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Die Autorin

Die Romane von Cora Carmack bei LYX

Impressum

Cover

CORA CARMACK

Keeping Her

Nichts einfacher als das

Ins Deutsche übertragen

von Sonja Häußler

Zu diesem Buch

Als Garrick ihr einen Heiratsantrag macht, ist Bliss sich sicher, dass ihrem Happy End nichts mehr im Wege steht. Doch leider lässt es sich nicht vermeiden, dass sie vor der Hochzeit Garricks Eltern kennenlernen muss. Und als die beiden nach London reisen, wird ihnen plötzlich klar, dass sie – egal, wie sehr sie sich lieben – für eine gemeinsame Zukunft noch nicht ganz so bereit sind, wie sie ursprünglich dachten.

Für Ana

Du wirst noch so viele tolle Sachen machen. Und ich kann es kaum abwarten, das mitzuerleben.

Und für das Straßenteam #TeamGarrick

Ich liebe euch über alles. Und ich hoffe, dass das Universum jedem von euch einen großartigen Kerl mit unwiderstehlichem Akzent schenkt.

1

Garrick

Der Wecker klingelte zu früh.

Durch einen gezielten Schlag brachte ich ihn zum Schweigen und tastete nach Bliss. Neben mir fand ich nur zerknüllte Laken und Leere. Meine Augenlider fühlten sich an, als würden Sandsäcke auf ihnen lasten, trotzdem setzte ich mich auf und öffnete die Augen.

Meine Stimme war noch rau vom Schlaf, als ich »Liebling? Wo bist du?« rief. Als Antwort darauf klapperte etwas in der Küche. Ich setzte mich auf, meine Müdigkeit war durch die Erkenntnis, dass Bliss bereits aufgestanden war, wie weggeblasen. Und sie kochte.

Das konnte kein gutes Zeichen sein.

Rasch warf ich die Decken zurück, sodass die kühle Morgenluft meine nackte Haut attackierte. Ich zog eine Schlafanzughose und ein T-Shirt an, bevor ich durch den Flur zur Küche tapste.

»Bliss?«

Ein weiteres Klirren. Ein gemurmelter Fluch.

Dann bog ich um die Ecke und geriet in ein Kriegsgebiet.

Mit großen Augen blickte sie mich an. Ihr Gesicht, ihr Haar, unsere winzige Küchenecke – alles war mit Mehl bedeckt. Ihre Wange und die Arbeitsplatten waren mit etwas beschmiert, das Teig ähnelte.

»Liebling?«

»Ich backe Pfannkuchen«, sagte sie in einem Tonfall, wie man vielleicht »Ich war’s nicht« sagen würde, wenn ein Polizist seine Waffe auf einen richtete. Ich schlug die Augen nieder, um nicht lachen zu müssen, doch dann fiel mein Blick auf ihre nackten Beine, die unter dem übergroßen T-Shirt hervorragten, das sie anhatte. Mein T-Shirt. Verdammt.

Ich liebe ihre Beine schon seit dem Moment, in dem ich sie zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatte. Damals verarztete ich die Brandwunde, die sie sich an meinem Motorrad zugefügt hatte. Genau wie damals trieben sie mich auch jetzt noch zur Raserei.

Stundenlang hätte ich die Form ihrer Schenkel betrachten können, wie sie sich zu ihren Hüften hin wölbten. Ich hätte dem besitzergreifenden Gefühl nachgeben können, das mich jedes Mal ergriff, wenn sie meine Sachen trug. In diesem Moment hätte ich gern ein Dutzend Dinge mit ihr gemacht, doch ein beißender Geruch kitzelte mir in der Nase, und ein paar Rauchfäden krochen vom Herd her um Bliss herum.

Ich stürzte mich auf die Pfanne, in der ich einen geschwärzten, unförmigen Klumpen vorfand. Rasch zog ich die Pfanne vom Herd und hörte hinter mir Bliss’ lautes Atmen.

Ein weiteres schlechtes Zeichen.

So schnell es ging, warf ich den »Pfannkuchen« in den Müll und stellte die Pfanne in die Spüle. »Warum gehen wir nicht einfach frühstücken?«, schlug ich vor.

Bliss lächelte, aber es war so ein weinerliches, schiefes Lächeln, bei dem jeder Mann am liebsten das Weite suchen würde. An Bliss’ Panikattacken hatte ich mich bereits gewöhnt. Aber Weinen war noch immer ein beängstigend unvertrautes Territorium. Sie ließ sich auf einen Stuhl fallen und legte den Kopf auf den Tisch.

Ich stand da, öffnete und schloss die Fäuste und versuchte zu entscheiden, was ich am besten tun sollte.

Sie drehte den Kopf auf die Seite, presste die Wange auf den Tisch und sah mich an. Ihr Haar stand in alle Richtungen ab, ihre Unterlippe litt unter ihren Zähnen, und ihr Blick zerrte an etwas in meiner Brust. Wie ein Jucken an meinem Herzen. Ich wusste nur, dass etwas nicht stimmte, und wollte es in Ordnung bringen. Die Frage war nur, wie.

Erst mal ging ich zu ihr und kniete mich vor ihren Stuhl. Ihre Augen waren rot gerändert, und ihre Haut war einen Tick blasser als normal. »Wie lange bist du schon wach?«, fragte ich.

Sie zuckte mit den Schultern. »Ungefähr seit vier. Vielleicht eher drei.«

Ich seufzte und fuhr mit der Hand durch ihr unordentliches Haar. »Bliss …«

»Ich habe gelesen, Wäsche gewaschen und die Küche geputzt.« Sie blickt sich um. »Sie war sauber. Das schwöre ich.«

Ich musste lachen und streckte mich, um sie auf die Stirn zu küssen. Dann zog ich einen zweiten Stuhl heran und setzte mich neben sie. Ich legte meinen Kopf neben ihren, doch sie schloss die Augen und drehte den Kopf in die andere Richtung.

»Sieh mich nicht an. Ich sehe furchtbar aus.«

So leicht wollte ich sie nicht davonkommen lassen. Ich schob meinen Arm unter ihre Knie und zog sie auf meinen Schoß. Sie wimmerte meinen Namen und vergrub dann ihren Kopf an meinem Hals. Ich fasste sie am Kinn und zwang sie, mich anzusehen. Es konnte kein Zufall sein, dass dies an dem Tag passierte, an dem wir nach London aufbrechen würden, um meine Eltern zu treffen. Bisher war sie diesbezüglich bemerkenswert ruhig geblieben. »Alles wird gut, Liebling. Versprochen.«

»Was ist, wenn sie mich hasst?«

Darum ging es also. Um meine Mutter. Bliss konnte kaum mit ihrer eigenen herrischen Mutter auskommen. Da schien es grausam, dass uns das Universum zwei von der Sorte beschert hatte. Aber ich machte mir weit mehr Sorgen darüber, was Bliss denken würde, und nicht darum, was meine Mutter denken würde. Bliss war aufrichtig, lieb und authentisch, und meine Familie … na ja, nicht so sehr.

Ich lächelte gezwungen und sagte: »Unmöglich.«

»Garrick, ich habe genug Telefonate zwischen dir und deiner Mutter mitgehört. Ich weiß, dass sie sehr, äh, eigensinnig ist. Ich wäre dumm, wenn ich mir keine Sorgen darüber machen würde, was sie von mir hält.«

»Du wärst dumm, wenn du glaubtest, dass irgendetwas, was meine Mutter sagt, von Belang sein könnte.« Für mich war es jedenfalls nicht von Belang. Für Bliss aber schon. Spät am Abend, als es still wurde in unserer Wohnung, schoss mir ein Bild durch den Kopf: Meine Mutter als Raubtier und Bliss als Beute. Eine Woche. Wir brauchten nur eine Woche lang durchzuhalten. Ich fuhr ihr mit dem Daumen über die Wange und sagte: »Ich liebe dich.«

So sehr, dass es mir Angst machte. Und mir jagte nichts so schnell Angst ein.

»Ich weiß … Ich will nur …«

»Dass sie dich mag. Ich weiß. Und das wird sie auch.« Bitte, Gott, mach, dass meine Mutter sie mag. »Sie wird dich mögen, weil ich dich liebe. Sie mag vielleicht ein wenig grob sein, aber wie jede Mutter will sie, dass ich glücklich bin.«

Zumindest hoffte ich, dass sie die Dinge so sah.

Bliss’ Kinn ging ein wenig nach oben, sie brachte ihre Lippen näher an meine. Ich spürte ihren Atem an meinem Mund, und mein Körper reagierte beinahe sofort. Meine Wirbelsäule richtete sich auf, und ich wurde mir schlagartig der nackten Beine über meinem Schoß bewusst. »Und bist du das? Glücklich?«

Gott, manchmal würde ich sie am liebsten schütteln. In vielerlei Hinsicht hatte sie die schlimmsten ihrer Unsicherheiten überwunden, aber in Stresssituationen schienen sie alle wieder zurückzukommen. Anstatt meinen Atem zu verschwenden, um ihr zu antworten, stand ich mit ihr in den Armen auf und ging in den Flur.

»Was hast du vor?«

Ich blieb einen Moment stehen, um ihr einen festen Kuss auf den Mund zu drücken. Sie schlang die Finger um meinen Nacken, doch ich wich zurück, bevor sie mich von dem, was ich zu sagen hatte, ablenken konnte. »Ich zeige dir gleich, wie glücklich ich bin.«

Ich versetzte der Badezimmertür einen Schubs und ging in Richtung Dusche. Als ich mich durch den Duschvorhang beugte, kreischte Bliss auf und umklammerte noch fester meinen Nacken, während ich die Dusche aufdrehte. Noch immer in meinen Armen zog sie eine Augenbraue nach oben, während sich ein schlitzohriges Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete. »Unsere Dusche macht dich glücklich?«

»Du machst mich glücklich. Die Dusche macht nur für mich Multitasking.«

»Wie verantwortungsvoll von dir.«

Ich küsste ihr einen Klecks Pfannkuchenteig vom Gesicht und lächelte. »Ja, das ist genau das richtige Wort.«

Dann stellte ich sie auf ihre Füße, aber ihre Arme blieben um meinen Hals gelegt. Als sie mich so anlächelte, vergaß ich das Mehl in ihrem Gesicht und das wirre Haar. Dieses Lächeln ging mir durch und durch und setzte sich irgendwo in meinen Knochen fest.

Ich küsste sie auf die Stirn. »Lass uns dich erst mal waschen.«

Ich fand den Saum ihres übergroßen T-Shirts und zog es ihr über den Kopf. Keine Ahnung, wo das T-Shirt am Ende landete, denn als ich merkte, dass sie darunter nichts anhatte, konzentrierte sich mein Blick ausschließlich auf ihren Körper.

Gott, war Bliss umwerfend.

Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich ein Mädchen heiraten würde, das ich erst vor einem Jahr kennengelernt hatte, dann hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Mein Liebesleben war davor so schrecklich gewesen, dass ich mir nie vorstellen konnte, einmal zu heiraten. Bis sie kam.

Bliss räusperte sich, und ich erwachte aus meiner Trance. Mein Blick wanderte zu ihrem Mund. Zu ihrer Brust. Zu ihrer Taille, die nur für meine Hände gemacht schien.

Durch sie hatte sich alles in meinem Leben verändert. Mir war früher nicht klar, wie es wäre, einem Menschen zu begegnen, der so voller Freude war, dass man plötzlich in eine glücklichere Welt katapultiert wurde. Noch nie war ich mit jemandem zusammen gewesen, der in der Lage war, alle Teile von mir – Körper, Geist und Seele – zu fesseln.

Momentan konzentrierte ich mich eher auf ihren Körper.

Lockend schob sie die Unterlippe nach vorne. »Wie lange willst du mich noch nackt herumstehen lassen, während du komplett angezogen bist?«

Ich setzte mich auf den Toilettensitz und grinste frech zu ihr auf. Dann lehnte ich mich zurück, schlug die Beine übereinander und sagte: »Das könnte ich den ganzen Tag tun.«

Und das war nicht gelogen. Ich wollte sie betrachten, sie studieren, sodass ich sie genau so, wie sie war, vor mir sähe, wenn ich die Augen schloss.

Sie verdrehte die Augen. »Na ja, es wäre schon ein wenig peinlich, den ganzen Tag nackt rumzulaufen. Auch wenn es dann sehr viel einfacher wäre, durch die Flughafenkontrollen zu kommen.«

Ich lachte schallend, und sie fügte hinzu: »Hattest du nicht vor, mich abzulenken, damit ich weniger unsicher bin? Sie sind Ihrem Job nicht gewachsen, Mr Taylor.«

Nun, das konnte ich mir nicht bieten lassen, oder?

Ich umfasste ihre Taille und zog sie zu mir, bis mein Kinn die Haut direkt unter ihrem Bauchnabel berührte. Sie erschauerte in meinen Armen, eine Reaktion, die das Blut rasch durch meine Adern pulsieren ließ. Ich ließ ganz leicht meine Lippen über sie streichen und sagte: »Du hast absolut keinen Grund, unsicher zu sein.«

Sie schlang die Finger in meine Haare und blickte mit halb geschlossenen Augen auf mich herunter. Wieder strich ich mit den Lippen über ihren Bauchnabel – dieses Mal fester – bis hinauf zu dem Tal, das ihre Rippen bildeten. Sogar dort schmeckte ich Mehl auf ihrer Haut und musste ein Lachen unterdrücken.

Sie seufzte über mir und sagte: »Jetzt bist du in Bezug auf diese Ablenkungsmanöver wieder auf dem richtigen Weg.«

Plötzlich wurde ich ungeduldig. Eilig stand ich auf und zog mir das T-Shirt über den Kopf. Dafür wurde ich mit einem gehauchten Seufzer belohnt. Außerdem biss sie sich auf die Unterlippe, wodurch es unglaublich schwer wurde, nicht übermütig zu werden und sie auf der Stelle zu nehmen.

Sie schluckte, was meinen Blick zu ihrem Hals lenkte. Gott, ich wusste nicht, was ihr Hals an sich hatte, aber er gab mir jedes Mal den Rest. Dann fühlte ich mich wie ein Teenager, der diese blasse, makellose Haut wieder und wieder als sein Eigentum markieren wollte. Immer wieder strich ich mit dem Daumen über ihre pulsierende Halsschlagader, und mit großen Augen schaute sich mich an und schluckte erneut. Ich schlang meine Finger in ihr vom Schlaf zerzaustes Haar und neigte ihren Kopf nach hinten.

»Und, wie ist es jetzt?«, fragte ich.

Wenn sie auch nur halb so abgelenkt war wie ich, hatte ich meinen Job erledigt, würde ich sagen. Sie riss den Blick von meiner nackten Brust los und sagte: »Ähm … was?«

Ich lachte, doch das Geräusch blieb mir in der Kehle stecken, als ihre schlanken Finger über meine Brust bis hinunter zum Bund meiner Pyjamahose glitten. Sie schlang die Finger um den Bund, und ich schluckte. Als ich hinunterschaute, sah ich, wie sich ihre Kurven meinem Körper entgegenwölbten, und ich wollte nur noch, dass unsere Körper sich vereinigten.

Bevor ich den Gedanken vergaß, sagte ich: »Keine Sorgen mehr wegen meiner Mutter, okay?« Das galt für uns beide.

Wütend funkelte sie mich an.

Mit einer Hand zog ich sie zu mir, die andere legte ich um ihre Brust. Dann wiederholte ich: »Keine Sorgen mehr.«

»Versprichst du mir, dass du das jedes Mal machst, wenn ich mir doch Sorgen mache?«

Ich zwickte sie zärtlich in die Spitze der Brust.

Sie zuckte zusammen und stöhnte auf. Ihre Augen schlossen sich flatternd, und sie ließ ihren Körper gegen meinen sinken.

»Keine Sorgen mehr«, hauchte sie.

Gott sei Dank, dachte ich.

Denn ich konnte keine Sekunde mehr warten.