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„Wenn unser Einsatz für Gott kein Risiko enthält,
dann ist auch kein Glaube notwendig.“

Hudson Taylor

Wenn wir unserer Bestimmung und unseren Träumen folgen und tun, wofür unser Herz schlägt, dann ist dieser Weg immer auch mit Risiken verbunden. In Psalm 139, Vers 23, ist von der Bitte an Gott die Rede, unsere Gedanken zu erforschen und zu prüfen. In dem Moment, wenn wir uns aufmachen, dem Plan Gottes für unser Leben zu folgen, stellen wir automatisch unsere eigenen Pläne hinten an. Das ist riskant und beängstigend, aber es lohnt sich, weil wir wissen, dass die Hand unseres Retters uns hält, und dass Gott, unser Schöpfer, uns führt. Wenn wir ein Risiko eingehen, stärken wir gleichzeitig auch unser Vertrauen in Gott.

In der langen Zeit bis zur Veröffentlichung meines ersten Romans habe ich gelernt, dass alles Erstrebenswerte im Leben mit einem Risiko verbunden ist. Es ist immer riskant, seinen Träumen zu folgen, weil man an jeder Stelle des Weges scheitern kann.

Ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, Risiken einzugehen, ist Lucinda Williams. Sie stammt ursprünglich aus Missouri, zog aber Mitte des 19. Jahrhunderts nach Dallas in Texas. Nachdem sie sich dort ein wenig eingelebt hatte, fragte sie ihre Vermieterin, ob es irgendwo eine Baptistengemeinde gebe, der sie sich anschließen könne. Die Frau verneinte dies und fügte noch hinzu, sie hoffe, dass es dazu auch niemals kommen würde.

Lucinda brachte daraufhin in Erfahrung, dass in jüngster Zeit drei Versuche unternommen worden waren, eine Baptistengemeinde zu gründen, aber alle waren gescheitert. Sie wusste also, dass die Chancen für eine erfolgreiche Gemeindegründung nicht gut standen, aber sie beschloss, das Risiko trotzdem einzugehen und es noch einmal zu versuchen.

Am 20. Juli 1868 gründeten Lucinda und zehn weitere Personen, darunter auch ihr Mann, eine Baptistengemeinde in Dallas. Sie hatten weder Räume noch Geld und nur sehr wenig Unterstützung. In den ersten Jahren war unklar, ob die Gemeinde überhaupt überleben würde, aber Lucinda ließ sich nicht beirren und machte weiter. Sie richtete einen Kindergottesdienst ein, gründete eine Gemeinde-Missionsgesellschaft, und fünf Jahre später überzeugte sie die Frauen aus der Gemeinde, über 600 Dollar zu spenden – damals eine gewaltige Summe –, um die Gemeinde zu unterstützen.

Weil Lucinda eine Frau war, die ihre Bestimmung genau kannte, weil sie leidenschaftlich ihren Traum verfolgte und weil sie bereit war, alles zu riskieren, konnte sie das Samenkorn einpflanzen, aus dem später die First Baptist Church of Dallas wurde – eine Gemeinde, die sich im Laufe der Zeit zu einer der größten christlichen Gemeinden weltweit entwickeln sollte.

Im Johannesevangelium lesen wir, dass Jesus gesagt hat: „Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss“ (Johannes 10,10). Ihm ist es also offensichtlich wichtig, dass wir alle ein erfülltes Leben haben. Er möchte, dass wir unser Leben voll ausschöpfen und es mit allen Sinnen genießen.

Doch viel zu oft geben wir uns mit einem einfachen Hamburger zufrieden, statt das Filet Mignon zu nehmen. Wir begnügen uns mit dem Guten, statt das Beste anzustreben. Wir akzeptieren ein Minimum, statt um das Maximum zu bitten. Warum ist das so? Ich glaube, die meisten Menschen können ohne Weiteres glauben, dass Gott sich die Fülle für uns wünscht – das klingt großartig. Aber wenn es dann um seine „Geschenke“ an uns geht – um unsere Begabungen und Träume –, bekommen wir Angst. Angst davor, unsere Begabungen wirklich einsetzen oder an der Verwirklichung unserer Träume arbeiten zu müssen, denn wenn wir diesen Weg erst einmal beschritten haben, dann gibt es kein Zurück mehr.

Doch genau das ist mit „Leben im Überfluss“ gemeint. Wenn wir uns an Gottes Plan und seinen Willen halten, dann steht uns in jeder Hinsicht ein großartiges Leben bevor.

Unsere Ängste besiegen

Es ist ganz normal, Angst zu haben, wenn man unbekanntes Terrain betritt oder etwas Neues wagt. Es ist völlig in Ordnung, sich zu fürchten – aber wir sollen uns nicht davon lähmen lassen. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns Angst an der Verwirklichung unserer Träume hindert.

In seinem Buch Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst schreibt John Ortberg, dass der meistbenutzte Imperativ in der Bibel mit Angst zu tun hat.

Die Aufforderung, die häufiger als alle anderen in der Bibel auftaucht, besteht nur aus drei Worten: „Fürchte dich nicht.“

Hab keine Angst. Sei stark und mutig. Du kannst mir vertrauen. Fürchte dich nicht.

Angst scheint das ernst zu nehmendste Übel der Welt zu sein. Seltsamerweise hat sie es nie auf die Liste der sieben Todsünden geschafft. Es wird auch niemand öffentlich in der Gemeinde angeprangert, weil er Angst hat. Warum sagt Gott dann den Menschen öfter als alles andere, dass sie keine Angst haben sollen?

Ich vermute, dass es ihm nicht darum geht, uns negative Gefühle zu ersparen. Tatsächlich sagt er dies meist zu Menschen, denen er befiehlt, etwas zu tun, das ihnen noch mehr Angst einjagt. Angst ist der Hauptgrund, warum Menschen nicht das tun, was Gott von ihnen will.1

Vor vielen Jahren stieß ich auf die Bibelstelle im zweiten Timotheusbrief, in der es heißt: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1,7; LÜ). Das ist mein Leitvers geworden. Wann immer ich Angst habe oder Zweifel bekomme oder aus irgendeinem Grund unsicher werde, sage ich mir diesen Vers vor und verinnerliche die Worte neu. Immer wenn ich ein Buch signiere oder ein Autogramm gebe, schreibe ich den Vers dazu, um mich und andere daran zu erinnern, dass bei Gott nichts unmöglich ist.

Fürchte dich nicht! Gott wünscht sich für mich, dass ich eine Frau voller Glauben und Überzeugung bin, und das Gleiche wünscht er sich auch für Sie. Er möchte, dass wir hocherhobenen Hauptes gehen und nicht mit gesenktem Blick und voller Angst und Sorgen. Er möchte, dass wir voller Zuversicht in die Zukunft blicken in der Gewissheit, dass er auf dem Weg, den er für uns vorgesehen hat, immer bei uns ist. Wir können getrost Risiken eingehen und brauchen dabei auch keine Angst davor zu haben, die Begabungen einzusetzen, die er uns geschenkt hat.

Die Kunst der Risikobereitschaft

Ich lese regelmäßig Bücher über betriebswirtschaftliche Themen. Eines dieser Bücher hat mein Denken über Risikobereitschaft und das Überwinden von Ängsten sehr verändert. Das Buch ist von Kate White und heißt Brave Mädchen bringen’s nicht – Nur Power-Frauen machen Karriere. Der Begriff „Power-Frau“ steht in diesem Fall für eine Frau „mit Mumm“, ist also nichts Schlechtes. Solch eine Frau kann durchaus gewissenhaft, fleißig, freundlich zu Untergebenen und respektvoll Vorgesetzten gegenüber sein, doch sie ist auch risikobereit und scheut sich nicht davor, ihren eigenen Kurs zu bestimmen.

Das Geheimnis der Furchtlosigkeit besteht laut White darin, Risikobereitschaft richtig zu trainieren. Dabei rät sie, mit etwas Kleinerem zu beginnen, indem man etwas ausprobiert, was man noch nie zuvor getan hat. Zum Beispiel, indem man freiwillig mehr Verantwortung auf der Arbeit übernimmt oder die Geschichte, die schon lange auf dem Computer gespeichert ist, endlich ausdruckt und an eine Zeitschriftenredaktion schickt. Was auch immer es in Ihrem Fall sein mag: Gehen Sie das Risiko ein und wagen Sie es. „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht“ …

Ein weiterer Tipp von White, der mir sehr gefällt, lautet: „Geben Sie dem Risiko einen anderen Namen.“ Wenn wir vor etwas Angst haben und die Angst uns daran hindert, aktiv zu werden und notwendige Schritte zu tun, dann ist es an der Zeit, diese Angst einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Schauen Sie sich das, wovor Sie Angst haben, ganz genau an und geben Sie ihm dann einen anderen Namen.

Es kann entsetzlich sein – oder eine Herausforderung darstellen.

Es kann fremd sein – oder interessant.

Es kann mich dumm aussehen lassen – oder die Chance bieten zu beweisen, dass ich lernfähig bin.2

Stricken und Risikobereitschaft

„Beim Stricken lernt man – wie so oft im Leben – aus seinen Fehlern genauso wie aus seinen Erfolgen.“

Pam Allen, Chef-Redakteurin von Interweave Press

Auch beim Stricken gibt es ein gewisses Maß an Risiko. Wie oft haben Sie schon ein Handarbeitsprojekt angefangen und nicht zu Ende gebracht? Ich habe neulich mein Garnzimmer aufgeräumt und dabei zehn angefangene Projekte gefunden. Ich habe das Geld für Garn und Stricknadeln investiert, dann aus irgendeinem Grund die Begeisterung für das Projekt verloren und so eines nach dem anderen in der Versenkung verschwinden lassen. Der Schlüssel zum Beenden eines Strickprojektes besteht darin, dass die Arbeit daran nicht eintönig werden darf.

An seinem ersten Tag in der Vorschule wurde mein fünfjähriger Enkel Cameron von seiner Mama zum Schulbus gebracht. Anschließend rief mich meine Tochter Jenny an. „Wie ist es denn gelaufen?“, fragte ich sie neugierig. Ich wusste, dass Cameron unbedingt in die Schule wollte, aber sowohl Jenny als auch mir war ziemlich mulmig bei der Vorstellung, den Kleinen allein in dem großen, angsteinflößenden Schulbus fahren zu lassen. „Ein anderer Junge hat ihn angespuckt“, berichtete Jenny und erzählte mir dann, dass die beiden Jungs in der Schlange auf den Bus gewartet hätten und es zu einer Meinungsverschiedenheit gekommen sei. Offenbar hatte sich der andere Junge nicht durchsetzen können und Cameron daraufhin angespuckt. Mir wurde ganz anders, und ich fragte Jenny, wie sie denn die Situation gelöst habe. „Ich brauchte gar nicht einzugreifen“, antwortete Jenny. „Cameron hat die Sache selbst geregelt.“

Ich stellte mir in lebhaften Bildern vor, wie mein kleiner Schatz schon an seinem ersten Vorschultag in eine so unmögliche Situation geraten war. „Wie hat er das denn gemacht?“, erkundigte ich mich also. Da lachte Jenny und sagte: „Cameron hat den Jungen direkt angeschaut und gesagt, dass er nicht sein Freund sein könne, wenn er so etwas täte.“ Du meine Güte, dachte ich. Wie weise für einen Fünfjährigen! „Als der Bus dann ankam, hatte Cameron schon einen neuen Freund gefunden“, berichtete Jenny weiter. „Die beiden hatten sich gegenseitig den Arm um die Schultern gelegt und waren die allerbesten Kumpels.“

Cameron hätte dem Jungen genauso gut aus dem Weg gehen und ihn einordnen können als jemanden, der andere mobbt und nur Ärger macht, aber das hätte die Situation wahrscheinlich nur noch verschärft. Oder er hätte aus Angst den Kopf einziehen und den Jungen mit seinem Verhalten durchkommen lassen können – auch keine gute Alternative. Stattdessen hatte er sich mutig dafür entschieden, den Jungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Er hatte ihm einen anderen Namen gegeben – nämlich „potenzieller Freund“ – und ihn entsprechend behandelt. Dabei war zu diesem Zeitpunkt ja keineswegs klar gewesen, ob der Junge tatsächlich sein Freund werden würde. Doch dieses Risiko war Cameron eingegangen – er hatte nicht nur riskiert, abgewiesen zu werden, weil der Junge vielleicht gar nicht sein Freund werden wollte, sondern auch, dass er vielleicht noch etwas Schlimmeres mit ihm machte, als ihn anzuspucken.

Wenn wir erleben wollen, dass unsere Träume wahr werden, müssen wir unseren Ängsten Paroli bieten. Wir müssen sie an Gott abgeben und uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: die Verwirklichung des Traumes, den Gott in unser Herz gelegt hat. Wenn wir unsere Träume nicht fest verankern und sie zielstrebig verfolgen, dann bleiben sie nur ein Hauch angenehmer, aber nutzloser Fantasie. Der Glaube an Gott ist ein solcher Anker, der es uns ermöglicht, unsere Träume festzuhalten und uns ganz in Ruhe mit ihnen auseinanderzusetzen.

Ein letzter Gedanke an dieser Stelle: Weil Gott derjenige ist, der uns unsere Träume überhaupt erst schenkt, bleiben es letztlich seine. Wir „verwalten“ sie lediglich, und wir müssen mit der gleichen inneren Einstellung an sie herangehen, wie es bereits viele erfolgreiche Menschen getan haben: Wir müssen den Mut aufbringen, etwas so Großes für Gott tun zu wollen, dass wir ohne sein Eingreifen eigentlich kläglich scheitern würden.

Zweifel überwinden

Als ich meine ursprüngliche Angst davor, Schriftstellerin zu werden, überwunden hatte, ereilten mich dennoch immer wieder Zweifel – ziemlich oft sogar. Ein Autor hat einmal gesagt, die gute Nachricht sei, dass man jetzt ein Autor sei, der veröffentlicht habe; die schlechte Nachricht, dass man ein Autor sei, der veröffentlicht habe. Jetzt müsse man nämlich wieder veröffentlichen! Und noch einmal und noch einmal und noch einmal …

Für mich gab es also noch immer ein Risiko. Obwohl mein Traum endlich wahr geworden war, konnte ich immer noch jederzeit scheitern.

Zweifel kommen und gehen, aber genau wie bei der Angst darf man nicht zulassen, dass sie einen daran hindern, seine Ziele zu erreichen. Ich glaube, dass jeder hin und wieder ein „ungläubiger Thomas“ ist. Thomas konnte nicht glauben, bis Jesus ihm die Narben seiner Wunden von der Kreuzigung zeigte. Im Johannesevangelium lesen wir Folgendes:

Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wurde, war nicht dabei. Deshalb erzählten die Jünger ihm später: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Doch Thomas zweifelte: „Das glaube ich nicht! Ich glaube es erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen.“ Acht Tage später hatten sich die Jünger wieder versammelt. Diesmal war Thomas bei ihnen. Und obwohl sie die Türen wieder abgeschlossen hatten, stand Jesus auf einmal in ihrer Mitte und grüßte sie: „Friede sei mit euch!“ Dann wandte er sich an Thomas: „Leg deinen Finger auf meine durchbohrten Hände und sieh sie dir an! Gib mir deine Hand und leg sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!“ Thomas antwortete: „Mein Herr und mein Gott!“ Da sagte Jesus: „Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie glücklich können sich erst die schätzen, die mich nicht sehen und trotzdem glauben.“

Johannes 20,24–29

Erinnern Sie sich noch an meine Aussage, dass unsere Bestimmung und unsere Träume nicht immer etwas mit dem Endergebnis zu tun haben müssen, das wir uns wünschen, sondern dass es in erster Linie um den Weg geht? Und genau das ist ein Teil des Weges: Gott zu vertrauen, wenn wir keine Straßenkarte haben und nicht wissen, wo es langgeht, ist nicht einfach, aber es ist notwendig. Wie Thomas wollen auch wir gern mit eigenen Augen sehen, was Gott tun kann, aber ich will Ihnen ein Geheimnis verraten: Wir könnten viel öfter sehen, was Gott alles tut, aber wir suchen an der falschen Stelle.

Wie oft haben Sie schon vor der Tür zu einer Chance gestanden, nur um dann festzustellen, dass sie fest verschlossen war? Fangen Sie in einer solchen Situation an, Gott infrage zu stellen? Ertappen Sie sich dabei, wie Sie ihn fragen: „Was ist eigentlich los, Gott? Du hast mir diesen Traum geschenkt – wieso muss es dann so schwer sein?“

Aber dann wiederum ist es doch auch oft so, dass Gott in Situationen eingreift, in denen wir niemals damit gerechnet hätten. Vielleicht hinter den Kulissen, wo wir es nicht sehen können. Vielleicht auch auf solch unspektakuläre Weise, dass wir es gar nicht mitbekommen oder einfach übersehen.

Und dann sollten wir uns hier und da auch schon mal fragen, wessen Zeitplan wir im Blick haben – unseren eigenen oder Gottes Zeitplan?

Meine Cousine Shirley ist zehn Jahre älter als ich, und wegen des Altersunterschiedes und weil sie weit von uns entfernt lebte, hatten wir in unserer Kindheit und Jugend nicht viel miteinander zu tun, sodass ich sie nicht besonders gut kannte.

Als Shirley achtzehn war, trat sie einem Orden bei und lebte über zwanzig Jahre lang im Kloster, bis sie in den 1970er-Jahren aus dem Orden austrat. Weil sie das Armutsgelübde abgelegt hatte, verließ sie das Kloster ohne jeglichen materiellen Besitz. Sie hatte keine Rentenversicherung, keine Ersparnisse – überhaupt nichts. In den folgenden Jahren kämpfte sie mit finanziellen Problemen und musste mit extrem wenig auskommen, bevor sie schließlich in Florida landete. Sie war von der Westküste weggezogen und hatte das wenige Geld, das sie zwischenzeitlich verdient hatte, in die Reise quer durchs ganze Land gesteckt. Drei Monate nach ihrer Ankunft verlor sie dann zu allem Überfluss auch noch ihren Job, sodass sie wirklich völlig mittellos dastand.

Als sie sich eines Tages völlig am Boden, einsam und deprimiert fühlte, wandte sie sich an Gott und sagte: „Dafür habe ich dir all die Jahre gedient?“

Wissen Sie, was dann geschah? Kurze Zeit später gewann sie im Lotto. Ich will damit natürlich nicht sagen, dass man Lotto spielen soll, wenn man keinen Ausweg sieht und Zweifel an seinen Träumen hat, und dann wird alles wieder gut. Aber ich will auch nicht Gottes Möglichkeiten kleinreden, indem ich sage, dass er für seine Zwecke nicht auch einen Lottogewinn gebrauchen kann.

Heute steht Shirley anderen ehemaligen Nonnen mit Rat und Tat zur Seite, ist viel unterwegs, spendet die Hälfte ihres Einkommens für wohltätige Zwecke und führt ein wunderbares Leben. Kürzlich kam sie von einer Reise in ein abgeschottetes, sehr armes Land zurück, wo sie und eine liebe Freundin mit Tausenden von in die Unterwäsche eingenähten Dollars durch den Zoll gegangen waren. Während ihres Aufenthaltes dort konnten die beiden Frauen unzähligen Menschen Gutes tun – doch das alles geschah nicht nach Shirleys Zeitplan, sondern nach dem Zeitplan Gottes. Er kannte ihren Traum, erfüllte ihn aber auf seine Weise und zu dem Zeitpunkt, den er für richtig hielt.

Wirklich lustig an der Geschichte ist übrigens, dass in Shirleys Jugendzimmer ein selbst gebasteltes Plakat hing, auf dem stand: „Wenn ich mal im Lotto gewinne …“, und dann hatte Shirley aufgelistet, was sie in diesem Fall alles tun würde.

Wie bereits erwähnt, kenne auch ich Zweifel nur zu gut. Wir alle zweifeln von Zeit zu Zeit, aber wir dürfen nicht zulassen, dass die Zweifel uns am Ende dazu bringen, unseren von Gott gegebenen Traum aufzugeben. Wenn wir glauben, dass Gott uns unsere Träume schenkt, wir aber trotzdem immer wieder grundlegende Zweifel zulassen, dann ist es mit unserem Glauben ein wenig so, wie wenn man eine große Flasche nimmt und sie halb mit Wasser und halb mit Öl füllt. Man kann die Flasche zwar kräftig schütteln, sodass sich die beiden Flüssigkeiten vermischen, aber sobald man sie hinstellt, trennen sie sich wieder. Wasser und Öl lassen sich einfach nicht mischen – und genauso, wie Wasser und Öl nicht zusammengehen, gehen auch Glaube und Zweifel nicht zusammen.

Für mich besteht die beste Möglichkeit, Zweifel zu überwinden, darin, mich neu an Gottes Versprechen zu erinnern. Hier für den Anfang schon einmal zwölf davon:

  1. Gottes Gegenwart: „Ich lasse dich nicht im Stich, nie wende ich mich von dir ab“ (Hebräer 13,5).
  2. Gottes Schutz: „Ich beschütze dich wie ein Schild und werde dich reich belohnen!“ (1. Mose 15,1).
  3. Gottes Macht: „Ich mache dich stark“ (Jesaja 41,10).
  4. Gottes Versorgung: „Ich helfe dir“ (Jesaja 41,10).
  5. Gottes Führung: „… geht er vor ihnen her“ (Johannes 10,4).
  6. Gottes Bestimmung: „Ich habe dich am Leben gelassen, um dir meine Macht zu zeigen und meinen Namen in der ganzen Welt bekannt zu machen“ (2. Mose 9,16).
  7. Gottes Ruhe: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28).
  8. Gottes Reinigung: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erweist sich Gott als treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen“ (1. Johannes 1,9).
  9. Gottes Güte: „Er schenkt uns seine Liebe und verleiht uns hohes Ansehen. Wer ihm rückhaltlos ergeben ist, den lässt er nie zu kurz kommen“ (Psalm 84,12).
  10. Gottes Treue: „Der Herr aber macht seinem Namen alle Ehre: Er lässt euch nicht im Stich, denn er hat gerade euch zu seinem Volk erwählt“ (1. Samuel 12,22).
  11. Gottes Führung: „Allen, die ihre Schuld eingestehen, zeigt er, was richtig ist und wie sie nach seinem Willen leben sollen“ (Psalm 25,9).
  12. Gottes weiser Plan: „Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten. Dies gilt für alle, die Gott nach seinem Plan und Willen zum neuen Leben erwählt hat“ (Römer 8,28).

An sich selbst glauben

Wir sind dazu geschaffen, etwas zu riskieren; uns über die Grenzen hinauszuwagen, die die Gesellschaft errichtet hat, und die gewaltigen, unerforschten Bereiche des Lebens zu erkunden, die Gott für uns geschaffen hat. Doch der Weg zum Erfolg führt selten nur geradeaus.

1939 war ein erfolgreiches Jahr für den Baseball-Spieler Babe Ruth, denn in diesem Jahr brach er den Homerun-Rekord, aber wissen Sie auch, welchen weiteren Rekord er noch aufgestellt hat? In demselben Jahr, in dem er all die Homeruns schaffte, hatte er auch die meisten Strikeouts.

Als ich vor einigen Jahren an einer Preisverleihung für Schriftsteller teilnahm, wurde unter anderem der Name der Autorin aufgerufen, die die meisten Zeitschriftenartikel verkauft hatte. Unter Applaus kam die Frau auf die Bühne und nahm die Auszeichnung entgegen. Die nächste Auszeichnung ging an die Person, die in dem betreffenden Jahr die meisten Absagen von Verlagen bekommen hatte, und zur Überraschung aller stand dieselbe Frau noch einmal auf und nahm auch diese Auszeichnung entgegen.

Robert Kennedy hat einmal gesagt: „Nur diejenigen, die sich trauen, in großem Stil zu scheitern, können auch in großem Stil Erfolg haben.“

Als ich beschloss, Schriftstellerin zu werden, saß ich jeden Morgen an der gemieteten Schreibmaschine und sagte mir laut etwas vor, das ich einmal in dem Buch Die Kraft positiven Denkens gelesen hatte:

Ich glaube, dass ich von Gott geführt werde.

Ich glaube, dass ich auf dem Weg immer die richtige Abzweigung nehme.

Ich glaube, dass Gott einen Weg bereitet, wenn es keinen gibt.3

Wir müssen allerdings nicht nur glauben, dass Gott uns führt; wir müssen auch an uns selbst glauben. Gott schenkt uns unseren Traum, bildlich betrachtet, in Form eines zarten Pflänzchens und gleichzeitig überträgt er uns auch die Verantwortung für die Pflege. Unseren Traum zu verwirklichen verlangt uns einiges ab, aber das Wichtigste dabei ist, dass wir lernen, an uns selbst zu glauben. Denn wenn wir das lernen, dann geschieht etwas Wunderbares: Die Zuversicht, dass wir unsere Träume umsetzen können, hilft uns auch dabei, die körperliche Kraft zu entwickeln, die wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen.

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Debbie ist zu oft bei Veranstaltungen des Motivationstrainers Zig Ziglar gewesen. Wenn es wirklich so einfach wäre …

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, und an sich selbst zu glauben ist der erste Schritt auf dem Weg, Ihren Traum zu verwirklichen. Wenn Sie selbst glauben, dass Sie es schaffen können, fängt Ihr Kopf automatisch an zu überlegen, wie es praktisch funktionieren kann. Wenn wir ermutigende Bibelstellen, wie beispielsweise „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt“ (Philipper 4,13), verinnerlichen und sie auch ganz praktisch auf unser Leben anwenden, wenn wir Verse wie diesen immer wieder laut vor uns hin sagen, dann wird unser Gehirn schließlich dazu angeregt, sich Wege zur Realisierung unseres Traumes zu überlegen. Das sind Grundlagen des positiven Denkens.

Falls Sie mir nicht glauben, kehren Sie die Aussage einmal um. Wenn Sie sich nur lange genug einreden, dass Sie etwas nicht können, dann wird es Ihnen höchstwahrscheinlich auch niemals gelingen.

Wenn Sie diese These überprüfen wollen, fahren Sie doch einfach einmal in ein Einkaufszentrum. Nicht selten habe ich erlebt, wie Gott mir gerade dort ganz praktisch geholfen hat. So beispielsweise im Jahr 1988, als ich mit meinem Sohn Dale, meiner Freundin Linda Miller und deren Tochter zur Eröffnung eines großen Supermarktes in Port Orchard unterwegs war. Es war das größte Ereignis, das in unserer Kleinstadt bis dahin jemals stattgefunden hatte. Die Stadt hatte 5.000 Einwohner, und ich versichere Ihnen, dass an dem besagten Tag mindestens 5.000 Autos dort auf dem Parkplatz standen. Es gab keine einzige freie Parklücke mehr. Also drehten wir unsere Runden, und ich sagte zu den Kindern, dass Gott uns ganz bestimmt einen Parkplatz zeigen werde. Ich fuhr ganz langsam an den Reihen parkender Fahrzeuge entlang und hielt nach der Parklücke Ausschau, von der ich wusste, dass Gott sie mir zeigen würde. Doch die beiden Teenager auf der Rückbank motzten und jammerten unentwegt, weil sie Angst hatten, die besten Eröffnungsangebote zu verpassen.

„Ich kann keine Ungläubigen im Auto gebrauchen“, sagte ich irgendwann, bremste vor dem Haupteingang und ließ die Kinder aussteigen. In dem Moment, als sie ausgestiegen waren, parkte direkt vor mir eine Frau aus und ich huschte schnell in die freie Parklücke. Und das alles unmittelbar vor den Augen der staunenden Teenager. Ich musste lachen, als ich sah, wie die beiden mit großen Augen und offenem Mund dastanden. Ist es nicht wunderbar, wie Gott für uns sorgt?

Ich erlebe solche Situationen immer wieder, und zwar im Kleinen wie im Großen. Beispielsweise in Form eines Tickets für einen Kongress, der eigentlich schon ausverkauft war, oder in Form des perfekten Kleides, das es nur eine Nummer größer oder kleiner gab als in meiner Größe, das aber trotzdem perfekt passte.

Doch Gott hat auch schon Gebete von wesentlich größerer Tragweite erhört, besonders im Zusammenhang mit Menschen, die er in mein Leben gebracht hat. Als ich ihn zum Beispiel um eine gute Freundin bat, zogen wir direkt neben Linda Miller, die selbst Autorin ist wie ich. Besonders in den ersten Jahren, in denen ich Bücher veröffentlichte, hat sie mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden und mich ermutigt.

All diese Geschichten sind Beispiele für einen wichtigen Grundsatz: Wenn man will, dass die eigenen Träume wahr werden, dann muss man auch daran glauben, dass es möglich ist! Oder wie Abraham Lincoln einmal gesagt haben soll: „Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.“4

Vom ersten Tag an, als ich einen Bogen Papier in meine geliehene Schreibmaschine spannte, habe ich geglaubt, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis etwas von mir veröffentlicht werden würde. Ich zwang mich regelrecht dazu, zu glauben, dass es Leute gab, die Bücher von mir kaufen würden. Und ich hatte ein ganz klares Bild von meinem ersten Buchcover im Kopf – auf dem groß gedruckt mein Name stand.

Wenn ich damals nach meinem Beruf gefragt wurde, antwortete ich immer stolz, dass ich Schriftstellerin sei. Auch wenn ich es in früheren Jahren vermieden hatte, mit jemandem über meinen Traum zu sprechen – als ich erst einmal den Entschluss gefasst hatte, es tatsächlich zu versuchen, konnte ich es einfach nicht mehr für mich behalten. Ich sprach mit meiner Familie darüber, mit Freunden und mit jedem, der bereit war zuzuhören. Ich hatte das Selbstvertrauen einer bekannten und viel veröffentlichten Autorin, obwohl ich noch kein einziges Buch verkauft hatte. Rückblickend kann ich über dieses Selbstvertrauen nur staunen.

Meine positive Einstellung wirkte sich auch positiv auf meine Familie aus. Je mehr ich lernte, an mich selbst zu glauben, desto mehr gelang es auch meinen Kindern, an sich zu glauben.

Und offensichtlich glaubten sie auch an mich: Beim Auspacken der Kisten nach einem Umzug stieß ich auf einen Aufsatz, den unsere Tochter Jenny im Alter von acht Jahren geschrieben hatte. Darin stand:

Ich kenne eine Frau, die Geschichten schreibt. Sie hat auch schon eine Geschichte über einen blinden Mann geschrieben. Eines Tages wird diese Frau ein Buch verkaufen. Diese Frau ist meine Mama.

Ich denke, Jenny glaubte an mich, weil ich selbst an mich glaubte. Während ich an der Verwirklichung meines Traumes arbeitete, vermittelte ich auch meinen Kindern etwas über Ziele und die Kraft, die Gott jedem von uns schenken will, wenn wir die Begabungen nutzen, die er in uns gelegt hat. Wir nehmen unserer Familie also nichts weg und enthalten ihr nichts vor, wenn wir zielstrebig unsere Träume verfolgen. Im Gegenteil, ich glaube sogar, dass wir unseren Kindern damit etwas sehr Wichtiges mit auf den Weg geben.

Wenn es ums Schreiben ging, war ich regelrecht euphorisch. Selbst als ich noch keine einzige Zeile verkauft hatte, war ich glücklich und dadurch wiederum eine bessere Ehefrau und Mutter.

Erlauben Sie mir, aus einem Brief zu zitieren, den mein Sohn Dale, der Läufer, mir in seinem ersten Jahr an der Uni geschrieben hat:

Ich bin so stolz auf Dich, Mama! Stolz darauf, wer Du bist und was Du tust. Ich frage mich, ob Läufer, die eine Meile in vier Minuten laufen, überhaupt wissen, wie gut sie sind. Und aufs Schreiben übertragen frage ich mich, ob Du eigentlich weißt, wie gut Du bist? Unzählige Menschen träumen davon, ein eigenes Buch zu schreiben. Du lebst also gewissermaßen den Traum all dieser Menschen, Mama.

Ich fand Dales Brief unglaublich bewegend. Nachdem ich mir die Tränen abgewischt hatte, wurde mir klar, dass die vielen Jahre, in denen ich für meinen Traum gekämpft hatte, auf keinen Fall umsonst gewesen waren.

In Interviews werde ich oft gefragt, wie ich die lange Zeit durchgestanden habe, in der ich nur Absagen bekam. Es wäre gelogen zu behaupten, es hätte mir nichts ausgemacht. Aber auf die eigentliche Antwort bin ich erst Jahre später – und mit viel Dankbarkeit im Herzen – gekommen: Gott hat mich versorgt und aufrechterhalten. Es war seine Kraft, die mich erfüllt hat.

Wenn es Ihnen schwerfällt, an sich selbst zu glauben, dann vergessen Sie nicht, dass Gott an Sie glaubt. Und wenn er an Sie glaubt, dann haben Sie wirklich allen Grund, es ebenfalls zu tun.

Ihr Weg zum Erfolg

Bislang haben wir darüber gesprochen, dass wir mit einer Bestimmung – also zu einem bestimmten Zweck – geschaffen sind, dass wir zum Träumen geschaffen sind, und dass wir auf jeden Fall geschaffen sind, um etwas zu riskieren. All diese Aspekte sind auf unserem Weg zum Erfolg gleich wichtig. Man kann nicht seine Träume verfolgen, wenn man seine Bestimmung nicht kennt, und man kann nichts riskieren, wenn man seine Träume nicht mit Leidenschaft verfolgt.

Aber nichts von all dem kann greifen, wenn man nicht an sich selbst glaubt. Ich habe vor vielen Jahren ein großartiges Buch von Rick Pitino gelesen mit dem Titel Success Is a Choice. Der Autor, ein bekannter Basketball-Trainer, kommt schon im ersten Kapitel auf den Punkt, indem er sagt, dass man sich Erfolg in der Regel verdienen muss, bevor überhaupt etwas Gutes geschehen kann. Nach seiner Auffassung gibt es keine Abkürzungen zum Sieg – und in unserem Fall zur Erfüllung unseres Traumes. Meist ist harte Arbeit und viel Anstrengung nötig, wenn man etwas Dauerhaftes oder Bedeutsames erreichen will.

Fragen Sie jeden erfolgreichen Unternehmer, Firmenchef oder Prominenten, und alle werden Ihnen sagen, dass jede Menge harte Arbeit und Zielstrebigkeit nötig waren, um dorthin zu gelangen, wo sie jetzt sind. Natürlich gibt es auch einige wenige, die einfach nur Glück hatten – Menschen, denen der Erfolg sprichwörtlich in den Schoß gefallen ist –, aber ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es mehr wert ist, auf die Erfüllung des eigenen Traumes hinzuarbeiten, denn nur so lernt man etwas über den Wert von Ausdauer, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit.

Dass ich das erste Buchmanuskript an einen Verlag verkauft habe, war weder Glück noch Zufall, und es war auch nicht einfach nur Bestimmung. Gott hat mir zwar den Traum geschenkt, aber ab einem gewissen Punkt lag es an mir, mich von ganzem Herzen und mit all meiner Kraft dahinterzuklemmen. Das hat Gott mir nicht abgenommen. Ich habe deshalb schon früh gelernt, mir realistische Ziele zu setzen und mich nicht mit einem Nein zufriedenzugeben.

Und genau darauf will Pitino hinaus. Es geht um unsere Einstellung, um aktives Handeln und Beharrlichkeit. Alles fängt damit an, dass man an sich selbst glaubt und bereit ist, hart zu arbeiten, damit der Traum wahr wird. Dabei steht am Anfang auch viel Gebet. Nach meiner Erfahrung stimmen meine Anliegen und die Anliegen Gottes am stärksten überein, wenn ich viel darüber gebetet habe.

Wir müssen lernen, die Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen – und damit auch die Verantwortung für unseren Erfolg beziehungsweise Misserfolg. In den seltensten Fällen ist man erfolgreich, ohne etwas dafür zu tun. Es gibt immer wieder Leute, die mir sagen, was für ein Glück ich doch habe. Dabei übersehen sie jedoch all die harte Arbeit, die mich an diesen Punkt gebracht hat.

Eines ist mir an dieser Stelle besonders wichtig: Mit meiner Einstellung und Überzeugung werte ich weder Gottes Macht ab noch die Tatsache, dass er Einfluss auf unser Leben hat und letztlich die Kontrolle darüber.

Aber es gibt so viele Christen, die es sich meiner Meinung nach zu leicht machen, indem sie sagen: „Wenn etwas passieren soll, dann passiert es auch.“ Und dann lehnen sie sich zurück und fragen sich, wieso Gott die Erfüllung ihrer Träume nicht wie Manna vom Himmel fallen lässt.

Natürlich könnte Gott es so machen – für ihn ist nichts unmöglich –, aber ich glaube, er wünscht sich, dass wir uns weiterentwickeln, reifer werden und durch die Erfahrungen, die wir machen, etwas fürs Leben lernen. Und er möchte, dass wir zuversichtliche und positive Persönlichkeiten werden. Denn wenn Sie sich zwischen zwei Personen entscheiden müssten, die Sie einem Publikum vorstellen, wen würden Sie dann lieber wählen? Jemanden, der ständig jammert, sich Sorgen macht und nur darauf wartet, dass ihm endlich etwas Gutes geschieht? Oder jemanden, der Haltung bewahrt, zuversichtlich und selbstsicher ist und sein Umfeld mit seinem Optimismus ansteckt? Ich würde Letzteren wählen, und ich kann mir gut vorstellen, dass es Gott genauso geht. Er wünscht sich, dass wir nicht pessimistisch und mürrisch durchs Leben gehen, sondern glücklich, optimistisch und mit einer positiven Lebenseinstellung.

Und genau an dieser Stelle kommt unser Selbstwertgefühl ins Spiel. Es leuchtet ein, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen Selbstwertgefühl und unserer Einstellung dazu, ob wir unseren Erfolg verdient haben.

Wie fast alles im Leben ist auch unser Selbstwertgefühl etwas, an dem wir arbeiten können. Wenn es unser Ziel ist, eine starke Arbeitsmoral zu entwickeln und diszipliniert an unsere Aufgaben heranzugehen, dann haben wir automatisch ein besseres Selbstwertgefühl. Es besteht immer ein Zusammenhang zwischen unserem Selbstbild und der Anstrengung und Zielstrebigkeit, mit der wir etwas verfolgen.

In seinem Buch The Success Journey schreibt John Maxwell: „Ein Traum ohne eine optimistische Einstellung bringt Tagträumer hervor. Eine optimistische Einstellung ohne Traum bringt eine angenehme Persönlichkeit hervor, die nicht vorankommt. Ein Traum in Verbindung mit einer positiven Einstellung bringt einen Menschen mit unbegrenzten Möglichkeiten und unbegrenztem Potenzial hervor.“5

Fehler sind erlaubt

Meine Tochter Jody hatte als Kind Klavierstunden, und ich erinnere mich noch gut an ein Vorspielen, als sie zwölf Jahre alt war. Wenn Menschen um sie waren, die sie nicht kannte, war sie immer extrem schüchtern, sodass dieses Vorspielen wirklich eine Tortur für sie war. Bei diesem besagten Vorspielen sollte sie als Zweite an der Reihe sein, aber als es dann so weit war, kam die Schülerin, die als Erste an der Reihe war, nicht, sodass Jody gleich zu Beginn spielen musste.

Ich saß im Zuschauerraum und merkte, wie nervös sie war, als sie auf die Bühne kam und sich ans Klavier setzte. Zaghaft begann sie mit ihrem Stück und verspielte sich schon nach wenigen Sekunden. Sie unterbrach daraufhin ihr Spiel, und in meinem Kopf rief es: Jody! Spiel weiter! Spiel weiter! Aber sie blieb einfach völlig regungslos sitzen.

Es herrschte absolute Stille im Saal. Mit hängendem Kopf stand meine Tochter ganz langsam vom Klavierhocker auf, rannte zu ihrem Vater, verkroch sich auf seinem Schoß und brach in Tränen aus. Ich erinnere mich genau, dass ich die ganze Zeit dachte: Ach Jody, wenn du doch einfach nur weiterspielen würdest. Ein kleiner Fehler ist doch gar nicht schlimm.

Und ich glaube, genau so denkt Gott, wenn es um uns geht. Er möchte, dass wir es versuchen. Er möchte, dass wir etwas riskieren. Denn wenn wir das tun, nehmen wir unsere Hände vom Lenkrad und sagen: „Gott, bitte übernimm du die Kontrolle!“

Es ist völlig in Ordnung, wenn wir Fehler machen oder versagen, aber wir dürfen nicht aufhören, es weiter zu versuchen. Denn dann schieben wir all das Wundervolle einfach beiseite, das Gott uns schenkt, damit unser Traum wahr werden kann. Und dann nehmen wir ihm letztendlich auch die Möglichkeit, uns beim Erreichen unseres Ziels zu unterstützen.

Am Ende des Vorspielens fragte ich meine Tochter: „Würdest du das Lied gleich noch einmal nur für Mama und Papa spielen, Jody?“ Sie nickte und wischte sich die Tränen ab. Während wir darauf warteten, dass sich der Raum leerte, kam plötzlich eine alte Dame auf uns zu und sagte mit durchdringender Stimme: „Wieso hast du aufgehört? Du hattest das beste Stück von allen! So, und jetzt geh da hoch und spiel es noch einmal für mich!“

Also ging Jody noch einmal auf die Bühne und spielte ihr Stück fehlerlos vor. Als der letzte Ton verklungen war, kamen alle noch einmal in den Saal und Jody bekam tosenden Applaus.

Ich möchte Ihnen Mut machen, beim Verfolgen Ihres Traumes risikobereit, mutig und abenteuerlustig zu sein. Glauben Sie an die Begabungen, die Gott Ihnen geschenkt hat. Haben Sie keine Angst davor, Fehler zu machen.

Wenn wir die Bestimmung für unser Leben erkennen wollen, dann gehört dazu auch die Bereitschaft, die damit verbundenen Risiken einzugehen. Das erinnert uns nämlich daran, für wen wir überhaupt leben und träumen. Gott hält Wunderbares für uns bereit, wenn wir daran denken, dass wir nicht nur zum Träumen geschaffen sind, sondern auch dazu, etwas zu riskieren.

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