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James Patterson

und Howard Roughan

Honeymoon

Roman

Deutsch
von Andreas Jäger





GOLDMANN

Buch

Niemand ahnt, dass die junge schöne Witwe Nora Sinclair ihre Trauer nur spielt. Ihr Bräutigam Connor Brown, ein nicht nur gut aussehender, sondern auch äußerst vermögender Investmentbanker, hatte kurz zuvor um die Hand der attraktiven Innenarchitektin angehalten, als er unerwartet zu Tode kommt. Die Umstände sind mysteriös, die Todesursache ist nicht eindeutig festzustellen. Doch niemand schöpft Verdacht – bis auf Connors argwöhnische Schwester Elizabeth, die Nora für eine Erbschleicherin hält. Allerdings fehlen ihr die Beweise. Und die geheimen Transaktionen der millionenschweren Hinterlassenschaft Connors von einem Schweizer Geheimkonto auf ein Konto der Cayman Islands bleiben unentdeckt. Noras Pläne scheinen aufzugehen. Es winkt sogar noch eine Lebensversicherung in Höhe von 1,9 Millionen Dollar, die Connor zu ihren Gunsten abgeschlossen hat. Diese fette Beute will sich Nora auf keinen Fall entgehen lassen. Was sie nicht weiß: Der angebliche Versicherungsangestellte, der ihr die freudige Nachricht überbringt, ist in Wahrheit der FBI-Agent John O'Hara. Eigentlich hat er den Auftrag, Terroristen zu jagen. Doch dann gerät er in die verhängnisvollen Fänge der bezaubernden Witwe Nora Sinclair – eine Obsession, die ihn das Leben kosten könnte ...

Autor

James Patterson war zunächst erfolgreicher Kreativdirektor einer der größten amerikanischen Werbeagenturen, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Inzwischen zählt Patterson mit seinen Psychothrillern, unter anderem der Reihe »Club der Ermittlerinnen« und der Serie um den Polizeipsychologen Alex Cross, und seinen Liebesromanen wie »Tagebuch für Nikolas« zu den international erfolgreichsten Bestsellerautoren. James Patterson lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Palm Beach und Westchester, N.Y.

Von James Patterson außerdem bei Goldmann lieferbar:

Sams Briefe an Jennifer. Roman (45908)

Inhalt

Title Page
Foreword
Copyright
Prolog: Wer war's? – Wer war WAS?
Erster Teil: Traumpaare
Zweiter Teil: Der Versicherungsvertreter
Dritter Teil: Brandgefährliche Spiele
Vierter Teil: Bis dass der Tod uns scheidet
Fünfter Teil: Flucht

Prolog

Wer war's? – Wer war WAS?



Es ist nicht immer alles so, wie es scheint.

Gerade ging es mir noch blendend.

Im nächsten Moment krümme ich mich vor rasenden Schmerzen und halte mir den Bauch. Was passiert da mit mir, verdammt noch mal?

Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, was ich fühle, und was ich fühle, kann ich einfach nicht glauben. Es ist, als ob meine Magenschleimhaut sich plötzlich in Fetzen ablöst, von einer ätzenden Substanz zerfressen. Ich schreie und stöhne, aber hauptsächlich bete ich – ich bete, dass es endlich aufhört.

Das tut es aber nicht.

Es brennt unvermindert weiter. Die ätzende Flüssigkeit brennt ein Loch in meine Magenwand und tropft mit widerlichem Zischen auf meine Eingeweide. Der Gestank meines zerfallenden Fleisches erfüllt die Luft.

Du stirbst, sage ich mir.

Nein, es ist schlimmer als das. Viel schlimmer. Ich werde bei lebendigem Leib gehäutet – und zwar von innen.

Und das ist erst der Anfang.

Wie eine Rakete schießt der Schmerz in meinen Hals und explodiert dort. Er legt sich als eiserner Reif um meine Kehle; ich ringe nach Luft.

Dann breche ich zusammen. Meine Arme gehorchen mir nicht mehr, können meinen Sturz nicht abfangen. Ich knalle mit dem Kopf auf den Hartholzboden, und dunkelrotes Blut quillt aus der Platzwunde über meiner rechten Augenbraue. Ich blinzle ein paarmal, aber mehr auch nicht. Auf eine blutende Wunde mehr oder weniger kommt es jetzt wirklich nicht an. Dass sie vielleicht mit einem Dutzend Stichen genäht werden muss, ist das geringste meiner aktuellen Probleme.

Die Schmerzen werden schlimmer, strahlen immer weiter aus.

Durch die Nase. In beide Ohren. Und dann mit voller Wucht in die Augen. Ich spüre, wie die Blutgefäße platzen, als wären es Bläschen in einer Luftpolsterfolie.

Ich versuche aufzustehen. Es geht nicht. Als ich es schließlich doch schaffe, will ich davonlaufen. Aber ich bringe nur ein paar taumelnde Schritte zustande. Meine Beine sind wie Blei. Es sind drei Meter bis zum Bad. Es könnten genauso gut drei Meilen sein.

Irgendwie schaffe ich es doch. Ich erreiche das Bad und schließe die Tür hinter mir ab. Meine Knie knicken ein, und ich falle um wie ein Sack. Die kalten Fliesen küssen meine Wange, mit einem grässlichen Kracks! zersplittert ein Backenzahn.

Ich kann die Toilette sehen, aber sie bewegt sich, wie alles andere im Badezimmer auch. Alles dreht sich. Ich taste mit fahrigen Bewegungen nach dem Waschbecken, versuche mich daran hochzuziehen – keine Chance. Mein Körper beginnt zu zappeln und zu zucken, als ob tausend Volt durch meine Adern jagen.

Ich versuche es mit Kriechen.

Die Schmerzen sind jetzt überall, sogar in meinen Fingernägeln, die sich in den Fugenkitt krallen. Zentimeter um Zentimeter ziehe ich mich vorwärts. Mit letzter Kraft packe ich die Toilettenschüssel und hieve den Kopf über den Rand.

Eine Sekunde lang ist mein Hals frei, und ich schnappe gierig nach Luft. Ich fange an zu würgen, die Muskeln in meiner Brust dehnen und verdrehen sich. Dann reißen sie, einer nach dem anderen, wie von Rasierklingen durchtrennt.

Es klopft an der Tür. Ich blicke mich gehetzt um. Das Klopfen wird lauter und lauter. Jetzt ist es schon mehr ein Hämmern.

Wäre es doch nur der Sensenmann, der mich von diesen Höllenqualen erlöst.

Aber er ist es nicht – noch nicht, jedenfalls –, in diesem Augenblick wird mir eines klar: Ich weiß vielleicht nicht, was es ist, das mich heute Abend getötet hat, aber ich weiß verdammt genau, wer es war.