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Manuela Hain, Chris Kögelmann

CAERON

Konvention





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort

Chris und ich schreiben seit unserer Kindheit Geschichten. 2003 lernten wir uns über unser Hobby kennen und beschlossen eine gemeinsame Kurzgeschichte zu verfassen. 170 Kilometer Entfernung zwischen uns brachten uns auf die Idee, im Chat zu schreiben. Jeder schrieb einen Protagonisten in Ich—Form. Man musste immer auf die Reaktion des anderen warten und darauf reagieren. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht. Zur Unterscheidung haben wir im Chat unterschiedliche Farben verwendet. So haben wir die Geschichten später auch im Internet veröffentlicht.

Unsere Leser fanden: man muss sich am Anfang daran gewöhnen, dann ist es großartig, weil man viel tiefer in die Geschichte eintaucht.

Als wir begannen unseren Roman zu schreiben, haben wir lange überlegt, ob wir die bewährte Erzählform beibehalten können. Schnell war klar – zweifarbig? – keine Chance. Was blieben für Möglichkeiten. Unterschiedliche Schriftarten? Schwer zu lesen. Am Ende entschieden wir uns, den Text in zwei Schriftauszeichnungen zu schreiben: fett und kursiv.

Damit brachen wir ein ungeschriebenes Gesetz: niemals den Lesefluss durch zu viele Änderungen im Schriftbild stören. Trotzdem haben wir diesen Schritt gewagt, weil wir an die Dynamik des Stils glauben.

Wir wünschen uns, dass unsere Leser das Abenteuer eingehen, in diese ungewöhnliche Schreibweise einzutauchen und so viel Spaß beim Lesen haben, wie wir beim Schreiben.

 Manuela Hain, September 2017

 

Prolog

 

Ein kalter Hauch strich über ihren Körper. Mary Parker fröstelte und blinzelte schlaftrunken. Die Zimmerdecke schien endlos weit weg zu sein. Irritiert sah sie sich um.

   Metallisch glänzende Wände. Sie war nackt und lag auf einer Trage aus Metall. Mühsam versuchte Mary den Kopf zu drehen. Er war frei beweglich, aber so schwer, als müsse sie gegen eine zähe Masse ankämpfen.

   Blitzartig kam die Erinnerung zurück. Sofort weg hier!

Sie zwang ihren Körper in eine sitzende Position. Verbissen kämpfte sie gegen die imaginäre Masse und schaffte es, ein Bein über die Trage zu wuchten.

   Die Trage bewegte sich schwebend nach vorne – keine Räder. Panisch griffen ihre Hände ins Leere, suchten nach Halt, fanden etwas, krallten sich fest. Mit einem Ruck zog sie sich von der Trage und klatschte auf den Boden. Sie biss sich auf die Lippen und drückte sich an dem kalten Metall des Bodens nach oben. Die Trage blieb schwerelos in der Luft stehen. Mary rannte los.

   Keine Türen. Nur Metall - Boden, Decke, Wände.

Vor ihr tauchte eine weitere schwebende Trage auf. Sie hielt inne und starrte sie an. Das war ihre Trage! Sie musste im Kreis gelaufen sein. Für den Bruchteil einer Sekunde spürte sie die Panik in sich hochkriechen.

   Niemals aufgeben!

Sie lief weiter und kam zu einer Wegkreuzung. Rechts, oder links? Sie hastete nach rechts. Rannte schneller. Die Lungen brannten. Sie keuchte und blieb ruckartig stehen.   

Dieselbe Trage. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein.

   Egal was passiert, behalte immer einen kühlen Kopf. Nur ein ruhiger Geist löst Probleme.

   Sie lief weiter, kam an die Kreuzung. Diesmal wählte sie den linken Weg Die Strecke schien kürzer zu sein. Die Trage tauchte schneller auf.

   Diesmal war dort nicht nur die Trage. Sie stoppte, stolperte rückwärts und begann zu schreien…