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Inhaltsverzeichnis
 
 
 

GAVIN BAIN wurde 1981 in Durban, Südafrika, geboren. 1994 zog er mit seiner Familie zurück in ihr Herkunftsland Schottland. Auf dem College lernte er Billy Boyd kennen, mit dem er die Band Silibil N’ Brains gründete. Die beiden gaben sich als kalifornische Rapper aus, bekamen einen Plattenvertrag und führten drei Jahre lang in der Londoner Clubund Musikszene das Leben von Stars. Erst zwei Jahre nach der Trennung der Band outete sich Gavin Bain offiziell als Schotte. Er lebt in London und tourt mit seiner 2007 gegründeten Band Hopeless Heroic durch Großbritannien:

In Liebe und Erinnerung an
Robert Gardiner Bain, Robert Dean Bain,
Brian Robertson, Elizabeth Dean Bain, Skye Russo,
Duncan Thomson und Ivan Friedman

002

Prolog
Später sprach man von einem Selbstmordversuch, sofern überhaupt darüber gesprochen wurde. Eigentlich redete aber niemand darüber, zumindest nicht in meiner Gegenwart. Freunde versuchten mich zu beschützen, indem sie schonungsvoll den Mantel des Schweigens über eine Nacht breiteten, die die meisten von uns am liebsten vergessen würden, eine Nacht, die mich immer noch in meinen Träumen verfolgt.
Es geschah an einem Samstag Ende August 2006. In der heißen Sommernacht wirkte Eagle’s Nest verlassen. Keine Mädchen heute, keine Endlossessions vor der Playstation. Leere Bierdosen und Whiskeyflaschen auf dem mit Flecken übersäten Holzboden, Aschenbecher, die überquollen, weggeworfene Taschentücher und überall stickige Luft. Ich war allein, wie so oft in jener Zeit und sah fern. Es lief die Live-Übertragung des Reading Festivals. Muse waren der Topact und für solch kleine Männer veranstalteten sie doch einen ziemlichen Lärm. Fünfundsechzigtausend Zuschauer bewegten sich wie ein einziger Körper zur Musik, eine große, heranrollende Welle, die den Bildschirm wie ein elektrisches, pulsierendes Etwas ausfüllte. Es war der entscheidende Augenblick in der Karriere von Muse. Sie waren jetzt nicht mehr nur eine Band mit Potenzial unter vielen, sondern gehörten zu den großen Darstellern auf der Weltbühne. Ein paar Jahre davor hatten Bill und ich Muse auf einer Party getroffen. Einer unserer Songs, wahrscheinlich »Losers«, klang aus den Lautsprechern. Ihr Bassist strahlte über das ganze Gesicht und meinte, der Song sei brillant, unglaublich, eine todsichere Nummer Eins. Er prophezeite Bill und mir, Silibil N’ Brains, einen gigantischen Erfolg. Das haben wir natürlich auch geglaubt.
Aber Silibil N’ Brains ist niemals ein gigantischer Erfolg geworden. Stattdessen sind wir vor mehr als einem Jahr verbittert von der Bildfläche verschwunden. Seitdem habe ich Bill nicht mehr gesehen. Die Plattenfirma rief mich nicht mehr an, das Geld war aufgebraucht und ich war an jenem Samstagabend allein, absolut allein. Im Fernsehen legten Muse mit »Newborn« los, und die Menge verfiel in Ekstase. Das war gigantisch.
Ich schleuderte die Fernbedienung in Richtung Bildschirm, und als ich meinen Arm zurückzog, spürte ich plötzlich diese seltsame Beklemmung. Meine Brust zog sich zusammen; ich bekam keine Luft mehr. Der Raum begann sich zu drehen. Wie aus dem Nichts überfiel mich plötzlich eine erdrückende Migräne und meine Augen begannen zu tränen. Ich rannte hinunter in die Küche und riss die Schublade auf, in der ich meine kostbaren Schmerzmittel aufbewahrte, mein Co-codamol, mein Co-dydramol. Ich fand drei Fläschchen, weiße, gelbe und gelbrote Pillen. Ich schüttete die Reste in meine Hand, schob sie in den Mund wie M&Ms und spülte sie mit warmer Milch hinunter. Sie kullerten durch meine Kehle wie Münzen aus einem Spielautomaten, der den Jackpot auswirft.
Ich lief zurück in mein Zimmer. Muse hatten gerade »Plug In Baby« zu Ende gespielt und waren nur noch drei Silhouetten, die unter nicht enden wollendem Beifall die Bühne verließen. Der Bildschirm warvon gleißendem Licht erfüllt, der Abspann lief. Habe ich den Fernseher wirklich auf den Boden geworfen, mit einem Kricketschläger traktiert und dabei vor Wut geschrien, oder habe ich mir das alles nur eingebildet? Zitternd legte ich mich auf mein Bett, versank in der Matratze, sank weiter, durch den Boden, durch das Zimmer darunter und tauchte ins Bodenlose hinab. Die Migräne verflog. Ich fühlte mich vollkommen losgelöst von allem, was mich beschwert hatte.
Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Allmählich wurde mir bewusst, dass ich wach war, mich aber nicht bewegen konnte. Meine Glieder waren schwer wie Blei. Nur mit großem Kraftaufwand gelang es mir, mich umzudrehen und vom Bett auf den Teppichboden zu rollen. Mühsam robbte ich aus dem Zimmer zur Treppe und zog schwer atmend meine kraftlosen Beine hinter mir her. Ich konnte nicht aufstehen, mich nicht einmal aufsetzen, und rutschte die Treppe hinunter, bis ich rücklings auf dem Treppenabsatz landete. So fand ich mich im kalten Schein der nackten Glühbirne vor, die über mir an einem langen Kabel hing, das sich aus der Flurdecke gelöst hatte.
Ich wollte nicht sterben. Nicht so. Nicht jetzt.
Weil ich den Lichtschalter im Bad nicht erreichen konnte, kroch ich im Dunkeln hinein, zog mich an der Badewanne hoch, stellte dabei das kalte Wasser an und brach schließlich in der Wanne zusammen. Eiskaltes Wasser prasselte mir ins Gesicht und wieder versank ich, die Muskeln wie Gummi, die Knochen wie aus Knetmasse. Meine Zähne klapperten, Krämpfe schüttelten mich. Und so fiel ich erneut in eine himmlische Ohnmacht. Das Wasser prasselte auf mich herab, ein Wasserfall, vielleicht die Victoria-Fälle, Tausende Kilometer entfernt. Meine afrikanische Jugend, ein nie erlebter Sommerurlaub …
Von irgendwoher ein Geräusch. Mein Name.
»Gavin? Was zum Teufel tust du da?«
Meine Schwester Michelle. Sie machte das Licht an. Es blendete mich für einen Augenblick.
»Gav? Oh Scheiße, Gavin! Was hast du getan?«
Sie stellte das Wasser ab und zog mich an meinem nassen T-Shirt aus der Wanne, während sie meinen Namen rief und mir ins Gesicht schlug. Doch ich war kilometerweit weg, sie drang nicht zu mir durch. Ich spürte, wie sie mich aus dem Bad und die Treppe hinunterzerrte, fühlte den harten Boden unter meinem Kopf. Sie ließ mich im Flur liegen und ich hörte draußen das Geräusch eines angelassenen Wagens. Dann war sie auch schon wieder da, immer noch meinen Namen rufend, und bugsierte mich auf den Rücksitz des Autos, wo ich tropfnass liegen blieb, immer noch nicht ganz bei Bewusstsein, nur erfüllt von der Sehnsucht, wieder in Glückseligkeit abzutauchen. Unter mir spürte ich die schnellen Umdrehungen der Räder. Verschwommenes Licht drang durch das Fenster. Ab und zu hörte ich noch ein Hupen, dann schlief ich ein.
 
Das Gedächtnis ist schon eine seltsame Sache. Man kann nach Belieben darauf zugreifen oder es ignorieren, und es jeder beliebigen Situation anpassen. Ich habe mir in den letzten Jahren alle möglichen Erinnerungen zusammengebastelt, aus allen möglichen Gründen. Meist nur, um überhaupt zu überleben. Deshalb blendete ich auch viele der späteren Ereignisse an jenem Abend aus. Ich weiß nicht mehr, wie wir im Krankenhaus angekommen sind, nichts mehr von der Aufregung bei meiner Aufnahme, von einer Trage, einem Bett, besorgten Krankenschwestern, Ärzten, die die Stirn runzelten. Aber das war auch nicht nötig. Ich hatte schon damals ausreichend Erfahrungen mit Krankenhäusern gesammelt, um zu wissen, dass alles immer auf dasselbe hinauslief. Man würde mich zusammenflicken, mich ermahnen, herablassend auf mich einreden und mir psychologische Betreuung anbieten. Die seelischen Narben würden heilen, die körperlichen mit der Zeit verblassen. Ich erinnere mich nicht daran, was mir die Ärzte diesmal sagten, oder ob sie mir den Magen auspumpten. Aber ich weiß von Michelle, dass sie das Gefühl hatte, es wäre sehr wichtig, den Ernst der Lage vor den Ärzten herunterzuspielen. Sie deutete nur an, dass ich betrunken und verwirrt war und mich mit meinen Medikamenten vertan hatte. Letzteres stimmte sogar. Ich habe damals eine Menge Medikamente genommen. Soweit ich weiß, ist das Wort Depression nie gefallen. Es gab noch nicht einmal Gerüchte, dass ich versucht hätte, mir das Leben zu nehmen. Man hatte also keinen Grund, mich länger im Krankenhaus festzuhalten, und ich konnte gehen.
Am Mittag des darauffolgenden Tages wurde ich entlassen. Michelle empfing mich mit einem erschöpften und enttäuschten Gesichtsausdruck und versorgte mich mit frischer Kleidung. Die Sonne brannte auf uns herab und ich war froh, noch am Leben zu sein. Von einem wirklich guten Gefühl war ich aber noch meilenweit entfernt. Ich sackte auf dem Rücksitz des Wagens zusammen, dessen Bezug von der vorangegangenen Nacht noch feucht war. Michelle fuhr mich schweigend nach Hause. Ich bekam nichts mit von der Rückfahrt, spürte unterwegs nur die Unebenheiten im Asphalt und ein dumpfes Rumoren im Magen.
Zu Hause angekommen, öffnete Michelle die Vorhänge in meinem Zimmer. Ich zog sie jedoch gleich wieder zu. Der Fernseher, der mich letzte Nacht mit Muse verhöhnt hatte, stand noch unversehrt auf der Kommode. Ich legte mich aufs Bett und starrte ins Leere. Ich dachte an nichts, fühlte nichts. Michelle brachte mir eine Tasse Tee und schaltete das Licht ein, als sie ins Zimmer kam. Ich bat sie, es wieder auszuschalten. Ich wollte keinen Tee. Ich wollte niemanden sehen. Vor allem aber wollte ich nie wieder an Musik denken. Alles, wonach ich mich sehnte, war ein dunkles, sicheres Versteck, in dem ich mich verkriechen konnte.
Ich muss es zugeben. Nie hätte ich gedacht, dass es so weit mit mir kommen würde. Ich war fünfundzwanzig. Ich hatte mir immer ausgemalt, in diesem Alter berühmt zu sein, ein Superstar, mein Name in Leuchtbuchstaben auf riesigen Leinwänden prunkend. Mein unverkennbares Genie würde im Fernsehen analysiert, in Magazinen, Zeitungsporträts und auf zahllosen Fanseiten im Internet. Doch eine kleine Lüge, diese eine kleine, unbedingt notwendige Lüge war gewachsen und mutiert. Sie hatte mich zu jemandem gemacht, der ich nicht war, den ich selbst nicht mehr wiedererkannte. Ihretwegen hatte ich alles verloren. Dafür hasste ich mich.
Ich erlebte die Hölle auf Erden.

Eins
Das Erste, woran ich mich wirklich erinnern kann, ist Blut.
Sie war mein Kindermädchen, eins von vielen in Mont clair. Leider weiß ich nicht mehr, wie sie hieß, aber ich erinnere mich an den Abend, als sie völlig fertig in unser Haus getaumelt kam. Sie hatte sich mit ihrem Freund gestritten und er war mit der Machete auf sie losgegangen, hatte ihr zahlreiche Verletzungen damit zugefügt. Ich war sieben Jahre alt und fand das alles sehr faszinierend. Das Blut floss in dunklen Strömen aus ihren Wunden. Dennoch schrie sie nicht, sondern jammerte nur mitleiderregend, als hätte sie keine Schmerzen, sondern Kummer. Das verwirrte mich. Tat es denn gar nicht weh? Bevor meine Mutter mich diesem Anblick entziehen und meinen Schwestern befehlen konnte, mich auf mein Zimmer zu bringen, erhaschte ich einen unmittelbaren Blick auf ihre Wunden. Das dunkle Braun ihrer Haut hob sich irgendwie obszön vom gespenstischen Weiß des Knochens ab. Meine Mutter versuchte, mit Handtüchern die Blutung zu stoppen. Die Zimmertür wurde vor meiner Nase zugeschlagen und das Jammern verwandelte sich jetzt vollends in grauenhafte Geräusche. Am darauffolgenden Morgen war das Kindermädchen verschwunden. Ich sollte sie nie wiedersehen.
Ein paar Monate später war mein Vater an der Reihe. Es geschah spätnachts an einem Wochentag. Er und mein Onkel Duncan waren immer noch nicht von der Arbeit nach Hause gekommen. Meine Mutter begann, sich Sorgen zu machen und hatte bereits die üblichen Verdächtigen angerufen, doch niemand wusste etwas. Während sie unruhig auf und ab ging und wir vergeblich versuchten, uns auf den Fernseher zu konzentrieren, hörten wir draußen plötzlich Schritte. Wir eilten alle sofort ans Fenster und sahen meinen Vater und meinen Onkel zielstrebig auf die Veranda zusteuern. Mein Vater ist schlank, aber breitschultrig. Kein Mann, mit dem man Streit suchen sollte. Trotzdem waren viele so dumm, sich mit ihm anzulegen. Er kam die Stufen hoch und als der Lichtschein ihn traf, zuckten wir entsetzt zurück. Sein Gesicht und sein Hemd waren voller Blut. Er lächelte. Meine Mutter schrie auf.
»Hughie! Was zum Teufel ist passiert?«
»Mach dir keine Sorgen, Norah«, antwortete er seltsam ruhig. »Das ist doch nicht mein Blut.«
Zu unserer Überraschung war es auch nicht das von Onkel Duncan. Stattdessen stammte es von einem Geschäftspartner, einem mittlerweile wohl ehemaligen Geschäftspartner. Sie hatten sich wegen Geld gestritten und der Streit war ausgeartet. Wie viele Schotten, selbst die, die ans andere Ende der Welt gezogen waren, gefiel sich mein Vater darin, seine Streitigkeiten (und die gab es oft) nicht mit Worten, noch nicht einmal mit den Fäusten, sondern mit der Stirn auszutragen. An diesem Abend hatte er einem unangenehmen, großspurigen Trottel einen Kopfstoß verpasst, weil dieser es gewagt hatte, sich mit ihm anzulegen. Daraus hatte sich eine Kneipenschlägerei entwickelt. Mein Vater war stolz auf seine Unfähigkeit, klein beizugeben, wenn er herausgefordert wurde. Meist trug er seine Schlägereien mit Onkel Duncan aus. Der kleinste Anlass reichte aus, damit sie einander an die Gurgel gingen. Eines Abends, betrunken und streitsüchtig, warf Onkel Duncan meinen Vater vom Balkon. Dieser fiel zwei Stockwerke tief und landete auf einem Schuppen, der daraufhin zusammenbrach. Er stand auf, schüttelte den Staub ab – und lachte sich halb tot, um dann selbst auf Onkel Duncan loszugehen. Als beide am Morgen danach wieder zu sich kamen, fanden sie sich Seite an Seite auf einer ungeheizten Krankenstation wieder, im Hintergrund die Polizei, die zu ihrer Vernehmung erschienen war.
Was soll ich sagen? Mein Vater kommt eben aus Paisley.
 
Geboren wurde ich 1981 in Durban, Südafrika, neun Jahre bevor Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde. Ich wuchs in einer fast vornehmen Umgebung postkolonialer Behaglichkeit auf, weit weg von der schottischen Heimat meiner Eltern. Damals ahnte ich nichts von den Spannungen hier. Nachdem er jahrelang für andere gearbeitet hatte, leitete mein Vater gemeinsam mit meinem Onkel seine eigene Baufirma. Das Geschäft lief gut. Unsere Familien wohnten in der gleichen Straße und unser Leben bestand aus Sonnenschein, Swimmingpools und den Stränden. Wir wohnten in großen, geräumigen Häusern und fuhren schicke Autos. Ich hatte eine ganze Reihe von Kindermädchen, die ich alle innig liebte. Wir standen uns so nah, wie es in einer Familie nur eben möglich ist, und obwohl mein Vater und mein Onkel ständig miteinander im Clinch lagen, waren Duncans Söhne Grant, Warren und Byron meine besten Freunde, mehr Brüder als Cousins. Wir verbrachten jeden Abend zusammen und auch die meisten Wochenenden. Die Schule machte mir Spaß und beim Sport blühte ich auf – Fußball, Cricket, Surfen. Ich liebte den Strand und war das ganze Jahr über braungebrannt. Ich hatte viele Freunde, von denen viele ebenso wie wir ursprünglich woanders her kamen. Meine Beziehung zu dem, was meine Eltern Heimat nannten, war eher bildhaft, wenn man es überhaupt eine Beziehung nennen wollte. Die Wände meines Zimmers waren mit Postern der Glasgow Rangers tapeziert und Ally McCoist, die Legende von Ibrox Park, war mein Idol. Die einzige Bedingung, unter der ich mir einen Umzug nach Schottland vorstellen konnte, war die, in McCoists Fußspuren zu treten.
Als ich zwölf war, setzte eine schleichende Veränderung ein. Die Geschäfte liefen schlecht, mein Vater kämpfte um seine Existenz, wovon wir anderen nichts mitbekommen hatten. Darum traf es uns umso härter, als plötzlich die Pleite kam. Zuerst waren wir geschockt, dann wurden wir panisch. Mein Vater ließ es nicht zu, dass wir die Gründe hinterfragten, aber ich wusste, es hatte etwas mit einem Streit zwischen ihm und Onkel Duncan zu tun. Es gab keinen Weg zurück, behauptete mein Vater. Das Geschäft hatte einen Totalschaden erlitten. Sein Bruder würde von nun an ein Fremder für ihn sein.
Von einem Tag auf den anderen mussten wir den Gürtel enger schnallen. Wir gingen seltener aus und ich konnte am Wochenende auch nicht mehr surfen.
In den nächsten zwei Jahren versuchte mein Vater, sich ins Geschäft zurückzukämpfen, allerdings erfolglos. Der Tank war leer und es war nur eine Frage der Zeit, bis wir liegen bleiben würden. Doch dann, 1993, bot sich meinem Vater eine einmalige Gelegenheit. Ein enger Freund schlug ihm eine Beteiligung an einer Biltong Bar vor. Würden sich die Dinge wie erwartet entwickeln, hatte sie gute Chancen, zu einer Kette von Biltong Bars ausgebaut zu werden. Wie konnte mein Vater damals ahnen, dass diese Kette einmal eine der größten Südafrikas werden sollte? Dass das Exportgeschäft mit Biltong, getrocknetem Fleisch, bald florieren würde? Hätte er seine letzten Ersparnisse investiert, wäre er mittlerweile Multimillionär. Doch mein Vater lehnte ab. Stattdessen bestand er darauf, dass wir nach Hause zurückkehrten. Südafrika war nicht mehr das Land, in dem er sich vor siebzehn Jahren niedergelassen hatte. Er wollte zu seinen Wurzeln zurückkehren. Nichts konnte ihn davon abbringen. Wir würden nach Schottland ziehen.
Meine Mutter hat ihm das nie verziehen.
1994 war ich dreizehn. Das Leben in Durban, genauer gesagt das im vorstädtischen Montclair, war das einzige Leben, das ich bis dahin gekannt hatte. Ein gutes Leben und vor allem unkompliziert. Und, wie ich dachte, voller Möglichkeiten. Da in unserer Schule nicht mehr nach Rassen getrennt wurde, gab es dort inzwischen mehr Kinder, eine großartige Fußballmannschaft und ich gewann einen ganz neuen Freundeskreis. Ich sagte meinem Vater, dass ich nicht wegwollte. Ich flehte ihn an. Sie könnten ja ohne mich gehen. Aber er lachte nur und sagte »Denk an Ibrox«.
Im April 1994 – Kurt Cobain, der mir in den folgenden Jahren mehr bedeuten sollte als je zu seinen Lebzeiten, hatte sich gerade das Hirn aus dem Schädel gepustet – wurde ich aus diesem paradiesischen Land fortgerissen und kam an einen trostlosen, fremden und vor allem sehr, sehr fernen Ort. Und schlimmer noch, es würde dort kalt sein. Mein Vater tat so, als sei das eine großartige Sache. »So kalt, dass dir Haare auf der Brust wachsen werden.« Aus diesem und zahlreichen anderen Gründen fühlte es sich ganz und gar nicht richtig an, Südafrika zu verlassen. In diesen Flieger zu steigen war ein schwerer Fehler, der mit Sicherheit alles verändern würde. Ich brachte nicht den Mut auf, meinen Freunden zu sagen, dass ich fortgehen würde, denn dann hätte ich es mir auch selbst eingestehen müssen. Und so sagte ich einfach nichts. Meine Kindheit in Südafrika endete an einem trägen, heißen Nachmittag. Ich verließ den Schulhof, winkte meinen Freunden zu, sagte »tschüss, wir sehen uns morgen« – als wäre das wirklich so. Dann ging ich nach Hause und packte gemeinsam mit meinen Schwestern mürrisch meine Sachen. Viele meiner Freunde habe ich niemals wiedergesehen.
Der Himmel über Durban strahlte wolkenlos, als wir ihn für immer hinter uns ließen, ein endloses Kobaltblau und dann auf einmal Schwarz, übersät mit Millionen heller Sterne. Der Himmel, der uns viele Stunden später begrüßte, war grau und düster, die Wolken kündigten Regen an. Aus dem Flieger zu steigen, war wie aus der Sauna zu kommen und direkt in einen eisigen See zu springen. Der Wind wehte ununterbrochen und fror das übel gelaunte Stirnrunzeln auf meinem Gesicht fest. Als wir schließlich die dunklen Wohnanlagen von North Motherwell, unser neues Zuhause, erreichten, war es fast Mitternacht. Hier gab es keine Sterne, nur die endlose Betonsilhouette der Siedlung, die vom gelblichen Licht der wenigen noch funktionierenden Straßenlampen hier und da erleuchtet wurde. Als wir die Treppe zur Wohnung meiner Großmutter hinaufstiegen, hörten wir lautstarke Streitereien, Gläser, die auf der Straße zersplitterten, Schreie, bellende Hunde und aus der Ferne das Heulen einer Polizeisirene. Es war eiskalt, unser Atem gefror in der Luft. Die einzige Wärme, ein schwaches Glühen, strahlte das runzelige Lächeln meiner Großmutter aus, das uns willkommen hieß. Alles andere schien uns trostlos und düster.
In North Motherwell zeigt sich Schottland nicht gerade von seiner besten Seite, und auch das kulturelle Herz des Landes schlägt woanders. North Motherwell ist weder voller Leben wie das großstädtische Glasgow noch schön und reich an alten Gemäuern wie Edinburgh, sondern ein nichtssagender Krater, in die Mitte des Landes versenkt. Der soziale Wohnungsbau, in dem meine Großmutter lebte, wurde von den Bewohnern aus gutem Grund Klein-Bosnien genannt. Für die örtlichen Säufer und Drogenabhängigen war es Spielplatz, Geschäftssitz und Toilette zugleich. An einem guten Tag wurde man dort angeschnorrt. An einem schlechten Tag überfallen.
In Durban war es im April schon heiß und wunderschön. In North Motherwell war es ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit. Der ewige, aggressive Regen und der höhnisch lachende Wind, der ihn waagerecht vor sich hertrieb, schienen uns zu verspotten. Als ich die erste Nacht still in meinem winzigen Bett lag und zu einem viel blasseren, kleineren Mond aufsah, als ich ihn gewohnt war, überkam mich eine für einen Dreizehnjährigen ungewöhnliche Vorahnung. Mir wurde plötzlich klar, dass ich, frei nach Joni Mitchell, das Paradies gegen einen Parkplatz eingetauscht hatte. Entschuldige Dad, dass ich das so sagen muss, aber fick Ally McCoist und fick Ibrox.
Das Mietshaus, das wir jetzt unser Zuhause nannten, sah aus, als würde es direkt aus dem neunzehnten Jahrhundert stammen. Große Teile des kasernenartigen Gebäudes waren kaum bewohnbar. Trotzdem gab es aus irgendeinem Grund eine lange Liste von Mietinteressenten, die begierig darauf warteten, einzuziehen, sobald der Gerichtsmediziner wieder jemanden hinausgebracht hatte. Wahrscheinlich kamen die Neuen aus noch trostloseren Gegenden. Unsere fünfköpfige Familie musste sich zusammen mit meiner Großmutter in eine Wohnung quetschen, die bestenfalls für zwei gedacht war. Es war eng und die Heizung funktionierte kaum. Aus dem Heißwasserhahn kam hauptsächlich kaltes, rostbraun verfärbtes Wasser. Dass meine Großmutter ihr Bestes versuchte, stolz auf einen Ort zu sein, der es nicht wert war, tat mir weh. Meine Eltern schliefen auf den Sofas, meine Schwestern teilten sich ein Schlafzimmer. Ich hatte Glück und wurde im alten Zimmer meines Onkels Bill einquartiert, wo ich Trost in seinen alten Comics fand. Wochen später entdeckte ich auch seine Plattensammlung. Es war das erste Mal, dass ich echten Heavy Metal hörte, Gruppen wie Motörhead, Iron Maiden und Black Sabbath. Ich hatte keine Ahnung, was ich da hörte, aber ich liebte es. Es war, als hätte ich eine völlig neue Welt entdeckt. In den schweren Zeiten, die noch auf mich zukommen sollten, würde ich mich immer wieder in das Zimmer meines Onkels zurückziehen und in dieser Welt untertauchen, einer Welt voller Helden und Heavy Metal, ganz weit weg von North Motherwell.
Meine Eltern stritten ständig. Meine ältere Schwester Laurette ließ sich selten zu Hause blicken. Da wir aber wussten, dass sie schnell Freunde fand, hat uns das nicht wirklich überrascht. Michelle war niedergeschlagen und verschlossen, sie hatte genauso viel Heimweh wie ich. Die ersten Wochen verbrachte sie meist zusammengerollt auf ihrem Bett, das Gesicht zur Wand gekehrt. Wir waren alle unglücklich, obwohl mein Vater sich das nicht eingestehen wollte. Ich war davon überzeugt, dass sich alles gegen uns verschworen hatte. Wir waren hier ganz und gar nicht willkommen. Ein simpler Besuch im Laden an der Ecke erwies sich als gefährlich, unangenehm und peinlich. Mir graute es vor dem unvermeidlichen Schulbesuch. Und selbst in der Wohnung wurden wir unfreundlich empfangen. Der senile Kater meiner Großmutter war ein fettes altes Vieh, das seinen Missmut über unsere Ankunft nicht verbarg. Er liebte es, seine Opfer zu misshandeln. Und die Beine meiner Mutter waren das Schlachtfeld, ihre Krampfadern das perfekte Übungsziel für seine scharfen Krallen.
In der Nacht vor meinem ersten Tag an der neuen Schule fingen diese furchtbaren Träume an. Keine einfachen Albträume, vielmehr nächtliche Schreckensbotschaften, die mich wohl mein ganzes Leben lang verfolgen werden. Um genau zu sein, handelt es sich dabei um eine anerkannte Krankheit: Nachtschreck, auch pavor nocturnes genannt. Es kann mir also niemand vorwerfen, ich würde übertreiben. Ich leide unter einer Schlafstörung, die, wie mir der Arzt später erklärte, durch extreme Angstzustände und die vorübergehende Unfähigkeit, das volle Bewusstsein wiederzuerlangen, gekennzeichnet ist. Mit anderen Worten, ich wusste immer, dass ich einen Anfall hatte, war aber gleichzeitig hilflos darin gefangen. Die Symptome jener Nacht wurden zu einem Muster, das sich später oft wiederholen sollte: Meine Arme und Beine fingen an zu zucken, dann schlug ich um mich. Ich wimmerte, weinte, schrie. Der Traum selbst könnte Teil eines beliebigen Horrorfilms sein. Ein Wesen beobachtet mich aus der Ecke des Raumes, eine entsetzlich entstellte Kreatur, deren hervorstehende Knochen von einer leblosen, grauen Haut überzogen sind. Sie sitzt nur da und beobachtet mich mit einem Ausdruck unendlicher Qual auf ihrem schmalen Gesicht. Manchmal nähert sie sich mir so verstohlen und beharrlich, dass mir das Blut in den Adern gefriert. Wenn wir einander dann gegenüberstehen, ist meine Angst so überwältigend geworden, dass es auf andere so wirkt, als würde ich gerade einen epileptischen Anfall haben.
Ich kann mich nicht mehr an alle Details dieses allerersten Traums erinnern, aber es war das Furchterregendste, was ich bis dahin je erlebt hatte. Ich wachte auf und beschloss, alles zu tun, um so etwas nicht noch einmal zu erleben. Später waren es Ärzte, die mir kluge Tipps gaben. »Entspannen Sie sich einfach«, rieten sie mir. »Je mehr Sie in Panik verfallen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie wieder einen Anfall erleiden.« Was für ein toller Ratschlag, so überaus weise. Als hätte ich jemals entschieden, mich nicht zu entspannen, oder im Schlaf in Panik zu verfallen. Damals wie heute bekam ich die Alpträume aus gutem und aus mehr als nur einem Grund. An eine neue Schule in einem völlig fremden Land zu kommen, reichte – zumindest für mich – aus, um von schierem, unendlichem Grauen erfüllt zu werden.
Ich wusste schon vorher, dass die Schule zur Qual werden würde. Wie sollte es auch anders sein? Ein braungebrannter Südafrikaner mit entsprechendem Akzent konnte in North Motherwell einfach nicht gut ankommen. Ich war anders, das Schlimmste, was ein Teenager an einem Ort wie diesem sein konnte. Ich hatte bereits hart an meinem Akzent gearbeitet, versucht, meine durch das Afrikaans beeinflussten Vokale weniger zu dehnen, die Konsonanten mit Spucke in der Kehle härter auszusprechen, bis ich klang wie mein Vater, wenn er betrunken war. Aber meine Schwestern sagten, dass ich damit niemanden täuschen könnte. Ich würde auffallen wie ein fauler Apfel. Sie würden trotzdem die Scheiße aus mir herausprügeln.
Als ich auf meine neue Schule kam, war ich fit und gesund. Man sah mir einfach an, dass ich mich bisher nicht von Tiefkühlkost oder Frittiertem ernähren musste. Ich war ganz offensichtlich ein Fremder, ein ungebetener und unerwünschter Gast. Natürlich gibt es an jeder Schule Schlägertypen, aber diese war voll davon. Waren sie kurz vor Ende des Schuljahrs auf der Suche nach einem neuen Opfer, so mussten sie jetzt nicht mehr lange suchen. Ich wurde ihnen auf dem Silbertablett serviert. Noch bevor die Anwesenheit überprüft wurde, hatte ich schon zum ersten Mal einen tauben Arm.
»Willkommen in Schottland, du Fotze.«
Ohne auch nur den Mund aufzumachen, war es mir gelungen, meine Mitschüler auf die Palme zu bringen. Meine Eltern hatten es nicht hinbekommen, mir eine anständige Schuluniform zu besorgen. Stattdessen erschien ich in einem Motherwell FC-Trainingsanzug, um ein Zeichen zu setzen. Doch der Durchschnittsbewohner von Motherwell war so angekotzt von allem, dass kaum einer der Penner in meinem Jahrgang Fan von Motherwell war. Also wurde ich allein schon wegen des Trainingsanzugs angepöbelt. Der Weg von der Anmeldung zur Schulversammlung brachte mir den zweiten tauben Arm. Dann zog mir einer die Schultasche über den Kopf. In der Pause kauerte ich mich in einer Ecke zusammen und versuchte, möglichst unauffällig zu bleiben, trotzdem war unübersehbar, dass ich keine Freunde hatte.
»Also, Arschloch, wo kommst du her?« Das kam von einem, der weitaus größer war als ich. Meine Augen waren gerade mal auf Höhe seines Adamsapfels, der aus seinem Hals hervorstand wie eine Kastanie.
»Von hier«, versuchte ich es. »North Motherwell. Na ja, mein Vater is’ aus Paisley.«
»Nicht mit dem Akzent, vergiss es.«
Und plötzlich lag ich auf dem Boden. Er hatte mir ein Bein gestellt und mich gestoßen, während seine Kumpels um mich herumstanden und lachten. Bis zum Mittag hatte ich mir ein halbes Dutzend Schläge eingefangen. Ich wurde ausgelacht, angespuckt und getreten. Ich versuchte, die Feindseligkeiten zu ignorieren, innerlich darüberzustehen. Ich war überzeugt davon, dass sie mir so nicht wirklich wehtun konnten.
Doch ich täuschte mich. Es tat verdammt weh.
Mein Vater, der mich schon davor gewarnt hatte, dass es an schottischen Schulen rau zuging und dass es hart werden würde, vertrat die Meinung, dass ein paar Schulhofschlägereien nichts Schlimmes seien. »Du bist ein Bain, und Bains verlieren keinen Kampf«, erklärte er mir. »Du darfst auf keinen Fall weglaufen und sie niemals sehen lassen, dass du weinst. Wenn dich jemand schlägt, dann schlägst du härter zurück. Die hören schon auf. Und außerdem formt Kämpfen den Charakter.« Am fünften Tag beschloss ich, seinem Rat zu folgen. Als ich in der Pause erneut gehänselt wurde, wehrte ich mich. Okay, es war nur ein harmloser Schubs, aber die Absicht war klar. Einen Moment lang schien mein Angreifer geradezu fassungslos, erschüttert. Dann grinste er und verpasste mir einen Schlag mitten ins Gesicht. Ich brach zusammen. Daraus entwickelte sich eine eigene Dynamik. Allein, dass ich versuchte, mich zu wehren, machte mich noch mehr zur Zielscheibe. Für die anderen war ich ein kleiner, angeberischer Penner von Gott weiß woher, den man in die Schranken weisen und in die örtlichen Gepflogenheiten einführen musste. Ich bekam so dauernd eins auf die Fresse. Ab und zu verlor ich sogar einen Zahn.
Ein paar besonders hartnäckige Schulhofschläger hatten mich zu ihrem Lieblingsobjekt gemacht. Einer von ihnen war Michael Ballantyne: groß, stark und dumm, mit eng beieinanderliegenden Augen, den Mund in einem grausam wirkenden Unterbiss verzogen. Ich hoffe, er ist inzwischen tot und begraben. Er war es, der mir meinen ersten tauben Arm verpasst hat und dann unerbittlich immer wieder auf mich losging. Jeden Tag passte er mich morgens und nachmittags am Schultor ab, das weiße Hemd über der Hose hängend, der schmale Schlips schief, ein höhnisches Grinsen in seinem Kartoffelgesicht. Aber er konnte kämpfen. Als ich eines Tages versuchte, ihm einen Vergeltungsschlag zu verpassen, wich er diesem mühelos aus und verbog plötzlich meinen Arm so sehr, dass ich mich vor Schmerz krümmte und schrie. »Bitte nicht«, flehte ich. »Bitte.« Er entgegnete mir etwas, doch konnte ich ihn wegen seines starken Akzents kaum verstehen. Ich bat ihn noch einmal, mich loszulassen. Doch er lachte nur. Ich dachte wieder an meinen Vater und an seine Ratschläge. Ich ballte meine freie Hand zur Faust und, seine Unachtsamkeit ausnutzend, wand ich mich aus seinem Griff und schlug ihm die Knöchel an die Schläfe. Der blöde Penner wusste nicht, wie ihm geschah. Er ging zu Boden. Ich hatte ihm richtig wehgetan. Danach machte er einen großen Bogen um mich, doch ich sollte bald merken, dass er den Stab nur an jemand anderen weitergegeben hatte: seinen großen Bruder, Steven Ballantyne.
Steven war größer und schlanker als Michael, aber auch gefährlicher und rücksichtsloser. Ein Wahnsinniger, der wusste, dass er jede Chance auf Erlösung schon lange vertan hatte. Steven hatte nichts mehr zu verlieren, auf jeden Fall nichts so Konkretes wie eine Zukunft. Seine Überfälle hatten also immer das Potenzial, wirklich gefährlich zu werden. Regelmäßig ging er auf die Hälfte der Schüler los und es war bekannt, dass er schon einigen die Knochen gebrochen hatte. Nun hatte er es auf mich abgesehen, weil ich es gewagt hatte, seinem Bruder die Stirn zu bieten.
»Du hast es übertrieben, Mann«, sagte er eines Morgens auf dem Schulhof und nahm mich in den Schwitzkasten. »Da muss ich wohl mal deine Schwester abpassen, Michelle heißt sie, oder?«
Steven war in Michelles Klasse, sodass er reichlich Gelegenheit hatte, sie anzugehen. Mir wurde bei dem bloßen Gedanken daran schlecht. Er warf mich zu Boden, wo ich liegen blieb, krank vor Angst. Einige Tage später erblickte er sie im Gedränge auf dem Schulhof und schlich ihr heimlich nach. Kurz bevor sie das Schultor erreichte, rannte er plötzlich auf sie zu und schubste sie um. Es war kein harter Stoß und sie fiel nur auf die Knie, aber das wurde zu einem täglichen Ritual. Meine fünfzehnjährige Schwester hatte ständig blutige Knie. Der Schorf auf der Wunde riss bei jedem neuen Angriff wieder auf. Mit jedem Mal wurde sie wütender, schrie ihn an und drohte, ihn umzubringen. Aber er lachte sie nur aus. Michelle war das einzige Mädchen an der Schule, das man an seinen Knien erkennen konnte.
Ich konnte nicht zulassen, dass er damit durchkam, und so griff ich ihn eines Nachmittags an, bevor er sie angreifen konnte. Ich überfiel ihn von hinten und riss ihn mit einer Art Rugby Tackle zu Boden. Er schlug hart auf dem Pflaster auf und landete auf dem Kinn. Er brüllte, stand auf und schlug mich zusammen.
 
Irgendwann versuchte ich, ins Fußballteam der Schule zu kommen. Vielleicht würde mich das wenigstens bei einigen meiner Mitschüler beliebter und dem Terror ein Ende machen. Schließlich war das Schuljahr fast vorbei und ich eigentlich kein Neuer mehr.
Steven Ballantyne war in meiner Mannschaft. Nicht, weil er Talent hatte, sondern weil er über jene brachiale Kraft verfügte, die jede Mannschaft letztlich irgendwie braucht. Im Training standen wir uns natürlich wieder gegenüber. Er weigerte sich, irgendwen zu schonen. Ich hatte Stollenspuren überall auf den Beinen, am Rücken und einmal sogar auf dem Schulterblatt. Eines Abends, in der Badewanne, als ich versuchte, meine Schmerzen zu lindern, beschloss ich, dass ich ihm bei seinem nächsten Angriff ein großes Stück Fleisch aus seinem verdammten Körper rausbeißen würde.
Ich musste nicht lange warten.
Am nächsten Nachmittag hing er wie gewöhnlich mit Michael am Schultor rum. »Bainy, du Opfer! Was machen die Stichwunden?« Er nahm mich in den Schwitzkasten und drückte mein Gesicht gegen den Stahlzaun. »Was zum Teufel machst du eigentlich noch hier? Hast du immer noch nicht verstanden, dass du in North Motherwell nicht erwünscht bist? Verpiss dich zurück nach Australien, oder wo auch immer du herkommst.«
Sein ungeschützter Arm war genau vor mir, nur Zentimeter vor meinem Mund. Das war der Augenblick, auf den ich gewartet hatte. Ich biss zu. Seine Schreie dröhnten in meinen Ohren, sein Blut lief in meinen Mund. Er versuchte mich abzuschütteln, aber ich biss mich wie ein Pitbull an ihm fest. Er warf sich hin und her, schlug nach mir, brüllte, aber ich ließ nicht los. Inzwischen hatte sich ein Menschenauflauf um uns gebildet und feuerte mich an. Michael war verschwunden. Schließlich drängte sich eine Lehrerin durch die Menge. Es war Mrs. Leonard, meine Englischlehrerin. Ich mochte sie und in den vorangegangenen sechs Wochen hatte ich mich davon überzeugen können, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. Statt uns anzuschreien, wie es jeder andere Lehrer getan hätte, beugte sie sich zu mir herunter und flüsterte mir ins Ohr. Sie schlug leise vor, dass ich loslassen sollte, was ich dann auch tat. Ich spuckte Stevens Fleisch und Blut auf den Boden und blickte zu ihm auf. Er starrte mich an, als wäre ich verrückt. Sein Gesicht war rot angelaufen und vom Schmerz gezeichnet. Und ich? Ich verspürte das reine, uneingeschränkte Hochgefühl des Siegers – und genoss es in vollen Zügen.
 
Nach den Sommerferien, den langweiligsten und ereignislosesten meines Lebens, zogen wir aus der Wohnung meiner Großmutter aus. Mein Vater hatte es schließlich geschafft, uns eine bessere Bleibe zu besorgen, ein kleines Häuschen in Newarthill, einem ruhigen Viertel auf der anderen Seite der Stadt. Okay, es war nicht Durban, aber immerhin auch nicht Klein-Bosnien. Das Haus hatte vier Schlafzimmer, ein großes Wohnzimmer und einen Wasserhahn, aus dem tatsächlich heißes Wasser kam. Wir waren dankbar.
Im September begann die Schule wieder, aber die Gänge erschienen mir jetzt nicht mehr so fremd und feindselig. Steven Ballantyne war aus der Fußballmannschaft geflogen, da wegen schwerer Körperverletzung auf dem Spielfeld gegen ihn ermittelt wurde. Endlich Freistoß für mich. Ich fand erste Freunde im Team, was sich auch auf meine Klasse übertrug. Obwohl ich noch nicht wirklich Kontakte knüpfte oder ausging, begann ich, aufrecht durchs Leben zu gehen. Meistens verbrachte ich die Abende auf meinem Zimmer, hörte Musik, schrieb Geschichten und sah mir Videos an. Ich genoss es, mich in Filmen zu verlieren: Scarface, Die durch die Hölle gehen, The Deer Hunter, alles mit De Niro, Pacino oder Jack Nicholson. Ich bewunderte die Schauspieler, liebte es, zu beobachten, wie jemand so sehr in einer Rolle aufging, indem er vorgab, jemand anderes zu sein. Diese Vorstellung faszinierte mich. Ich hätte alles dafür gegeben, mich in einen anderen zu verwandeln, mich von den Fesseln meines Wesens zu befreien.
In Südafrika war ich beliebt und selbstsicher gewesen, der Klassenclown. Ich wusste, wer ich war und dass ich dort hingehörte. Hier in Schottland war ich ein nervliches Wrack, schüchtern und ängstlich. Ich war ungeschickt und geriet Mädchen gegenüber schnell in Panik. Die Schule fühlte sich an wie eine lebenslängliche Haftstrafe, aus der ich nur auf dem Fußballplatz für einige Augenblicke, die mir zumindest eine gewisse Art von kreativer Freiheit erlaubten, ausbrechen konnte. Meine nächtlichen Albträume kamen mittlerweile immer häufiger, drei- bis viermal die Woche. Ich war bereits erschöpft, wenn ich morgens aufwachte. Meine Schwestern waren ständig auf Achse, meine Mutter hatte zwei Jobs und mein Vater war im ganzen Land unterwegs, verzweifelt bemüht, endlich wieder richtig Geld zu verdienen. Um mich kümmerte sich niemand.
Doch dann tat es doch jemand. Mrs. Leonard, meine Englischlehrerin, bemerkte mein offensichtliches Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und machte es sich zur Aufgabe, mich aus meiner Isolation zu befreien. Im Laufe des Jahres hob sie meine Aufsätze vor der Klasse hervor, indem sie die Lebendigkeit und den Enthusiasmus darin lobte. Ständig wollte sie mich dazu bringen, sie vorzulesen, aber das traute ich mir nicht zu. Ich konnte es einfach nicht. Trotzdem ermunterte sie mich, der Theatergruppe beizutreten, da sie meinte, so könnte ich etwas aus mir machen. Die Idee reizte mich, schon allein, um Mrs. Leonard zu gefallen. Eine Weile beschäftigte ich mich damit, einige Dialoge aus meinen Lieblingsfilmen auswendig zu lernen und sie dann immer wieder vor dem Spiegel in meinem Zimmer aufzusagen. »Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen!«, schrie ich, wie Jack Nicholson in Eine Frage der Ehre. Doch in der Schule drehte es sich um eher unspektakuläre Kost, Sachen wie Grease oder Oliver!, und ich war viel zu unsicher, um darin aufzutreten.
Aber ich wollte mich bei Mrs. Leonard beliebt machen. Diese Frau war wie ein Engel, Anfang dreißig, langes, glattes, blondes Haar, mit einer Figur, auf die sie zu Recht stolz war. Ihre Röcke waren immer ein bisschen zu eng, sodass der Reißverschluss ein klein wenig offen stand und einen verlockenden Zentimeter ihrer Haut erahnen ließ. Durch ihre Blusen konnte man die Spitze ihres BHs erkennen. Wenn man die Hand hob, um eine Frage zu stellen, kam sie sofort zu einem und beugte sich über das Übungsheft. Das tiefe V ihrer Bluse vor Augen wurde es fast unmöglich, sich an die Frage zu erinnern, die man gerade noch stellen wollte. Das Leuchten in ihren Augen, verriet, dass sie eine sexuell aktive Frau war, und dass, wenn man seine Karten richtig ausspielte, dann, nun ja, man konnte nie wissen. Es waren schon ganz andere Dinge passiert. Wir alle träumten von ihr. Und ihr Ausschnitt verriet, dass sie das auch wusste.
Nach dem Unterricht hielt mich Mrs. Leonard oft unter einem Vorwand zurück. Sie wusste, dass ich Stress hatte und noch immer ab und zu schikaniert wurde. Wenn wir dann allein waren – sie saß meistens mir gegenüber auf ihrem Tisch -, unterhielten wir uns über die Schule, meine Lernfortschritte und über all das, was ich in Südafrika zurückgelassen hatte. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit ihr sprechen konnte wie mit niemand anderem sonst. Bald hatte ich herausgefunden, dass sie, wenn ich bedröppelt schaute und meine Unterlippe zitterte, mit offenen Armen auf mich zukam und mir eine Umarmung anbot. Man lässt sich mit fünfzehn nicht von einer Lehrerin umarmen, außer man findet sie unglaublich attraktiv. Für mich war sie die perfekte Frau. Sie gab mir häufig zusätzliche Aufsätze auf, und ihre Erregung, wenn ich sie ablieferte, fühlte sich an, als würde sie mich mit Küssen überhäufen. Ich verliebte mich in sie. Um genau zu sein, ich wollte sie ficken.
Und vielleicht hätte ich das auch getan, wenn da nicht dieser eine Elternabend gewesen wäre. Meine Mutter und ich klapperten alle Lehrer ab. Die meisten erzählten das Übliche (»Gavin hat Potenzial, wenn er nur…« usw.), aber Mrs. Leonard war voll des Lobes. Sie beugte sich engagiert auf ihrem Stuhl vor, um meiner Mutter zu erklären, wie vielversprechend meine Arbeit wäre und dass ich meiner offensichtlichen Liebe zum Schreiben, zu Theater und Kunst folgen sollte. Dabei strahlte sie meine Mutter die ganze Zeit an, doch meiner Mutter wurde schnell klar, dass das nicht ihr, sondern mir galt. Mrs. Leonard trug wie üblich einen kurzen Rock und so wie sie mit provozierend übereinander geschlagenen Beinen auf der Kante ihres kleinen Stuhls saß, gab es keinen Zweifel daran, dass sie keine Strumpfhosen trug, sondern Strapse. Einmal machte sie mit den Beinen sogar auf Sharon Stone, was mir einen Blick an ihren Innenschenkeln hinauf erlaubte, die sanft und golden und so weich aussahen, dass ich am liebsten daran geleckt hätte. Dieser Blick entging meiner Mutter nicht. Entsetzt wandte sie sich meiner Lehrerin zu und explodierte. Meine Mutter, die noch nie besonders zurückhaltend gewesen war, sprang auf, musterte Mrs. Leonard angewidert von Kopf bis Fuß und geigte ihr die Meinung. Dann packte sie mich und riss mich aus dem Klassenzimmer. Sie zerrte mich am Arm durch den Korridor, während mein halber Jahrgang dabei zusah. Ich drehte mich nach Mrs. Leonard um, während wir gingen, doch auch sie ging fort, in die entgegengesetzte Richtung und genauso hastig. Alle lachten uns aus und ich empfand heiße Scham und Wut, die noch Wochen und Monate später in mir kochten.
Mrs. Leonard verließ wenig später aus persönlichen Gründen die Schule. Ich träume heute noch manchmal von ihr.
 
Danach war die Schule nie wieder so aufregend. Ich widmete mich jetzt ernsthaft dem Fußball. Nach einem Jahr war ich der aufstrebende Star des Teams und es gelang mir, Paul Barker, einen der härtesten Jungs der Schule, zum Freund zu gewinnen. Seine Loyalität hielt die anderen Schläger auf Distanz. Als Gegenleistung für seinen Schutz brachte ich ihn zum Lachen und ließ ihn die Englischaufgaben von mir abschreiben. Jeden Samstagmorgen ging ich raus aufs Fußballfeld und hatte mir schon bald einen Namen gemacht. Es dauerte nicht lange und ich wurde zum Vorspielen für die schottische U16-Nationalmannschaft eingeladen. Mein Vater, der keines meiner Spiele verpasste, war stolz auf mich. Aber eine Woche bevor ich vorspielen sollte, traf mich ein besonders harter Schlag. Ich stolperte die Treppe in der Schule hinunter, fiel ungeschickt und brach mir den Knöchel.
Ich war am Boden zerstört. Die folgenden Wochen verbrachte ich mit einem Gips und der strikten Auflage, meinen Knöchel unbedingt absolut ruhig zu halten. Aber schon nach wenigen Tagen langweilte ich mich zu Tode. Ich konnte nicht einfach den ganzen Tag verschlafen, weil ich dadurch nur wieder unter dem Nachtschreck litt. Aber wach bleiben und meine Hausaufgaben nachholen konnte ich auch nicht, weil ich an nichts anderes denken konnte als daran, was ich gerade auf dem Fußballfeld mit meinen neuen Freuden verpasste – die natürlich nichts Besseres zu tun hatten, als sich andere neue Freunde zu suchen. Also zog ich zu meinem Onkel Gordon. Mein Knöchel fühlte sich schon ein wenig besser an. Es tat zwar immer noch weh, aber ich konnte mich bewegen. Und Snooker? Warum nicht? Onkel Gordon ist früher ein herausragender Snookerspieler gewesen, einer der besten in ganz Schottland. Er hatte sogar einmal den besten Spieler der Welt, Stephen Hendry, in einem Showmatch geschlagen. Er war nur zu glücklich, mich unter seine Fittiche zu nehmen und mir alles beibringen zu können, was er wusste. Wie immer entwickelte ich sofort eine zwanghafte Detailversessenheit und ehe ich mich versah, trainierten wir sechs Stunden am Tag. Snooker würde ich dem Fußball nie vorziehen, aber es ließ die Rekonvaleszenz auf jeden Fall schneller und einfacher vorbeigehen. Nach ein paar Monaten musste sich Gordon richtig anstrengen, um mit mir mithalten zu können. Er war der beste Lehrer, den ich je hatte.
Man sagt ja, dass Unwissenheit glücklich macht und Narren selbst schuld an ihrem Unglück sind. Während ich auf der Jagd nach jenem magischen und schwer zu fassenden 147er Break war und dabei nach und nach immer mehr den Respekt von Onkel Gordon gewann, schadete ich mir in Wirklichkeit. Bei Snooker muss man sein Gewicht stark auf ein Bein verlagern, um für den nächsten Stoß zu zielen, ein Vorgang, den man während jedes Spiels ständig wiederholt. Das schadet dem Körper natürlich nicht, außer, man ist verletzt. Und genau das war ich. Tag für Tag, von morgens bis abends, legte ich mein ganzes Gewicht auf mein linkes Bein, das, obwohl es sich für mich gut anfühlte, immer noch nicht ausgeheilt war. Als ich nach mehreren Monaten mal wieder zu meinem Physiotherapeuten ging, konnte er gar nicht glauben, was er auf dem Röntgenbild sah. Er wollte wissen, ob ich meinen Fuß wie angeordnet hochgelegt hatte, was ich natürlich bejahte. Er fragte mich auch, ob ich Fußball gespielt hätte, was man mir ja ausdrücklich verboten hatte, und ich erklärte wahrheitsgemäß, das hätte ich nicht.
»Dann verstehe ich das nicht. Die Knochen sehen schlechter aus als damals, als du sie dir gebrochen hast.« Er sah mich anklagend an. »Irgendwas hast du getan …«
Ich sagte, dass ich nichts Anstrengenderes getan hätte, als ein bisschen Snooker mit meinem Onkel Gordon zu spielen, um mir die Zeit zu vertreiben. Er hob die Hand und ich verstummte sofort, als er mich ansah, wie ich immer Michael und Steven Ballantyne angesehen hatte: mit Verblüffung und Verachtung. Er schüttelte nur den Kopf.
Ich würde nie der nächste Ally McCoist werden.
 
Ungefähr zu dieser Zeit begann mir meine Verwandtschaft wegzusterben, zuerst mein Onkel Robert nach einem Schlaganfall und nur wenig später mein Großvater an Krebs. Unsere ganze Familie geriet aus dem Gleichgewicht. Wir hatten meinem Großvater sehr nahegestanden, doch war er schon alt gewesen und hatte ein gutes Leben gehabt. Robert aber war erst Mitte vierzig und zum Sterben viel zu jung. Sein Begräbnis war eine düstere Veranstaltung. Das einzig Gute daran war, dass die ganze Familie seit Langem mal wieder zusammenkam. Wenn irgendetwas das Zerwürfnis zwischen meinem Vater und Onkel Duncan heilen konnte, dann sicherlich das. Aber nichts dergleichen geschah. Duncan kam gar nicht erst, was ein paar Jahre später, beim Begräbnis meines anderen Großvaters in Südafrika, zum nächsten großen Streit zwischen ihm und meinem Vater führte.
Mittlerweile hatte ich das Interesse am Sport verloren. Mit sechzehn wurde mir klar, dass ich ohne Fußball leben konnte, ohne Snooker und ohne Cricket, aber ein Leben ohne Musik erschien mir völlig undenkbar. Die Musik fing an, mich völlig zu vereinnahmen. Ich war wie besessen von der existenziellen Angst des Rock, der lyrischen Geschmeidigkeit des Rap, und begann, eigene Texte zu schreiben. Viele davon waren stark von meiner Lieblingsband Rage Against The Machine beeinflusst und voller Beschimpfungen an die Adresse derjenigen in meinem Leben, die sie meiner Meinung nach am meisten verdient hatten: die Schulschläger und mein Physiotherapeut.