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Überarbeitete Neuausgabe 2018

Originalausgabe:

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2006

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ISBN Print 978-3-451-06965-9

ISBN E-Book 978-3-451-81155-5

Inhalt

Einige Worte voraus

I. Einstimmung

1. Vom Klang der Sinne und – der Stille

2. Jeder hat seinen eigenen Weg

II. »Und hören nicht auf zu wandern, bis wir gewandelt sind« (Marie Luise Kaschnitz)

1. Wie alles begann

2. Hinreise

3. Von Bergflüssen, wilden Blumen und Nachtigallen

Von Oloron-Ste.-Marie, Südfrankreich, durch die Pyrenäen über den Somportpass nach Jaca, Spanien

4. Am Saum der Pyrenäen durch Aragón und Navarra

Von Jaca nach Puente la Reina

5. Durch die Getreidemeere Navarras, die Weingärten Riojas und die Oca-Berge

Von Puente la Reina nach Burgos

6. Horizonte ins Unendliche: Die Meseta Kastiliens

Von Burgos nach León

7. Durch einsame Berglandschaften bis nach Galicien

Von León nach O Cebreiro

8. Von Nebelwäldern und Hainen im alten Keltenland

Von O Cebreiro nach Santiago de Compostela

9. »Ultreya«, der alte Ruf der Pilger: »Auf zu dem, was darüber hinausweist!«

Am »Ende der Welt« in Finisterre

III. Nachsinnen

IV. Über die Wandlungskraft des Weges und des Gehens. Nachgedanken

Anmerkungen

Einige Worte voraus

Wenn ich von meinen Erfahrungen während der letzten Jahre auf den verschiedenen Jakobswegen erzähle, begegnen mir meist zwei ganz unterschiedliche Reaktionen: Die einen finden es befremdlich und fragen mich, warum ich diese Strapazen auf mich nehme – und bei den anderen scheint etwas innerlich aufzuleuchten und sie wollen immer mehr wissen. Ein Freund, der vor kurzem zum ersten Mal auf dem Jakobsweg war, meinte: »Mir sind neue Türen zur Welt aufgegangen!«. Ich hoffe, dass die in diesem Buch geschilderten Eindrücke von meinem Weg durch Spanien etwas von dem Zauber des Weges vermitteln können.

Kennen nicht die meisten von uns diese Sehnsucht nach mehr inspirierender Lebendigkeit im eigenen Leben? Nach etwas, das uns neugierig macht, uns herausfordert und eine Abwechslung in unseren normalen Alltag bringt? Begibt man sich auf den Weg, wird man mit einem ganz neuen Blick auf die unterschiedlichsten Landschaften und Lebensformen samt ihrer kulturellen Geschichte sowie einer Fülle von Erlebnissen mit sich selbst und Menschen aus aller Welt beschenkt, wie wir es sonst in dieser Intensität kaum erfahren.

Neugier und Sehnsucht nach Herausforderungen sind uns eingeboren, wie der Neurobiologe Gerald Hüther immer wieder betont. Oft bleiben sie jedoch ungestillt. Mit digitalen Medien können wir zwar unserer Neugier nachgehen und damit auch eine manchmal vorhandene innere Leere zudecken, aber sie können nicht unsere Sinne befriedigen und leibhaftes Erleben ermöglichen, das uns wieder mit unserem ganzen Menschsein verbindet.

Warum sind die Jakobswege seit so vielen Jahren den meisten Menschen ein Begriff? Ich glaube, weil sie eine Hoffnung nähren, etwas von dieser geheimen Sehnsucht nach mehr Lebendigkeit in körperlicher, seelischer, geistiger und auch spiritueller Hinsicht zu stillen. Ich behaupte, dass sich diese Hoffnung erfüllen kann, wenn man sich aufmacht – und auf macht, auch im wörtlichen Sinne. Vielleicht kann mein Erzählen schon ein Echo, eine innere Resonanz in Ihnen auslösen? Gleichzeitig schenkt eine solche Herausforderung, wie sie das Gehen eines langen Weges vermittelt, uns Erfahrungen, die motivieren können, auch in unserem sonstigen Leben mehr Lebendigkeit und Tiefe zu suchen, den »Geschmack des guten Lebens«.

Jakobswege gab es in früheren Jahrhunderten und gibt es erneut durch ganz Europa und mit unterschiedlichen Herausforderungen an den Wanderer oder Pilger, was z. B. die körperliche Fitness oder auch die Infrastruktur an Herbergen oder Privatquartieren betrifft. Der hier geschilderte Weg durch den Norden Spaniens, der »camino frances«, war meine erste Erfahrung, mich auf die Spuren der Pilger und ihrer Jahrhunderte langen Geschichte zu begeben. Er führt durch ganz verschiedene Landschaften, angefangen von der Überquerung des Pyrenäengebirges und danach seines Vorgebirges entlang dem Fluss Aragón, dann über die Hügel von Navarra und Rioja mit ihren fruchtbaren Getreideflächen und Weingärten, danach durch die so weite, spärlich besiedelte Hochebene der Meseta, hinter León dann durch wilde, einsame Bergregionen bis hin zu den feuchten Nebelwäldern Galiciens und dem äußeren Ziel: Santiago de Compostela.

Immer wieder ist im täglichen Gehen die Herausforderung enthalten, sich dem Weg, der Landschaft und dem Wetter, aber auch der Situation in den Dörfern und Städten sowie in den unterschiedlichsten Herbergen auszusetzen. Es bleibt in der Regel nichts anderes übrig, als sich mit dem zu konfrontieren, was da ist, und diese Bedingungen annehmen zu lernen – oft eine Übung eigener Art. Und jeder hat seine eigene Weise und seinen eigenen Prozess, mit diesen äußeren Gegebenheiten, aber erst recht mit den damit verbundenen inneren Erfahrungen umzugehen.

Der Theologe Fridolin Stier spricht von dieser Herausforderung, sich radikal auszusetzen und immer wieder unsere alten Gewohnheiten loszulassen, damit sich uns neue Horizonte öffnen können:

»Geh, verlass die Heimat,

die Welt, darin du geboren bist,

darin du dich eingerichtet hast –

das Haus, voll von den Namen der Dinge, die um dich sind,

lass alles, was dir die Sprache über sie zu wissen gibt,

lass auch alles, was dir die Wissenschaft über sie vorspricht,

lass auch die Begriffe, mit denen du nach den Dingen greifst –

lass dieses Haus hinter dir, geh!

Dann wirst du, vielleicht wirst du dann dem Anderen begegnen,

für das du weder Namen noch Wissen noch Begriffe hast,

dem ur- und ingründig Wirklichen und Wirkenden begegnen. (…)1

Ein wirklicher Aufbruch und ein längerer Weg können uns auf eine neue Weise mit uns selbst und unserer Tiefe verbinden – und viele fühlen sich unterwegs gleichzeitig befreit von ihren gesellschaftlichen Rollen und Masken. Der Weg kann uns erneut lehren zu staunen und zeigen, wie kostbar es ist, mit allen Sinnen und mit Achtsamkeit einfach nur »da« zu sein, statt – wie meist gewohnt – auf eine ferne Perspektive ausgerichtet zu leben. Die für alle Pilger gemeinsamen Bedingungen des Weges schaffen Kontakt und Nähe zu anderen und erleichtern eine größere Offenheit und tiefe Gespräche miteinander – eine weitere Gabe des Weges.

Seit meinem Weg durch Spanien mag sich dies und jenes bereits wieder verändert haben. Wie ein lebendiger Organismus erscheint mir der Jakobsweg in dauernder Wandlung begriffen. Seine Essenz jedoch ist ein Geschenk, das jedem zugänglich bleibt, der sich wirklich dem Weg innerlich und äußerlich aussetzt. Auch wenn immer mehr Menschen auf den »camino« strömen, wie der Weg in Spanisch heißt, so vermag doch jeder, der ihn begeht, täglich zu entscheiden, ob er bereit ist, Unwägbarkeiten anzunehmen oder er sich von vorneherein möglichst weitgehend absichert. Möglichkeiten wird es immer geben, sich dem Weg zu stellen – es kommt darauf an, wie der Einzelne damit umgeht.

Einige Menschen haben mich im Vorfeld dieser Weg-Erfahrungen unterstützt, und dafür möchte ich ihnen an dieser Stelle danken. Da ist zuerst meine Lebensfreundin Brigitte, die mir damals im richtigen Augenblick ein Buch über den Pilgerweg schenkte. Es war konkret genug, um mir vorstellen zu können, den lang gehegten Plan Wirklichkeit werden zu lassen. Anke und Klaus waren meine »Paten«, die mich nach ihrer Rückkehr von Santiago mit ihrer Begeisterung ansteckten und auch mit Informationen versorgten. Mechthild und einige Frauen aus »meinem« meditativen Tanzkreis verabschiedeten mich – ein Ritual, dessen Bedeutung sich erst erspüren lässt, wenn man sich zum ersten Mal für eine längere Zeit »ins Ungewisse« begibt (so habe ich es jedenfalls damals wahrgenommen). Nicht zuletzt möchte ich meinem Mann für seine liebevolle Unterstützung danken.

Dann gibt es »Engel auf dem Weg«. Das sind Menschen, die im richtigen Augenblick das Richtige sagen, tun oder einfach nur da sind. Ich danke ihnen und den Generationen vor mir, die über ein Jahrtausend diesen Weg begingen und bahnten – unter weitaus schwierigeren Bedingungen als heute. Ich wanderte auf ihren Spuren.

Ultreya!
Im März 2018

I. Einstimmung

1. Vom Klang der Sinne und – der Stille

Einfache Schulhefte, die mir als Tagebücher dienten, liegen abgegriffen und vom Rucksack zerknickt vor mir. Sie enthalten eng beschriebene Seiten, ein paar Skizzen, Gedichtzeilen. Oft erwähne ich nur in Halbsätzen und Stichworten, was ich während des über sechswöchigen Wanderns von Südfrankreich aus über den Somportpass auf dem spanischen Jakobsweg erfahren habe. Anstrengung und Erschöpfung waren manchmal zu groß, um noch ausführlich zu berichten. Doch trotz der täglichen Aufzeichnungen enthalten diese Tagebücher nur einen Bruchteil der Fülle, die ich erlebte.

Täglich viele Stunden zu wandern, brachte mich nach und nach immer mehr zur Ruhe. Manches, was mich anfangs bewegte, klärte sich durch die wochenlang währende »Meditation des Gehens«: eine wunderbare Übung des Schweigens und der Achtsamkeit im Rhythmus der eigenen Schritte. Innerlich leer werden bedeutet, sich zunehmend frei und offen zu fühlen, um im Schauen, Lauschen und Staunen ganz anwesend zu sein. Aus diesen Erfahrungen schälten sich allmählich zwei Einsichten heraus:

Zum einen: Täglich mit dem Sonnenaufgang in einen Frühsommertag hineinzuwandern, das bewirkt ein beglückendes »Wecken der Sinne«. Der Weg verlangt geradezu danach, alle Facetten der Sinne zu entfalten: Welch unendliche Farben und Nuancen in den verschieden durchlichteten Landschaften und Himmeln! Welch eine Freude, allmorgendlich im Frühgesang der Vögel loszugehen, an rauschenden Bergflüssen entlangzuwandern, in den Auen den Nachtigallen zu lauschen! Wie zart höre ich den Wind flüstern, spüre, wie er an meiner Haut kühl vorbeistreicht oder mich an anderen Tagen anblafft, so dass ich mich mit ganzer Kraft gegen die Böen stemmen muss! Während ich die Abgase in den Städten früher kaum noch wahrnahm, so erschienen sie mir nach Tagen inmitten blühender, duftender Wiesen, als ob ich in eine Giftküche geraten wäre. Die Wegabschnitte an Fernstraßen entlang mit vorbeirasenden Lastern wurden zur Qual. Welche Wohltat, danach wieder in kaum besiedelte Landschaften eintreten zu dürfen.

Die Sinne zu wecken macht empfindsam auch für die belastenden Begleiterscheinungen unserer Kultur. Es unterstreicht umso mehr die Frage nach dem Sinn und Zweck vieler ihrer Auswüchse. Doch sowohl deprimierende als auch beglückende Erlebnisse schärfen zunehmend das Bewusstsein, wie wunderbar Leben sein kann.2 Der Jakobsweg bietet dieses große Geschenk an in einem weit gespannten Spektrum an Erfahrungsmöglichkeiten.

Über einen längeren Zeitraum einen Weg in wunderbarer Natur und dabei in großer, äußerer Einfachheit zu gehen, sich dem Weg innerlich und äußerlich wirklich auszusetzen, scheint auf die elementaren Kräfte des Lebens zurückzuverweisen und auf das, was wirklich wesentlich ist. Es stellen sich die Fragen nach Sein, Sinn und Tod bzw. nach dem, was darüber hinausweist und was ich »das ganz Andere« nennen möchte. Bei Laotse heißt es: »Rückkehr zu den Wurzeln ist Stille.« Die Erfahrungen der Stille unterwegs enthalten den Raum, um in diese existenzielle Dimension einzutreten. Vielleicht geht es sogar mehr um die »Stille hinter der Stille« oder »den Klang der Stille« …

Zum anderen: Es kommt mir so vor, als ob es zu den Merkmalen des Jakobsweges gehörte, Polaritäten zu verbinden: Banales und Besonderes können unmittelbar neben- oder hintereinander liegen. Da gibt es zuerst einmal die weit vorauseilende Sehnsucht nach einer imaginären Erfahrung, der die konkrete und realitätsbezogene Planung folgen muss. Danach geht es um sehr leibhafte und irdische Anstrengungen, um Schweiß und Schmerzen, aber daneben genauso um ein tiefes Gefühl von Freiheit, Entdeckerfreude und purer Lebens- und Wanderlust. Sprechen wechselt sich ab mit langen Stunden des Schweigens. Eine oft intensive und tiefe Gemeinschaft mit anderen Pilgern aus den verschiedensten Ländern und mit den unterschiedlichsten »Beweg-Gründen« verbindet sich damit, intensiv mit mir selbst zusammen zu sein. Eingestreut zwischen die Erfahrungen von Grenzen, die mit dem alltäglichen Gehen und Gehen und Gehen verbunden sind, blitzen immer wieder die besonderen Augenblicke wie Perlen durch: Aus dem Gehen wird Innehalten, Lauschen, Stehen und Stille. Irgendwann entstand in mir ein Bild, dass ich mich wie ausgestreckt zwischen Himmel und Erde fühle: die Füße fest auf dem Boden und durch die tägliche Anstrengung gut mit meinem Körper verbunden und gleichzeitig mit der Seele in einer vogelfreien Leichtigkeit bis zum Himmel reichend; bewegt von beidem und immer wieder aufgerufen, diese Pole zu verbinden.

Oft fielen mir unterwegs die Worte des Mystikers Meister Eckhart (ca. 1260–1327) ein:

Die Seele ist geschaffen an einem Ort zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit, in die beide sie hinein ragt. Mit ihren höchsten Kräften berührt sie die Ewigkeit, aber mit ihren untersten Kräften berührt sie die Zeitlichkeit. Seht, so wirkt sie in der Zeit nicht nach der Zeitlichkeit, sondern nach der Ewigkeit.3

Jetzt, beim Niederschreiben, erlebe ich diese weit gespannten Polaritäten allerdings wie ein Dilemma: Wie soll sich das, was beim Gehen als so dicht beieinander liegend erfahren werden kann, beim viel schnelleren und flüchtigeren Lesen noch verdeutlichen, und dann noch in der Alltagssprache einer Reiseschilderung? Wie kann es überhaupt diese Tiefe erreichen und über die Worte hinaus ausstrahlen? Wie lässt sich die Fülle und erst recht das »Mysterium des Augenblicks« vermitteln? Manchmal flogen mir Texte und Gedichte zu, die vielleicht etwas von diesem Fluidum andeuten, manchmal habe ich es selbst versucht. Doch ich vermag nicht zu sagen, ob und wie etwas bei denen anklingt, die den Weg noch nicht gegangen sind. Es mag sein, dass eigene, frühere Erlebnisse aus ähnlichen Situationen wieder lebendig werden können? Vielleicht leuchtet etwas aus einer Gedichtzeile von Rilke auf: »Die Dinge singen hör ich so gern …«. Vielleicht gelingt es manches Mal, »zwischen den Zeilen« zu lesen, und es entsteht etwas von der schwer zu beschreibenden Sehnsucht, die auch mich auf den Weg brachte …

2. Jeder hat seinen eigenen Weg

Gemessen an den riesigen Pilgerscharen früherer Jahrhunderte sind uns nur relativ wenige historische Berichte von Pilgern erhalten geblieben.4 Davon ist das aus dem 12. Jahrhundert stammende Liber Sancti Jacobi von Aymeric Picaud, auch Codex Calixtinus genannt, am bekanntesten geworden. Die Informationen über den Jakobsweg sind in der Regel mit persönlichen Einschätzungen und unvermeidlich mit Vorurteilen vermischt, mal mehr, mal weniger ausgeprägt.

In neuerer Zeit erscheinen zunehmend Veröffentlichungen über Weg-Erfahrungen. Trotzdem ist bei mancher äußeren Ähnlichkeit jeder Bericht unterschiedlich. Der Weg hat zwar allgemeine Merkmale, wie beispielsweise die Notwendigkeit, ihn nur durch eigene Anstrengungen zu bewältigen, Unwägbarkeiten des Wetters und der eigenen Grenzen auszuhalten, ein sehr einfaches Leben zu akzeptieren, sowohl äußere, aber genauso eigene innere, seelische Landschaften zu durchwandern und das Alleinsein mit sich selbst zu erfahren. Man könnte diese Merkmale mit Akkorden einer Grundmelodie vergleichen, die der eine vielleicht eher in Dur und die andere in Moll anschlägt. Welcher Takt, welche Ausführungen und Variationen sich daraus aber ergeben, das ist jeweils unterschiedlich. Der Weg übt auf viele eine starke Faszination aus. Doch jeder hat seinen ganz eigenen Weg!

Der »Camino«, wie er in Spanien genannt wird, hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Zulauf erfahren. Welche Bedürfnisse drücken sich heute darin aus? Humorvoll könnte man ihn auch eine »Ameisenstraße der Sucher« nennen. Doch was suchen all diese Menschen, die aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde sich auf diesen Weg begeben? Geht es heute eher um Identität und Sinn? Um eine gewisse Gegenbewegung zu Determinanten unserer heutigen Kultur? Um Verlangsamung und Rückkehr zu dem, was wirklich wesentlich ist, statt zunehmender Beschleunigung und Komplexität des Lebens? Geht es um Sinnlichkeit statt Ent-Sinnlichung? Letztlich um »Sein« statt »Haben«?5 Verweist dieser Zulauf auf ein kollektiv wachsendes Bedürfnis nach einer »Suchwanderung«, ein Motiv, das in allen Zeiten und Kulturen in Mythen und Märchen oder als spirituelle Suche vorkommt?