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Fred Sellin
Das schmutzige Spiel

Fred Sellin

Das schmutzige Spiel

Intrigen, Skandale und
Machenschaften im
deutschen Fußball

 

 

C. Bertelsmann

Datenkonvertierung eBook:

Kreutzfeldt Electronic Publishing GmbH, Hamburg

 

 

Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100

 

1. Auflage

© 2006 by C. Bertelsmann Verlag, München,

einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH

 

ISBN-13: 978-3-641-01129-1

 

 

 

 

 

 

»Es wird jedes Jahr schlimmer.

Fußball ist eine reine Geldmaschinerie geworden.

Die menschliche Seite spielt keine Rolle mehr.«

HSV-Profi SERGEJ BARBAREZ über die Bundesliga

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. März 2005)

 

 

»Profi zu sein ist die schönste und leichteste

Art, richtig Kohle zu verdienen. Wer was anderes

behauptet, spinnt – oder lügt!«

GEORG KOCH, Torhüter des MSV Duisburg

(Bild am Sonntag, 16. Oktober 2005)

Inhalt

 

Zu diesem Buch

 

1
Die Akte Arena

Die Festnahme • Der Wunderbau zu Fröttmaning • Des
Kaisers Diener • Trügerische Familienbande • Der
Verlierer • Im falschen Film • Verbotene Kontakte

 

2
Kaiserslautern und anderswo

Weltmeister in der Pfalz • Steuersünden • Chaotische
Zeiten
• Abgründe • Der Prozess • Zweifelhafte
Geschäfte
• Schummeln und tricksen, lügen und
betrügen
• Geheime Dossiers

 

3
Spieler, Berater und Ganoven

Der Ehrgeizige • Abzocker • Das Phantom •
»Hühnerdiebe« • Tolldreiste Geschichten, oder: »Der
Dicke mit dem Geldkoffer« • Gierige Trainer? • Die
Kontrahenten • Nützliche Verquickungen • Publizistische Allrounder • Als Hai im Karpfenteich • Fußball
als Muppet Show • Schlitzohren und Ganoven • Abenteuerliche Kapitalvernichtungsstrategien • Moderner Menschenhandel • Es braut sich etwas zusammen

 

4
Der Schattenmann

Lehrzeit beim Strippenzieher • Ein Netzwerk entsteht •
Der WM-Pakt • Im Dienste des Paten • Ergiebige
Verflechtungen • Im Schutze des Kaisers • Der
Geschäftsfreund • Die Kampagne

 

5
Der Wett-Sumpf

Die Fax-Lüge • Zocker-Freunde • Hoyzers Meisterstück • Wo ein Sapina ist, ist auch ein Hoyzer •
Im Tal der Ahnungslosen? • Die Jagd • Die Beichte •
Das Urteil • Zurück zum Tagesgeschäft?

 

6
Die Schuldenliga

Vertreibung aus der Hölle • Wie man Geld verbrennt •
Einfache Tricks • Heimliche Herrscher • Unheimliche
Herrscher • Gefälligkeiten • Moderne Raubritter •
Ruinöses Rattenrennen, oder: »Management by Wahnsinn« •
Dichtung und Wahrheit • Wie rote Zahlen schwarz
werden • Berliner Geheimnisse • Führungsgeflechte
• Kirchs heimliche Millionen

 

7
Leo Kirchs Erben,
oder: Wer regiert den deutschen Fußball?

Das Komplott • Scheinheilige Funktionäre • Was macht
Leo? • Aus der Tiefe des Raumes • Der Kronprinz und
andere • Quo vadis, DFB?

 

Anhang
Literatur • Zeitungen und Zeitschriften •
Register

Zu diesem Buch

Der 7. Februar 2005, Rosenmontag, Renaissance Hotel in Düsseldorf: Die deutsche Nationalmannschaft hat eingecheckt. In zwei Tagen soll sie gegen Argentinien antreten: 52000 Zuschauer werden erwartet, die LTU-Arena ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. In einem Besprechungsraum des Hotels sitzen die Nationalspieler Michael Ballack, Christian Wörns, Oliver Kahn, Bernd Schneider, Jens Lehmann und Torsten Frings mit einer Abordnung des Deutschen Fußball-Bunds zusammen. Die sechs bilden den Spielerrat, sie vertreten ihre Mannschaft. Gerhard Mayer- Vorfelder, der DFB-Präsident, ist ebenfalls anwesend. Er hat die Angelegenheit zur Chefsache erklärt, wie so ziemlich alles, womit er sich beschäftigt. An seiner Seite sitzen Generalsekretär Horst R. Schmidt und Marketingchef Horst Lichtner. Auch Oliver Bierhoff, Teammanager der Nationalmannschaft, stößt hinzu. Die ungewöhnliche Runde hat etwas Wichtiges zu besprechen. Beide Seiten haben sich gut vorbereitet. Zwei Fronten prallen aufeinander. Mayer-Vorfelder hält eine kurze Ansprache, danach spricht Schmidt. Beide garnieren ihre Worte mit einem Lächeln, versuchen charmant zu wirken, um die Spieler auf die Zahlen einzustimmen, die sie gleich auf den Tisch legen werden. Es geht um den Confederations Cup und um die Weltmeisterschaft. Vor allem aber geht es um Geld, um sehr viel Geld.

Die Rosenmontagsrunde feilschte miteinander wie auf einem türkischen Basar. Nur dass die Beträge, über die sie verhandelten, dort nicht annähernd so hoch wären. In der Düsseldorfer Fünf-Sterne-Herberge diskutierte man zuerst über 50000 Euro, dann über 75000, 100000, über 150000. So lautete das Angebot, das die DFB-Führung den Spielern unterbreitete, gestaffelt nach Etappenzielen auf dem Weg zum großen Triumph: dem Gewinn der WM 2006. Den niedrigsten der Beträge sollte jeder Spieler als Prämie für das Erreichen des Viertelfinales erhalten, den nächsthöheren, falls sie es bis ins Halbfinale schafften. Sollte es ihnen gelingen, ins Finale am 9. Juli 2006 im Berliner Olympiastadion vorzudringen, bekäme jeder von ihnen 100000 Euro. Noch einmal 50000 Euro mehr wollte ihnen die DFB-Spitze zahlen, falls sie am Ende den goldenen FIFA World Cup in Händen hielten.

Wäre es nach dem DFB-Präsidenten und seinen Begleitern gegangen, hätte das Papier sofort unterschrieben werden können. Sie hatten den Vertrag bereits in allen Punkten ausgearbeitet. Dazu gehörten auch die Prämien für den Confederations Cup, der im Frühsommer bevorstand. Die sollten naturgemäß deutlich niedriger ausfallen: 10000 Euro für den Einzug ins Halbfinale, 20000 fürs Finale, 30000 für den Titel. Wenn man ehrlich war, maß man der so genannten Mini-WM nicht mehr Bedeutung bei als einem besseren Trainingsturnier. Nur weil sie diesmal in Deutschland stattfand, wurde sie von den Medien hochgejazzt. Nach der Schmach bei der Europameisterschaft in Portugal 2004 sollte dem Fußballvolk ein neuer Hype vorgegaukelt werden. Für die Confed Cups, die in den Jahren zuvor stattfanden, hatte der DFB nie seine wirklich beste Mannschaft abgestellt. Deshalb sollten 30000 Euro für den Sieg wirklich genug sein. Das dachten jedenfalls die Herren beim DFB. Doch Ballack, als neuer Mannschaftskapitän der Wortführer, schien das anders zu sehen. Im Protokoll über das Treffen heißt es: »Die Mannschaft hat höhere Prämien erwartet. Nach einer kurzen Diskussion wird vereinbart, die Prämie nach Besprechung der WM-Prämie nochmals zu diskutieren.«

Während der Zusammenkunft wurden noch größere Summen in die Runde geworfen. Sie hätten einem Außenstehenden nicht eben das Gefühl vermittelt, die Berufung ins Nationalteam könnte für einen Fußballer in erster Linie eine Ehre sein. Das wäre in der heutigen Zeit wohl auch etwas altmodisch gedacht. Zur Sprache kamen zum Beispiel 4,3 Millionen Euro, die die Mannschaft und ihre drei Trainer als »Jahresbeteiligung 2005« von den Einnahmen des DFB für Merchandising und PR-Aktivitäten bekommen sollten – bei den Spielern aufgesplittet nach der Anzahl ihrer Einsätze im Nationaltrikot. Nähme man – nur rein hypothetisch, um es zu vereinfachen – 26 Spieler, denen gleich viel zustünde, dazu ihre drei Betreuer, insgesamt also 29 Personen, käme jeder von ihnen auf knapp 150000 Euro: selbst bei den 15 Länderspielen, die 2005 bestritten wurden, kein schlechter Schnitt. Zumal unabhängig davon für jedes Freundschaftsspiel bis zur Weltmeisterschaft 7500 Euro versprochen wurden. Bei 90 Spielminuten macht das rund 83 Euro pro Minute, oder – bei durchschnittlicher Laufbereitschaft – ein bis zwei Euro für jeden Schritt, den Ballack und seine Mitstreiter auf dem Rasen zurücklegen.

Für das WM-Jahr 2006 wurde eine ähnliche Summe angesetzt. Zusätzlich erwarten die Nationalmannschaftskicker einen Obolus von insgesamt 5,15 Millionen Euro, der ihnen für die Übertragung der Persönlichkeitsrechte und exklusive Werbeaktivitäten in Verbindung mit der Weltmeisterschaft gezahlt werden soll – völlig unabhängig von der sportlichen Leistung. Mit diesen Angeboten konnte sich der Spielerrat übrigens auf Anhieb anfreunden. Was ihn in Bezug auf die anderen DFB-Vorschläge allerdings nicht umstimmte. Selbst als Mayer-Vorfelder seine Offerte nach einer kurzen Verhandlungspause aufbesserte, für den Finaleinzug 150000 Euro auslobte und für den WM-Titel noch einmal 100000 Euro drauflegte, blieben die Spieler stur, wie aus dem Sitzungsprotokoll hervorgeht: »Es folgte eine längere Diskussion über die gesamte Prämienhöhe, sowohl für die Freundschaftsspiele als auch über den Confed Cup und die WM. Eine abschließende Einigung kann nicht erreicht werden. Das Thema soll beim nächsten Treffen der Nationalmannschaft nochmals diskutiert werden.«

Ballack forderte für seine Mitspieler und sich 60000 Euro für den Sieg beim Confed Cup und 300 000 Euro für den WM-Titel. Davon wollte auch keiner von ihnen abrücken. Soweit es die Weltmeisterschaft betraf, bedeutete das mehr als eine Verdreifachung der Prämie, die ihnen für den Titelgewinn 2002 gezahlt worden wäre. Spätestens in diesem Moment schien die Inflation der Prämien auch den deutschen Fußball erreicht zu haben.

 

Es gibt wohl kaum eine bessere Dokumentation dessen, worum es im Fußball eigentlich geht. Mit einer 1:2-Niederlage gegen die Auswahl der Tschechischen Republik waren die Deutschen bei der Europameisterschaft in Portugal bereits in der Vorrunde ausgeschieden. In drei Gruppenspielen hatten sie jämmerliche zwei Tore geschossen, keinen Sieg errungen, dafür ein peinliches torloses Unentschieden gegen die Elf aus Lettland fabriziert. Und das alles lag zum Zeitpunkt der neuen Verhandlungen noch keine acht Monate zurück. Die Mannschaft bestand im Wesentlichen aus denselben Spielern, die im Land des Fado bestenfalls fußballerisches Mittelmaß vorgeführt hatten. Auch sämtliche Mitglieder des Spielerrats hatten damals dazugehört. Doch Ballack und Co. schienen sich damit nicht weiter zu belasten. Ohne seitdem einen Leistungsnachweis erbracht zu haben, fühlten sie sich berufen, Ansprüche zu stellen, die jenseits der Schamgrenze lagen.

Und die Verantwortlichen des DFB, allen voran Mayer- Vorfelder, gaben kein besseres Bild ab. Sie ließen sich auf dieses unwürdige Geschacher ein, als müssten sie fürchten, die Nationalspieler, von denen mit Ballack höchstens einer zum Weltstar taugt, könnten ihnen davonlaufen.

Was wäre denn geschehen, hätte Mayer-Vorfelder auf seinem ersten Angebot beharrt? Hätten die enttäuschten Kicker ihre Nationaltrikots in die Ecke gefeuert und wären nach Hause gefahren, zu ihren Clubs, bei denen jeder von ihnen Millionen einsackt? Wie hätten die Fans reagiert und erst recht die Medien? »Wegen 100000 Euro – Multimillionäre weigern sich, für Deutschland zu spielen!« Wer hätte mit dieser Schlagzeile besser leben können?

Der deutsche Profifußball ist nicht nur schwach, er ist krank, und das nicht allein in ökonomischer Hinsicht. Seine Macher, Spieler und Trainer wie Funktionäre, sind befallen von einem Multivirus – Geldgier, Machtbesessenheit, Selbstgefälligkeit, Korruption, Scheinheiligkeit –, der sich über alle Bereiche ausgebreitet zu haben scheint. Es ist ein schmutziges Spiel geworden. Darüber können auch die Zahlen nicht hinwegtäuschen, mit denen die Bundesliga hochgejubelt werden soll. Die Anzahl der Zuschauer, die jedes Wochenende in die Stadien kommen, steigt zwar seit Jahren. In der Saison 2004/2005 besuchten im Durchschnitt 37250 Menschen ein Spiel – ein neuer Rekordwert. Doch diese Entwicklung dürfte zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch dem Reiz zuzuschreiben sein, den die neuen modernen Fußballarenen aufs Publikum ausüben. Hinzu kommt wohl auch die allgemeine politische und gesellschaftliche Krise, von der Deutschland gebeutelt wird: In Phasen wie diesen suchen die Menschen nach Ablenkung; das war schon immer so. Am Niveau der sportlichen Darbietungen kann es jedenfalls nicht liegen: Das stagniert oder sinkt sogar. Zudem wird dem Kampf um die Meisterschaft durch die dauernde Überlegenheit des FC Bayern München Jahr für Jahr die Spannung genommen.

Aber auch sonst fehlt es so ziemlich an allem, was gute Unterhaltung ausmachen würde. Noch einen Dämpfer kann der deutsche Fußball wahrlich nicht gebrauchen. Davon gab es genügend in letzter Zeit: die Bestechungsaffäre beim Bau der Allianz Arena, der Totalcrash des Traditionsvereins Borussia Dortmund, das Steuerverfahren gegen die einstige Führung des 1. FC Kaiserslautern, der von den Nachfolgern herbeigeführte sportliche Niedergang der Pfälzer, das würdelose Kompetenzgerangel um die Macht beim DFB, die Vetternwirtschaft im Schatten des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft – und nicht zuletzt der Schiedsrichterskandal, dessen wahre Ausmaße höchstens ansatzweise aufgedeckt wurden.

Dass alles passt so überhaupt nicht zur vorweltmeisterschaftlichen Euphorie, die die Medien krampfhaft herbei zu beschwören versuchen. Jeder versucht, ein Stück vom fetten Schinken abzubekommen, als gäbe es nur die Weltmeisterschaft und danach nichts mehr. Und da Fußball vermeintlich im Trend liegt, schießen neue Zeitschriften, die sich dem Kickergeschäft widmen, wie Pilze aus dem Boden: eine hochglänzender als die andere. Dabei scheinen die Verlage zu übersehen, dass selbst die wenigen etablierten Blätter den Auflagenschwund nicht stoppen können.

Besonders gern wird der herbeigeschriebene Aufschwung an der Person Jürgen Klinsmann festgemacht, was einer Selbsttäuschung nahe kommt. Dafür spricht schon die Art und Weise seiner Inthronisierung als Teamchef. Allein die Tatsache, dass er die Jahre seit dem Ende seiner Fußballerkarriere im sonnigen Kalifornien verbrachte, scheint einigen den Blick für Realitäten zu verkleistern. Dass Klinsmann, unterstützt von gewieften amerikanischen Geschäftsleuten und einem Schweizer Rechtsanwalt, die Übernahme des Cheftrainerpostens geradezu handstreichartig vorbereitete, müssen die meisten übersehen haben. Selbst die Führungsspitze des DFB schien nicht gewusst zu haben, wie geschickt sich der vermeintliche Sonnyboy nach der Absage Ottmar Hitzfelds selbst auf den höchsten Trainerposten hievte. Der allseits als entscheidender Anruf kolportierte Hinweis des nicht nur in Deutschland als Nationaltrainer gescheiterten Berti Vogts, Klinsmann sei ein geeigneter Kandidat, mit dem sich die DFB-Oberen unbedingt treffen sollten, wurde von diesem und seinem Berater selbst inszeniert. Nicht Klinsmann wurde gebeten, die deutsche Nationalmannschaft an neue Ufer zu führen. Er gehörte beim DFB nicht einmal zur engeren Wahl, da er als Trainer praktisch keine Erfahrungen vorzuweisen hatte. Und die in Amerika – im Fußball eher ein Entwicklungsland – zählten nicht wirklich. Es war Klinsmanns eigener Wunsch gewesen, den Posten zu übernehmen. So wie er bereits vor dessen Übernahme einen Schlachtplan ausgearbeitet hatte, in dem er festlegte, welche Personen er in seinem Umfeld dulden würde und welche nicht. Darin war Klinsmann bereits als Spieler überaus konsequent. Das alles hinderte den DFB aber nicht daran, ihm auch noch einen exorbitant hoch dotierten Vertrag zu geben, der neben den Bezügen angeblich eine WM-Titel-Prämie von einer Million Euro beinhalten soll.

Dass die von Klinsmann und seinem Assistenten Joachim Löw eingeführten Trainingsmethoden Erfolg versprechen, bleibt zu hoffen. Neu sind sie allerdings nicht, auch wenn er dafür teure Experten aus Amerika einfliegen lässt. In Geldangelegenheiten jedoch hätten die jungen Nationalspieler keinen besseren Lehrmeister finden können. Klinsmann war schon als Spieler dafür bekannt – bei einigen Vereinen auch verhasst –, dass er bei Vertragsverhandlungen bis zu einer Stammplatzgarantie das Optimale für sich herausholte.

Auch Michael Ballack schien sich daran zu orientieren, als er am 23. März das nächste Mal mit den DFB-Verantwortlichen zusammenkam, um die WM-Prämien zu besprechen. Diesmal trafen sie sich vor dem Abflug zum Länderspiel gegen Slowenien nach Celje im Frankfurter Hotel Interconti, im Raum »Händel«, der sich im 21. Stockwerk befindet. Wieder schien es eine zähe Verhandlung zu werden. Über 70 Minuten diskutierten die Männer miteinander. Doch der Mannschaftskapitän hatte nicht vor, sich auf Kompromisse einzulassen. Er beharrte auf der beim letzten Mal geforderten Summe von 300 000 Euro für den Weltmeistertitel. Die Bild- Zeitung wusste natürlich als erste, wie es ausging. Am nächsten Tag meldete das Blatt: »Verhandlungs-Weltmeister sind sie schon...«

Dabei geht es im deutschen Fußball alles andere als weltmeisterlich zu. Hinter den Kulissen tobt ein hemmungsloser Kampf um Geld, Macht und Eitelkeiten. Manager, Funktionäre, Spielerberater und heimliche Strippenzieher sind vor allem an persönlichen Vorteilen und maximalem Profit interessiert. Der Deutschen Lieblingssport ist zu einem skrupellosen Geschäft verkommen. Und die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bunds sehen tatenlos zu oder versuchen gar, die Probleme zu vertuschen.