Die Autorin
Eva Wlodarek, Dr., studierte Germanistik und Philosophie, danach Psy­cho­logie. Als Diplom-Psychologin berät sie seit über 25 Jahren in ihrer Hamburger Praxis und ist eine gefragte Referentin und Trainerin im Bereich Persönlichkeit und Kommunikation für namhafte Firmen. Als Expertin vermittelt sie fundiertes Wissen in den Medien. Ihre Ratgeber­bücher sind Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Weitere Informationen zur Autorin Dr. Eva Wlodarek finden Sie unter (www.wlodarek.de); auf Facebook (facebook.com/evawlodarek); in ihrem Blog (wlodarek.blogspot.com) und auf der Youtube-Seite der Autorin (https://www.youtube.com/channel/UCVW6hd2cad47qOHVrtOWVKA).

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Eva Wlodarek
Mehr Selbstvertrauen
Strahle aus, wer du wirklich bist
 

 

 

 



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Namen und andere Daten wurden von der Autorin ­geändert.
 
 

 

 

 

Neuausgabe 2018
Bisheriger Titel: Selbstvertrauen stärken und ausstrahlen
© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2018
Alle Rechte vorbehalten
www.herder.de
 
© KREUZ VERLAG in der Verlag Herder GmbH,
Freiburg im Breisgau 2014
 
Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal
Umschlagmotiv: © mixform design/shutterstock
 
E-Book-Konvertierung: de·te·pe, Aalen
 
ISBN E-Book 978-3-451-81303-0
ISBN Print 978-3-451-03106-9
Inhalt
Vorwort
Einführung: Schluss mit dem Scharlatan-Syndrom
1. Die Wurzeln der Unsicherheit
Frühe Einflüsse
(V)erwünschte Anpassung
Klassische Bremsen für das Selbstvertrauen
Entwicklung ist jederzeit möglich
2. Schlüsselreize – Turbo in die Vergangenheit
Wunde Punkte
Den wunden Punkt entkräften
Projektionen auflösen
3. Der innere Dialog
Die negative innere Stimme
Die Macht der inneren Kritikerin brechen
Der Gedankenfilter
Das Denken dauerhaft umpolen
4. Das Muster ändern
Der innere Auftrag
Die Folgen des Musters
Das Muster dauerhaft verändern
Der Gewinn für Ihr Selbstvertrauen
5. Schluss mit dem Perfektionismus!
Wie werden wir zu Perfektionistinnen?
Die Peitsche des Perfektionismus
Selbstvertrauen gegen den Perfektionismus
Selbstmitgefühl zeigen
Seien Sie perfekt – aber nicht perfektionistisch
6. Sich mit Selbstvertrauen durchsetzen
Allzu nette Menschen leben gefährlich
Nein sagen
Tipps für das diplomatische Neinsagen
Präzise Forderungen stellen
Manipulationen erkennen
Sich durchsetzen ohne schlechtes Gewissen
7. Sich in der Männerwelt positionieren
Männersprache – Frauensprache
Zweisprachigkeit im Job
Nonverbales Revierverhalten
Sich mit Körpersprache sichtbar machen
Die richtige Taktik im Spiel der Geschlechter
8. Mit Kränkungen souverän umgehen
Verbale Gemeinheiten selbstbewusst parieren
Top-Techniken zur Gegenwehr
Kränkungen klar begegnen
Auf schwere Verletzungen reagieren
Den Eigenanteil entdecken
Die Königsdisziplin: Verzeihen
9. Mit Selbstvertrauen Kontakte pflegen
Der Beziehungs-Check
Sich aus unbefriedigenden Beziehungen lösen
Gute Kontakte knüpfen
Die Kunst des souveränen Small Talks
Aktiv zuhören
Verbundenheit herstellen
10. Kleidung und Stil für das Selbstvertrauen
Der erste Eindruck
Wer bin ich?
Facetten für spezielle Auftritte
Der Erwartung entsprechen
Pflicht und Kür im Dresscode
11. Öffentliche Auftritte mit Selbstvertrauen meistern
Powersprache anwenden
Sich selbstbewusst zu Wort melden
Die kleine Rednerschule
Der Körper spricht mit
Wenn nur das Lampenfieber nicht wäre …
Übung macht die Meisterin
12. Selbstvertrauen trainieren
Mit einem Kompaktprogramm starten
Einen unsichtbaren Coach buchen
Erfolge feiern
Selbstvertrauen forever?
13. Mit Selbstvertrauen leben
Höchste Zeit für mehr Selbstvertrauen
Zurück in die Zukunft
Kosmische Unterstützung?
Das Geheimnis des Selbstvertrauens
Danksagung
Quellen und Literatur
[Das Buch]
[Die Autorin]
Vorwort
 
 
Liebe Leserin,
 
ein Buch über Selbstvertrauen für Frauen?
Warum nicht auch für Männer – haben die etwa genug davon? Nein, haben sie nicht. Auch von erfolgreichen Männern hörte ich schon den Satz, den viele Frauen aussprechen: »Wenn die wüssten, wie unsicher ich oft bin …« Aber – und jetzt kommt der große Unterschied: Männer gehen anders mit mangelndem Selbstvertrauen um. Sie kompensieren es mit forschem Auftreten. Außerdem lassen sie sich nicht von Selbstzweifeln ausbremsen, sondern halten sich prinzipiell für fähig, ob es nun zutrifft oder nicht. Unsere weibliche Sozialisation dagegen führt zu einem anderen Verhalten. Wir sind mit uns besonders kritisch, streben perfektionistisch Bestleistungen an und betrachten uns erst als geeignet, wenn wir jahrelange Erfahrung aufweisen. Meist fühlen wir uns im Rampenlicht eher unwohl, zumal wir im Gegensatz zu den Männern mehr an der Sache als an Selbstdarstellung interessiert sind.
Vergleichsweise haben wir also schlechtere Karten. Das muss jedoch keineswegs so bleiben. Wir brauchen in puncto Selbstvertrauen eine eigene Anleitung und spezielles Know-how, um etwas zu verändern. Das möchte ich Ihnen mit diesem Buch geben. Und wie es meine Art ist, reicht mir dabei keine äußere Kosmetik nach dem Motto »So wirken Sie ­garantiert selbstsicher«. Ich finde: Sie haben es verdient, nicht nur selbstsicher zu wirken, sondern es auch zu sein. Deshalb gehen wir zunächst gründlich an die Wurzeln, damit Sie überholte Muster auflösen und echtes Selbstvertrauen aufbauen. Dazu gehört auch, der inneren Kritikerin den Mund zu verbieten, verunsichernde Schlüsselreize zu löschen und Perfektionismus abzubauen. Anschließend bekommen Sie praktisches Handwerkszeug, um es auf allen Gebieten erfolgreich einzusetzen. Sie erhöhen unter anderem Ihre Fähigkeit
 
  • • sich durchzusetzen, auch in einer von Männern dominierten Umgebung,
  • • klar zu fordern, was Sie haben wollen,
  • • Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen,
  • • mit Kränkungen souverän umzugehen,
  • • gute Kontakte zu knüpfen und zu pflegen,
  • • wirkungsvoll öffentlich aufzutreten.
 
Die Chancen sind hoch, dass Sie von der Lektüre einen ­großen Gewinn haben, für Ihre Persönlichkeit, für Ihren Beruf und für Ihr Privatleben.
Ich freue mich auf unsere gemeinsame Arbeit und vor ­allem darauf, dass Sie endlich glauben, dass Sie großartig sind, und das auch allen zeigen!
 
Herzlichst
 
Ihre Eva Wlodarek
Einführung:
Schluss mit dem Scharlatan-Syndrom
 
 
Kürzlich war ich als Referentin zu einer Tagung in Wien eingeladen. Es ging um das Thema »Glück«. Vor meinem Vortrag stand die Lesung einer bekannten Autorin, die ein Buch über Lebensfreude geschrieben hatte, auf dem Programm. Zufällig saßen wir nebeneinander. Bevor es losging, erzählte sie mir mit ungewöhnlicher Offenheit, dass sie sich im Rampenlicht furchtbar unsicher fühlte. In der Nacht vorher habe sie kaum geschlafen, sie bereue schon, sich überhaupt darauf eingelassen zu haben. Bestimmt würde sie grandios scheitern. Dann kam ihr Auftritt. Auf der Bühne sah man eine selbstsichere Frau, die locker aus ihrem Buch las und das Publikum mit Humor und Lebensklugheit begeisterte. Sie bekam langen Applaus. Während ich mitklatschte, hatte ich noch ihre zaghaften Worte im Ohr und dachte: »Willkommen im Club!«
Offenbar gehörte auch sie zu dem heimlichen Netzwerk von Frauen, die sich ihrer Großartigkeit nicht bewusst sind. Tatsächlich gilt für die meisten von uns: Wir unterschätzen uns. Mit festem Blick auf unsere Lücken, Mängel und Schwä­chen – die wir natürlich sehr genau kennen –, fühlen wir uns gegenüber unserer Umwelt manchmal wie Betrügerinnen. Die anderen halten uns zwar für kompetent, selbstsicher, souverän und durchsetzungsfähig, aber denen spielen wir doch nur etwas vor. Würden sie erfahren, wie wenig wir in Wirklichkeit wissen oder können, wie ängstlich und unsicher wir im Grunde sind, dann würden sie uns ablehnen oder gar verachten.
Die Autorin auf der Tagung in Wien war wahrhaftig nicht die Erste, bei der ich dieses Phänomen beobachten konnte. Im Laufe vieler Jahre als Coach durfte ich hinter die Kulissen von Frauen schauen, die jeder Außenstehende als erfolgreich und selbstsicher bezeichnet hätte. In meinen Seminaren zum Thema Persönlichkeit und Ausstrahlung hörte ich von Teilnehmerinnen immer wieder den gleichen Kommentar: »Am Anfang habe ich spontan gedacht: Was wollen denn diese tollen Frauen hier?« Die Richterin, die mit ihrer klaren Art beeindruckt. Die Kosmetikerin, die in ihrem Studio ständig ausgebucht ist. Die PR-Lady, deren originelle Ideen die Events der Konkurrenz fade wirken lassen. Die Managerin, die innerhalb kürzester Zeit für ihre Firma internationale Standorte eingerichtet hat. Die Keramikerin, die schon in Museen ausgestellt hat. Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Alle diese Frauen sahen die Ergebnisse ihrer Arbeit durchaus positiv, aber das reichte nicht aus, um von sich selbst überzeugt zu sein.
Manche »Clubmitglieder« führen ihren Erfolg nur zu einem kleinen Teil auf eigene Anstrengungen zurück. Ihre Erklärungen für ihre Verdienste klingen dann so: »Da habe ich Glück gehabt!«, »Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort«, »Mein Chef mochte mich und hat mich großzügig ­gefördert«, »Das lag mir halt.« Andere sind der Ansicht, dass sie ihre Umgebung mit Qualitäten täuschen, die sie in Wahrheit nicht in ausreichendem Maße besitzen. Wie es eine Immobilienmaklerin ausdrückte: »Ich spiele die selbstsichere Wohnungsvermittlerin und die Kunden nehmen mir das ab.« Eine Informatikerin formulierte kurz und knapp: »Ich fake.« Wohlgemerkt handelt es sich dabei immer um seriöse und engagierte Frauen, die beruflich niemals falsche Angaben machen würden. Ihr vermeintlicher Betrug bezieht sich nur auf sie selbst. Diese bei Frauen weitverbreitete Einstellung hat einen Namen: das Scharlatan-Syndrom.
Per Definition ist ein Scharlatan jemand, der vorgibt, ein bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten zu besitzen, und damit andere täuscht. In diesem Fall allerdings glauben die Betroffenen, dass sie ihrer Umgebung etwas vormachen, ohne dass es tatsächlich der Fall ist. Frauen, die unter dem Scharlatan-Syndrom leiden, verhalten sich nach der Devise: »Ich bin nicht gut genug, und das darf niemand wissen.« Das zeigt sich dann in individuellen Facetten, etwa diesen:
 
  • • Sie geben die Power-Frau, die alles hinkriegt und der nichts zu viel ist.
  • • Sie zeigen keine Schwäche. Lächeln, auch wenn die Ablehnung oder Entwertung wehtut. Heulen kann man zu Hause.
  • • Sie sind Perfektionistinnen. Selbst unbedeutende E-Mails werden formuliert, als ob man den Pulitzerpreis damit gewinnen müsste.
  • • Sie bereiten sich akribisch vor und kontrollieren mehrfach.
  • • Sie geben sich unnahbar, damit niemand sie kränken kann. Gerne Small Talk, aber bitte keine persönlichen Gespräche.
  • • Sie erscheinen optisch immer tadellos, von der Maniküre bis zum Designerkostüm.
 
Das Gefühl, trotz aller Erfolge nicht gut genug zu sein, lässt sich nicht immer geschickt kaschieren. Oft führt es zu Verhaltensweisen, mit denen sich selbst tüchtige und begabte Frauen sabotieren: Sie bleiben lieber in der zweiten Reihe und vermeiden Situationen, in denen sie im Mittelpunkt ­stehen. Chancen schlagen sie aus, weil sie sich dafür noch nicht reif oder ausgebildet genug fühlen. Obwohl sie viel leisten, fordern sie kein entsprechendes Gehalt oder Honorar, weil sie meinen, sie müssten ihren Wert erst beweisen. Sie passen sich zu sehr an, um akzeptiert zu werden, und lassen sich von Kritik völlig verunsichern.
Bei manchen Frauen zeigt sich die innere Unsicherheit nicht durchgängig. Normalerweise fühlen sie sich durchaus als Herrin der Lage und agieren selbstsicher. Erst bei ungewohnten Herausforderungen oder wenn ein wunder Punkt berührt wird, kommt das mangelnde Selbstvertrauen zum Vorschein.
So ging es einer Kollegin von mir, einer erfahrenen Verhaltenstherapeutin mit eigener Praxis. Sie war auf einem Psychotherapie-Kongress zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, vermutlich im Zuge der Frauenquote. Die übrigen Gäste waren ein Professor, der jahrelange Forschung vorweisen konnte, ein Autor, der ein 400-seitiges Fachbuch ver­fasst hatte, und ein bekannter Psychoanalytiker. Die Herren überboten sich mit theoretischen Erörterungen und Verweisen auf spezielle amerikanische Studien. Anstatt sich nun souverän zu sagen: »Diese verkopfte Gruppe braucht unbedingt meine praktische Sichtweise als Gegengewicht«, kam meine Kollegin sich immer ungenügender vor. Sie fühlte sich dem intellektuellen Gremium nicht gewachsen und machte kaum noch den Mund auf. Da halfen keine jahrelange Ausbildung und kein beruflicher Erfolg. Sie war heilfroh, als die Veranstaltung vorbei war.
 
Die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Scharlatan-Syndroms haben den gleichen Hintergrund: Wir erkennen unsere eigene Größe nicht. Wir ignorieren unsere Einzig­artigkeit und Schönheit. Ich behaupte, dass das für die meisten von uns gilt.
Jeweils zu Beginn meines Vortrags »Mich übersieht keiner mehr. Größere Ausstrahlung gewinnen« mache ich die Stichprobe. Ich bitte darum, dass diejenigen aufstehen, die sich für großartig und einmalig halten. Egal, um welche Stadt es sich handelt, im Saal sind es immer nur wenige Frauen, die sich hinstellen. Außerdem ist ihren Gesichtern anzusehen, dass sie sich dabei nicht besonders wohlfühlen, manche schauen trotzig oder verlegen. Ich finde dieses magere Ergebnis unglaublich schade. Mein großer Wunsch ist es, dass sich eines Tages bei meiner Aufforderung das gesamte weibliche Publikum erhebt. Aber ich weiß wohl, wie schwer es fällt, sich die eigene Großartigkeit einzugestehen, geschweige denn, sie auch noch öffentlich zu vertreten. Dabei hat es nichts mit Größenwahn zu tun, sich einzigartig zu finden. Es bedeutet keineswegs, dass wir fehlerfrei sind, hochbegabt, mit besonderen Talenten gesegnet oder perfekt ausgebildet sind. Es bedeutet einfach, endlich die Wahrheit anzuerkennen: Niemand auf der Welt ist so wie wir. Grund genug, stolz auf uns zu sein, anstatt wie das Kaninchen vor der Schlange nur auf das zu schauen, was wir nicht bieten können.
Auf einer Postkarte las ich den humorvollen Spruch »Kopf hoch, Prinzessin, sonst rutscht die Krone«. Das passt. Wir müssen endlich unseren Wert erkennen und den Kopf entsprechend hoch tragen.
Horchen Sie in sich hinein. Glauben Sie im Grunde Ihres Herzens, dass Sie fähig, begabt und kompetent sind, obwohl Sie längst nicht alles wissen und können? Dass Sie liebenswert sind, auch ohne dass Sie sich dafür anstrengen müssen? Dass Sie ein wertvoller Mensch sind? Dass Sie Respekt verdienen, und zwar von jedem? Dass Sie schön sind, genau so, wie Sie aussehen? Wenn Sie nicht jede dieser Fragen freudig bejahen, dann gibt es Nachholbedarf in puncto Selbstvertrauen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, das Bewusstsein für Ihre Großartigkeit zu wecken. Das geht nicht per Knopfdruck, sondern ist ein Prozess. Er verlangt, dass Sie bereit sind, Ihr Denken zu verändern und alte Muster innen und außen loszulassen. Das wird sich auf Ihr Verhalten, Ihr Handeln, Ihr Sprechen, ja sogar auf Ihr Äußeres auswirken.
Was Sie von dem ganzen Aufwand haben? Das Gefühl für Ihre Größe trägt Sie bei Herausforderungen, denn Sie wissen: Selbst wenn ich scheitere oder Fehler mache, bin ich immer noch ein wunderbarer Mensch. Dadurch eröffnen sich Ihnen Chancen, weil der Sinn für die eigene Bedeutung Sie mutig macht, Unbekanntes auszuprobieren. Das Bewusstsein Ihrer Großartigkeit wird Ihnen das tägliche Leben erleichtern, denn Sie wissen, was Sie wollen, und treten souverän auf. Sie sind gegen Anfeindungen gewappnet, weil Sie niemandem erlauben, Sie kleinzumachen. Kurz, Sie spüren eine nie gekannte Freiheit und Gelassenheit.
Aber das ist noch nicht alles – und jetzt wird es spirituell. Erst im Status der Großartigkeit können Sie die Mission vollständig erfüllen, für die Sie auf dieser Erde sind. Mit Ihrer individuellen Mischung von genetischer Anlage und erworbenen Fähigkeiten gibt es nämlich eine Lebensaufgabe, für die niemand besser geeignet ist. Sie ist nicht an einen bestimmten Beruf gebunden, obwohl einige Berufsfelder dafür meist besonders passend sind. Vielmehr lässt sie sich in Oberbegriffe fassen wie Heilen, Helfen, Lehren, Forschen, Erfinden, Entdecken, Erziehen, Unterstützen, Vermitteln, Führen, künstlerischer Ausdruck oder Gestalten.
Die konkrete Umsetzung dieser Aufgabe muss keineswegs spektakulär sein. Es geht nicht unbedingt darum, ein Medikament gegen Krebs zu entdecken, den Nobelpreis für Literatur zu gewinnen oder mit fantastischen Erfindungen das Internet zu revolutionieren – obwohl natürlich auch das möglich ist! Vielleicht handelt es sich eher darum, eine mitfühlende Ärztin in einem technisierten, anonymen Krankenhaus zu sein, als Lektorin mit besonderem Gespür für literarische Qualität unbekannten Autoren eine Chance zu geben oder als IT-Expertin für die Firma zeitsparende Ideen zu entwickeln. Oder eine liebevolle Mutter, eine inspirierende Trainerin, eine präzise Dolmetscherin zu sein. Sicher, die gleichen Jobs erledigen auch viele andere, aber eben nicht genau so wie Sie.
Falls Sie Ihre spezielle Aufgabe noch nicht gefunden haben, machen Sie sich keine Sorgen, es ist nie zu spät. In dem Büchlein »Grüße vom Universum« sagt der Autor Mike Dooley in einem seiner Aphorismen: »Der beste Beweis dafür, dass deine Aufgabe noch nicht erledigt ist, ist, dass du noch hier bist.« Möglicherweise finden Sie ja Ihren angemessenen Platz erst, wenn Sie Ihre Großartigkeit anerkennen, weil Sie sich dann endlich trauen, Ihren Weg zu gehen. Sagen Sie sich in jedem Fall: »Die Welt braucht mich!« Warum wären Sie sonst hier?
Eine der schönsten Ermutigungen, die eigene Großartigkeit zu entdecken und zu zeigen, hat Nelson Mandela 1994 in seiner berühmten Antrittsrede zitiert. Die Verse stammen von der amerikanischen Pastorin Marianne Williamson, aus ihrem Buch »A Return to Love«. Von daher ist darin auch von Gott die Rede. Falls Sie das stört, setzen Sie einfach den Begriff »Schöpfung« oder »Universum« dafür ein oder einen anderen, der Ihnen passend erscheint. Aber lassen Sie sich die Worte auf der Zunge zergehen und nehmen Sie sie in Ihr Herz:
 
Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere größte Angst ist, dass wir unermesslich stark sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns, wer bin ich denn, dass ich brillant, großartig, talentiert und begnadet sein kann?
Ja, wer bist du eigentlich, dass du es nicht sein dürftest?
Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen dient der Welt nicht.
Es bringt nichts, sich ständig zurückzunehmen, nur damit sich andere in deiner Nähe nicht unsicher fühlen.
Wir sind geboren, um der Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, Ausdruck zu verleihen. Sie ist nicht nur in manchen von uns, sie ist in jedem Einzelnen.
Und wenn wir unser Licht leuchten lassen, ermutigen wir andere Menschen dazu, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, dann befreit unsere pure Gegenwart auch andere.