Fantasy-Films (1986, mit Volker Jansen und Norbert Stresau).

Für das Lexikon der Fantasy-Literatur (2005, mit Hans-Joachim Alpers und Werner Fuchs) wurde er im Jahr 2005 mit dem Deutschen Fantasy-Preis ausgezeichnet. Insgesamt sechsmal erhielt Hahn darüber hinaus den Kurd-Laßwitz-Preis – dem renommiertesten deutschen SF-Preis - , u.a. für die beste Kurzgeschichte (Auf dem großen Strom, 1981) und als bester Übersetzer (für John Clute: Science Fiction – Eine illustrierte Enzyklopädie, 1997).

Weitere Werke sind u.a. die Kurzgeschichten-Sammlungen Ein Dutzend H-Bomben (1983), Inmitten der großen Leere (1984) und Auf dem großen Strom (1986) sowie – als Übersetzer – der Dune-Zyklus von Frank Herbert.

Ronald M. Hahn lebt und arbeitet in Wuppertal.

 

Ronald M. Hahn

DIE INSEL DER UNSTERBLICHEN

 

 

1. Kapitel 

 

      1. Berchtesgaden, Deutschland, Dezember 1938

 

In dieser Nacht hat der Führer einen wunderbaren Traum. 

Er schwebt im Jahr 2000 in einer von den genialen Diplomingenieuren des Hermann Oberth-Instituts in Germania entwickelten und von den Wolfsburger VW-Werken konstruierten Flugscheibe über den seinem Reich angegliederten Ostländern und betrachtet mit zufriedener Miene die goldgelben Weizenfelder, die die Reichsbauernschaft seit dem Sieg über das slawische Untermenschentum jedes Jahr erneut zum Blühen bringen. 

In regelmäßigen Abständen ragen gewaltige Ordensburgen in den strahlend blauen Himmel der Ukraine hinauf. Ihre Bewohner, kühne blonde Recken mit eckigem Kinn und blonde Mädel mit kecken Zöpfen, sitzen unter den gewaltigen, aus dem Vaterland importierten Eichen und singen fröhliche Lieder zur Laute. Blonde Buben, hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder, tollen auf saftig-grünen Wiesen und üben sich in der Kunst des Krieges. Kleine Mädchen mit rosigen Wangen spielen mit drallen Bakelit-Puppen „Mutter und Kind“ und bereiten sich auf ihre Bestimmung als Ehefrau vor. 

Die Angehörigen der Reichsbauernschaft wohnen in schmucken Häuschen mit grünen Fensterläden und Blumenkästen. Die Reichsverwaltungs- und Ordnungsbehörden sind in wunderbaren Gebäulichkeiten untergebracht. Die Gouverneure residieren in Palästen, die von den Enkeln jener Ostler versorgt und gepflegt werden, die das Rassenhygieneamt aufgrund ihres blonden Haars und ihrer blauen Augen für würdig befunden hat, den Untermenschenstatus 1. Klasse einzunehmen. Zwar können die Untermenschen weder lesen noch schreiben, aber das brauchen sie auch nicht, denn diese Fähigkeit könnte es dem einen oder anderen hellen Kopf erlauben, sich ein Geschichtsbewusstsein zu erarbeiten und politische Gedankengänge zu verfolgen. Deswegen wissen sie auch nichts über ihre Ahnen. Die in ihren Dörfern zentral aufgestellten Rundfunklautsprecher versorgen sie ausschließlich mit leichter Unterhaltung, die sie nicht zur Erlangung politischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse befähigen kann. Sonst hören sie nur Musik, da Musik die Arbeitsfreude steigert. Sie gehen zwar zur Schule, aber dort lernen sie nur die Bedeutung von Verkehrszeichen und erfahren, dass die Hauptstadt des Reiches Germania heißt. 

Bildung, denkt der Führer in diesem seinem wunderbaren Traum, ist für dieses Lumpengesindel völlig überflüssig. Natürlich hat General Jodl recht, wenn er Bahnhofsschilder moniert, die auf Ukrainisch das Betreten von Gleiskörpern verbieten. Ob ein Einheimischer mehr oder weniger vom Zug überfahren wird, kann uns schließlich völlig schnuppe sein. 

Beherrscht wird das schöne Reich von ihm, seiner Gattin Evchen und den alten Kameraden, die bewiesen haben, dass sie in Treue fest zu Reich und Führer stehen. 

Mit Freude erinnert sich der Führer an seine Idee, in den Reihen der SS die geheime Organisation Ragnarök zu installieren. Ihre Auswertung zukunftsorientierter Literatur hat zur Realisierung vieler technischer, einst als utopisch geltender Entwicklungen geführt, denen das Reich seine heutige Macht verdankt: Zum Beispiel die Betastrahlen verschießende Pistole, die jeden Feind im Nu in seine Atome auflöst; die im Volksmund „Fliegende Untertasse“ genannte Flugscheibe, die in Kirgisien Terror und Schrecken verbreitet; die stählerne Festung, die tapfere deutsche Allonauten auf dem Monde errichtet haben und deren Geschütze spätestens im nächsten Jahr jeden Punkt des Erdenrunds treffen können; das nützliche Helmtelefon, das auf den interkontinentalen Kriegsschauplätzen jeden Offizier vom Hauptmann aufwärts direkt mit der Obersten Heeresleitung verbindet; und die wunderbare, im Atlantik fest verankerte Landeplattform F.P. 1, auf dem die Teufelskerle des Luftwaffengeschwaders „Hermann Göring“ zwischenlanden, bevor sie ihre Bombenfracht über der jüdisch-marxistisch verseuchten Neuyorker Wall Street abladen. 

Und natürlich die Unsterblichkeit! 

Ja, die Unsterblichkeit!, denkt der Führer in seinem wunderbaren Traum. Denn ein Reich, das tausend Jahre währen soll, braucht auch einen Führer, der es ein Jahrtausend lang lenkt. Die Unsterblichkeit verdanken wir meiner genialen Weitsicht, die schon früh erkannte, dass man zukünftige Entwicklungen nicht außer Acht lassen darf, wenn man die Weltherrschaft erringen will... 

Dann rasselt der Wecker, der Führer erwacht aus seinem Traum und schaut sich um. 

Als er an diesem schönen Wintermorgen frohgemut mit der üblichen Morgenlatte dem Bett entsteigt, in dem sein Evchen noch friedlich in Morpheus’ Armen ruht, begibt er sich als erstes ins Bad. 

Nach Erledigung der traditionellen Körperhygiene und fünf Kniebeugen kleidet er sich an, bürstet noch einmal über sein Zahnbürstlbärtchen und begibt sich forschen Schritts in den Salon, um dort, wie immer, wenn er auf dem Bergl in Haus Wachenfeld weilt, ein karges Frühstück zu sich zu nehmen. 

Dortselbst fällt seines Auges Blick auf die Kurierpost des letzten Abends: einen handgeschriebenen Brief aus Karinhall, in dem ihm sein Freund Hermann zu einem neuen Zofenfest einlädt; einen Brief von Frau Uhse aus Flensburg, die ihm mitteilt, es sei ihr endlich gelungen, eine Farbkopie des Zeichentrickfilms Der Fuehrer’s Face zu organisieren; eine Tantiemenabrechung des Verlags Franz Eher, die seinen internationalen Bestseller „Mein Kampf“ betrifft; das in deutscher Sprache abgefasste Schreiben einer gewissen „Los Angeles Science Fiction Society“, die ihn als Ehrengast zu einem Kongress bittet, auf dem er aus seinem noch unveröffentlichten Roman „Der Herr des Hakenkreuzes“ lesen soll. 

Und einen dicken braunen Umschlag. Er wird von einem knallroten Hakenkreuz geziert und nennt als Absender die Tarnadresse der im Reichssicherheitshauptamt in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße residierenden Organisation Ragnarök. 

Nanu, denkt er verdutzt. Er nimmt den Umschlag in die Hand, schlitzt ihn mit einem in Solingen geschmiedeten Brieföffner auf und setzt sich an den Frühstückstisch. Bald darauf runzelt sich des Führers Stirn, denn die Nachricht, die ihm Obersturmführer Hasenberg i.A. des in den Tropen weilenden Sturmbannführers Diethelm Ritter Van Thal übermittelt, hat es in sich: Ragnarök hat im Zuge der Ermittlungen gegen den englischen Zeitungsschmieranten Smith eruiert, dass dieser mit einem in mediterranen Gefilden recht prominenten italienischen Flieger namens Italo Gasponi unter einer Decke steckt. Gasponi, so besagen Obersturmführer Hasenbergs Zeilen, ist nicht nur für gewisse römische Kreise als Beschaffer sogenannter Lustdrogen tätig, sondern auch Colonello a.D. der italienischen Luftwaffe! 

Doch was dem Fass die Krone aufsetzt: Gasponi ist auch mit dem Duce verwandt, seinem Verbündeten! Man hat ihn als seinen Großneffen entlarvt, und Obersturmführer Hasenberg fragt an, ob der Führer Möglichkeiten sehe, seinem Freund in Rom zu stecken, dass Gasponi für den Tommy arbeitet, damit man ihn alsbald einen Kopf kürzer macht. 

„Hrmph, hrmph“, macht der Führer, als er darüber nachdenkt. „Hrmph, hrmph.“ 

Natürlich ist auch ihm daran gelegen, jedem Bundesgenossen Smiths, der seinen Leuten ständig neue Schlappen zufügt, zu schaden, wo er nur kann. Doch kann er den Duce unmöglich darüber informieren, warum ihm daran gelegen ist, dass gegen Gasponi vorgegangen wird. Dass der Duce von dem grandiosen Geheimnis erfährt, das außer ihm selbst nur Sturmbannführer Van Thal und drei Untergebene kennen, muss um jeden Preis verhindert werden. Das fehlt ihm gerade noch, dass ihm bei der Eroberung der Welt Konkurrenten erwachsen, die seine Herrschaft auf dem Erdenrund in Frage stellen. 

Nein, nein, es gilt, dem römischen Quadratschädel einen ordentlichen Bären aufbinden, wenn er ihn dazu bewegen will, zu Gasponis und Smiths Schaden tätig zu werden. Und dazu, erkennt er bald, reichen die Informationen, die man ihm über den Lebenswandel des Fliegers anbei liefert, völlig aus. 

Das von den tüchtigen Kerlen seiner Gestapo aus zahllosen internationalen Quellen zusammengetragene Gasponi-Dossier brandmarkt das betreffende Subjekt als triebhaften Unhold und unersättlichen Jungfernschänder. Wie der Führer der Akte entnimmt, ist Gasponi ein geiler Lustmolch, der auch nicht davor zurückscheut, brave Ehefrauen zu sexuellen Perversionen zu verleiten, die seine Ohren röten und seinen Piephahn gewaltig anschwellen lassen. 

Na, das ist ja vielleicht eine Sau!, denkt der Führer empört, als er von Fleischesorgien mit minderjährigen römischen Gräfinnen erfährt, denen Gasponi angeblich in seinem Veroneser Palazzo frönt. Der ist ja noch schlimmer als Hermann mit seinem Zofentick! Er greift geschwind zum Telefon, wählt die nur ihm bekannte Nummer in Rom und hört kurz darauf die heisere Stimme des Duce, des Herrschers über alle nudelfressenden Faschisten. 

„Tu maledetta piattola!“, knurrt Benito und schiebt noch einen ellenlangen italienischen Fluch hinterher, dessen Bedeutung dem Führer entgeht, da er keine Fremdsprachen beherrscht. 

„Ich bin’s, Benito, der Führer“, sagte der Führer schnell, um die Tirade zu stoppen und dem Mann am anderen Ende der Leitung zu signalisieren, dass nicht irgendein Störenfried ist. 

„Ah, Adolfo, caro mio!“, Benitos Laune bessert sich sofort. Morgens ist er immer schlecht gelaunt, und ganz besonders dann, wenn seine Tante Giovanna sich für ein paar Tage ins Kloster zurückgezogen hat, um über sich, ihn und ihre Neigungen nachzudenken. Aber seinem Busenfreund Adolfo, mit dem er irgendwann über die Welt zu herrschen gedenkt, kann er einen Anruf zu dieser frühen Stunde natürlich nicht verübeln. 

„Hör mal, Benito“, sagt der Führer forsch, „ich habe gerade aus zuverlässigen Quellen erfahren, dass du mit einem gewissen Italo Gasponi verwandt bist.“ 

„Si, si“, sagt Benito eifrig. „In der Tat, Adolfo! So ist es. Aber... ich kann nicht sagen, dass ich sehr stolz darauf bin.“ 

„Du hast auch keinen Grund dazu“, sagt der Führer, „denn wie ich höre, ist er ein moralisch durch und durch verkommener Mensch, den unser schöner Volksgerichtshof, wenn er ihn je zu fassen kriegt, teert, federt, enthodet und für fünfzig Jahre ins Arbeitslager steckt.“ 

„Ach, wirklich?“, sagt Benito überrascht. „Was hat er jetzt schon wieder ausgefressen?“ 

„Abgesehen davon“, erwidert der Führer, „dass es bei seinem Lebenswandel sogar der Sau graust, treibt er sich in Gesellschaft englischer und amerikanischer Spione herum, die gegen mich konspirieren.“ 

„Ich bin erschüttert, Adolfo“, sagt Benito, und man hört ihm an, dass er es wirklich ernst meint. „Aber ich muss dir sagen, dass Italo in unserer famiglia und gewissen römischen Kreisen sehr beliebt ist. Leider kann ich nichts gegen ihn unternehmen, weil ich sofort die ganze Sippe und Tante Giovanna gegen mich hätte.“ 

„Tante Giovanna auch?“, fragt der Führer entsetzt. „Das ändert natürlich alles.“ Er denkt nach. Tante Giovanna ist, wie die wackeren Jungs seiner Gestapo schon vor Jahren in Erfahrung gebracht haben haben, Benitos heimliche Padrona. Stellt sie sich gegen ihn, kann er nicht mehr funktionieren. Alle drei Tage verdrischt sie Benito den blanken Hintern mit einem Ochsenziemer, weil er, wie die meisten Mächtigen dieser Welt, oftmals ein böser Junge ist und strenger Bestrafung bedarf. Benito braucht diese regelmäßige Bestrafung wie andere Menschen Essen und Trinken. Fällt sie aus irgendwelchen Gründen aus – etwa, wenn Tante Giovanna ins Kloster geht oder in die Toskana fährt, wird er sehr unkonzentriert und zeigt heftige Entzugserscheinungen. Dann wird er unausstehlich. Wenn Tante Giovanna schmollt, macht er womöglich politische Fehler, und die kann sich der Führer bei seinen momentanen Plänen im Süden nicht leisten. 

Der Teufel hole die Itaker und ihren verdammten Familienklüngel, denkt der Führer. Da sieht man wieder mal, dass wir uns im Ernstfall nicht auf diese Messerstecher verlassen können! Es ist allein die nordische Rasse, die ein Recht darauf hat, die Welt zu beherrschen. 

„Unter uns gesagt, Adolfo“, sagt Benito, „habe ich seit der Machtergreifung mehr als einmal versucht, Italo ein Bein zu stellen, denn sein Lebenswandel erscheint mir durchaus geeignet, meinen Ruf zu schädigen. Aber...“ Er räuspert sich, und der Führer hört förmlich, dass er ratlos die Achseln hebt. „Er ist wie eine Katze. Er hat sieben Leben und kommt immer wieder davon.“ Benito seufzt resigniert. „Meine findige Geheimpolizei hat schon fünfmal Zucker in den Tank seines Flugzeuges geschüttet, aber irgendwie kommt er immer wieder unversehrt runter.“ 

„Hrmph, hrmph“, macht der Führer ungehalten und fragt sich, warum Benitos Geheimpolizisten nicht einfach kurzen Prozeß mit dem Subjekt macht und ihm eine Kugel in den Kopf schießen. „Hrmph, hrmph.“ Seine Stimme wird lauter. „Bei seinem letzten Auftritt in Macao hat dein sauberer Herr Großneffe im Verein mit englischen und amerikanischen Spionen ein mir persönlich unterstehendes Sonderkommando mit Waffengewalt behindert!“ 

„In Macao? Im Hafen?“ Benito scheint nun völlig wach zu werden. „Sprichst du etwa von der Versenkung der Jacht L’Aigle und dem Tod meiner lieben Freundin, der Gräfin Anna-Conda Deauville?“ 

Oh, Scheiße, denkt der Führer erschreckt. Wieso weiß er davon? Und was weiß er sonst noch? 

Ein eiskalter Schauer fährt seinen Rücken hinab, und er fragt sich, ob der Makkaroni-Geheimdienst etwa weiß, was Smith und seine Komplizen derzeit auf der südlichen Halbkugel treiben. Leichte Panik erfasst ihn, als ihm der Gedanke kommt, der Duce könne von den Unsterblichen erfahren haben und versuche nun hinter seinem Rücken, ihm ihr Geheimnis abzujagen. Unsterbliche Italiener sind das letzte, was er sich für seine zukünftige Weltherrschaft wünscht. Er kann sich auch nicht vorstellen, dass seine Kameraden sehr erbaut reagieren, wenn er ihnen mitteilt, dass sie die Unsterblichkeit mit diesem Quadratschädel und seiner levantinischen Sippe teilen müssen. 

„Nun...“, sagt der Führer zögernd und zupft verzweifelt an seinem Zahnbürstl-Bärtchen, da ihm ums Verrecken keine Ausrede einfallen will, mit der er Benito besänftigen kann. 

„Nett, dass du deswegen anrufst, Adolfo“, sagt Benito, nun aufgekratzt und hellwach, „denn in dieser Angelegenheit habe ich noch ein Hühnchen mit dir zu rupfen.“ 

Oh, Scheiße, denkt der Führer, und ein schreckliches Schlottern ergreift sein Gebein. Er weiß alles! Gleich fragt er, warum ich ihn nicht in die elefantöse Entdeckung der Unsterblichen eingeweiht habe. Gleich fragt er, ob ich etwa nur allein unsterblich werden will. Gleich fragt er... 

„Die Gräfin Deauville“, sagt Benito nun mit fester und empörter Stimme, „war nicht nur die größte Verehrerin meines belletristischen Werkes, sondern auch die größte Mäzenin meiner Partei! Sie besaß zudem die größte Daumenschrauben-, Streckbank- und Peitschensammlung des europäischen Kontinents! Ihre gesellschaftlichen Empfänge waren Orgien köstlicher Leckereien und flagellantischer Kultur! Deine Revolvermänner haben ihre Jacht versenkt und dieser großen Frau, die übrigens auch die beste Freundin meiner Tante Giovanna war, den Garaus gemacht!“ 

„Ich... ähm“, sagt der Führer erleichtert, als ihm klar wird, dass Benito andere Dinge viel wichtiger sind als das Geheimnis der Unsterblichkeit. „Es tut mir leid.“ 

„Es tut dir leid?!“, schnaubt Benito aufgebracht. „Es tut dir leid?! Kannst du mir vielleicht sagen, wie ich Tante Giovanna erklären soll, dass ich Umgang mit dir habe, wenn sie hört, dass du hinter dem tragischen Ableben ihrer Freundin und der Versenkung ihrer schönen Jacht gesteckt hast?!“