001

Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

001

Vorwort
Online Poker erfreut sich momentan immer größerer Beliebtheit. Besonders die Tatsache, dass man nicht mehr in ein Spielcasino gehen und dem Gegner in die Augen schauen oder ein „Pokerface“aufsetzen muss, macht das Online Poker für viele Spieler so reizvoll.
 
Dieses Buch soll Anfängern den Einstieg in die Welt des Pokers erleichtern und die typischen Anfängerfehler zu vermeiden helfen. Zum anderen soll es auch fortgeschrittenen Spielern taktische Hilfestellungen zur Verbesserung des eigenen Spiels geben. Denn nach wie vor verlieren auch die meisten fortgeschrittenen Spieler ihre Spiele nicht aufgrund von schlechten Karten, sondern aufgrund von Fehlern, die sie sich mit der Zeit angewöhnt haben, bzw. aufgrund von bekannten Basics, die nur z.T. angewendet oder sogar komplett ignoriert werden.
 
Um genau die Basics von Anfang an richtig zu lernen, beinhaltet dieses Buch neben den theoretischen Ausführungen auch praxisbezogene Lektionen und Übungen zur direkten Anwendung.
 
„TEXAS HOLD’EM POKER MIT SYSTEM“soll jedem Pokerspieler dabei helfen, in den Spiegel zu schauen, das eigene Spiel und die eigenen menschlichen Schwächen und Stärken zu erkennen und nach ihnen zu handeln. Denn Poker ist - bei aller Theorie - immer noch ein Spiel, das besonders auch vom inneren Wesen des einzelnen Spielers dominiert wird. Und schließlich geht es neben all dem Spaß immer noch um echtes Geld, das hier gewonnen aber eben auch verloren werden kann!
 
An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass „TEXAS HOLD’EM POKER MIT SYSTEM“sich - wie der Name schon sagt - hauptsächlich mit der Spielart Texas Hold’em beschäftigt. Die meisten grundlegenden Dinge treffen zwar auch für andere Pokervarianten (z.B. 7-Card Stud oder Omaha Hold’em) zu, jede Pokervariante hat aber ihre eigenen taktischen Überlegungen und eine andere Psychologie. Jeder Spieler muss auf Dauer für sich die beste Variante finden. Daher wird in diesem Buch nur kurz auf andere Pokervarianten eingegangen, um z.B. den Quereinstieg in Omaha Hold’em zu vereinfachen. Die Basics sind allerdings überall dieselben.
 
Abschließend noch ein paar Worte zur Form: Es wird in diesem Buch keine zusätzliche weibliche Form benutzt (z.B. „Spielerinnen und Spieler“, oder „SpielerInnen“o.ä.), was ausschließlich der Einfachheit halber geschieht. Die erfreulicherweise stetig steigende Anzahl an Mitspielerinnen (Poker ist leider nach wie vor eine recht ausgeprägte Männerdomäne) soll hier nicht vergrault oder unter den Spieltisch gekehrt werden! Die Übersicht und Verständlichkeit des Buches würde nur stark in Mitleidenschaft gezogen, was ich vermeiden möchte. Ich hoffe, die weibliche Leser- und Spielerschaft sieht mir das nach.
 
Und schließlich sei noch etwas zum Thema „Anglizismus“in der Pokersprache gesagt: Dies ist ein Buch in deutscher Sprache über ein Thema, das extrem stark von englischen Begriffen geprägt ist. Natürlich wäre es möglich, jedes englische Wort durch die deutsche Variante zu ersetzen… Aber das ist in einem Buch über Poker nahezu unmöglich und wäre komplett an der Realität vorbei: zum einen ist es in sämtlichen Medien (Fernsehen, Internet, …) üblich, in diesem Bereich „checken“statt „schieben“o.ä. zu benutzen, und zum anderen würden deutsche Versionen von z.B. „slowplay“, „pot odds“oder „Gutshot“(„langsam spielen“, „Topf Wahrscheinlichkeiten“oder „Bauchschuss“) eher komisch in einem Theoriebuch klingen. Ich habe mir daher die Freiheit auch hier genommen, alles so zu benutzen, wie es im Poker Jargon üblich ist, und sowohl „ein Gebot erhöhen“als auch „einen Bet raisen“benutzt. Ich halte dies für die sinnvollste Variante, da man quasi dadurch zweisprachig mit diesem Bereich auswächst und von Anfang an mit sämtlichen Pokerbegriffen vertraut wird. Die häufigen Erklärungen und Nebensätze tragen hoffentlich ein wenig zum zusätzlichen Verständnis bei. Das Glossar am Ende des Buches dürfte die letzten Unklarheiten über die häufigsten Begriffe und Abkürzungen im Poker ausräumen.
 
Und nun viel Spaß beim Verbessern des eigenen Texas Hold’em Spiels!
 
Eike Adler

Kapitel 1
Einführung
„Once you start thinking you have nothing left to learn, you have everything to learn.“
 
-- Steve Badget

Einführung in das Online Poker Spiel

Um erfolgreich Poker im Internet spielen zu können, benötigt man ein paar grundlegende Dinge:
 
1. ) einen Rechner
2. ) Pokersoftware eines oder mehrerer Internet-Pokeranbieter
3. ) evtl. ein Poker-Tagebuch bzw. Statistiksoftware
4. ) ein paar Tabellen zur mathematischen Unterstützung
5. ) Geld zum Spielen
zu 1.) Pokersoftware benötigt meistens nicht die größte Rechenpower. Aber damit es jedenfalls ansatzweise Spaß macht, sollte es schon mindestens ein Pentium mit 400 MHz aufwärts und 128 MB RAM bei Windows 95 / 98 / ME sein bzw. ein Pentium mit 533 MHz aufwärts und 128 MB RAM bei Windows 2000 / XP.
 
Wenn nur eine Modem- bzw. ISDN-Verbindung zur Verfügung steht, sollte man möglichst keine andere Internetanwendung parallel zur Pokersoftware laufen haben, da ein Spielabbruch wegen Verbindungsproblemen natürlich immer genau dann passiert, wenn man ein Full House auf der Hand hat!!!
 
zu 2.) Es gibt mittlerweile jede Menge Online-Pokerräume und es kommen ständig neue hinzu. Auf der begleitenden Internetseite zu diesem Buch sind die wichtigsten und größten auch noch einmal vorgestellt und erklärt, was die Entscheidung erleichtern dürfte. Software-Beispiele an dieser Stelle des Buches werden am Beispiel von gemacht. Dies ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Pokerräume mit den meisten Spielern weltweit. Grundsätzlich ist es aber egal, welchen Online-Pokeranbieter man nimmt! Sehr viele Spieler sind auch auf mehreren Seiten gleichzeitig registriert.
 
zu 3.) Dafür reicht eine einfache Tabelle (z.B. Excel), ein kleines Büchlein (z.B. ein DIN A5 Hausaufgaben Heft aus dem Schreibwarenhandel) oder loses Schmierpapier aus. Die letzte Variante sollte allerdings nur als Übergangslösung herhalten. Langfristig wird ein guter Spieler sein Tagebuch lieben lernen und es als echtes Werkzeug benutzen. Doch dazu später mehr, Stift und Papier bzw. eine leere Tabelle reichen für den Anfang aus. Wer gerne Statistiksoftware benutzen möchte, soll sich dazu am besten einmal in die kostenlosen Programme einarbeiten, die das Internet dazu zu bieten hat.
 
Ich persönlich bin allerdings eher ein Freund von Stift, Zettel und trainiertem Gedächtnis. Spätestens im Live-Pokerturnier wird keine Software mehr automatisiert im Hintergrund Hilfe leisten, ob der Gegner eher aggressiv oder passiv gespielt hat bisher. Aber auch das ist natürlich Geschmackssache, viele Online-Profis spielen mit diesen Programmen sehr erfolgreich.
 
zu 4.) Taktische Tabellen (z.B. über Gewinnwahrscheinlichkeiten, Pott Odds, Starthände, Flop-Spiel usw.) sind am Anfang eine sehr gute Stütze! Einige befinden sich im Anhang des Buches und können als „Spickzettel“eingesetzt werden. Will man irgendwann aber auch mal an einem Live-Turnier (wie z.B. den World Series of Poker) teilnehmen, sollte man auf Dauer diese Zahlen besser auswendig lernen bzw. errechnen können. Ein Satz Zettel neben dem Chipstapel wird bei Live-Turnieren natürlich nicht so hoch angesehen.
 
zu 5.) Geld ist bei Glücksspielen - zu denen Poker ja trotz allem gehört - immer ein heikles Thema. Man kann natürlich auch um Spielgeld spielen, was wir im Laufe dieses Buches zu Anfang auch tun werden, aber langfristig macht es nur echten Spaß um echtes Geld zu spielen. Nicht nur wegen des anderen Reizes, sondern auch weil bei den meisten Spielgeld-Tischen so viele sog. „Maniacs“unterwegs sind, dass man nicht wirklich mit Taktik operieren kann. Da wird das Pokern dann wirklich quasi zum Roulette. Aber auch dazu später mehr.
 
Das heikle Thema Geld führt zu einer grundsätzlichen Überlegung:

Der Reiz und die Gefahren von Poker

Die Menschen spielen aus den unterschiedlichsten Gründen Poker: aus Geselligkeit, wegen des Reizes des beeinflussbaren Glücksspiels, um Geld zu verdienen oder aus „sportlichen“Aspekten. Dennoch sollte man seine Motive genauestens prüfen und unter die Lupe nehmen. Denn nicht jeder Mensch ist ein geborener Spieler. Spielsucht ist ein ernst zu nehmendes gesellschaftliches Problem und bei aller Popularität des Pokerspiels kann nicht häufig genug auf die Gefahren der Spielsucht hingewiesen werden.
 
Man kann sein (finanzielles) Ergebnis beim Poker zwar durch Taktik beeinflussen, aber Poker ist und bleibt zu einem bestimmten Anteil ein Glücksspiel: u.a. aufgrund der Tatsache, dass nicht alle Karten ausgeteilt werden. Wenn man ein Problem mit Glücksspielen hat, sollte man sich gut überlegen, ob man nicht lieber seine Freizeit anders gestaltet.
 
„Ein Problem mit Glücksspielen“bedeutet z.B., dass man seine Emotionen beim Spielen nicht unter Kontrolle hat und irgendwann aus Ärger über ein knapp verlorenes Blatt anfängt, unkontrolliert und schlecht zu spielen (das nennt sich beim Poker „heiß laufen“bzw. „Tilt“). Diese „beim nächsten Blatt krieg ich dich“-Mentalität ist bei Glücksspielen ALLER Art extrem gefährlich und hat schon sehr viele Spieler sehr arm gemacht… „Heiß laufen“kann man sich allerdings abgewöhnen. Je besser man als Spieler wird, desto seltener läuft man heiß bzw. desto schneller erkennt man, dass man heiß gelaufen ist und hört für den Tag auf zu spielen. Diesem Thema werde ich mich in diesem Buch später noch intensiver widmen.
 
„Ein Problem mit Glücksspielen“kann aber auch bedeuten, dass man in Wirklichkeit ein Problem mit dem finanziellen Einsatz beim Glücksspiel hat. Man sollte beim Glücksspiel immer in der Lage sein, das eingesetzte Geld verlieren zu können. Wenn man z.B. an einen Roulette Tisch mit $100 geht, diese $100 allerdings nicht verlieren darf, weil man seine Miete sonst nicht zahlen kann, dann sollte man DEFINITIV nicht Roulette spielen! Gleiches gilt für Poker. Wenn ein Spieler $100 an einen Pokertisch bringt, er aber extrem viel Respekt davor hat, diese $100 zu verlieren, wird er definitiv schlecht spielen! Poker lebt vom aggressiven Spiel. In der Praxis bedeutet das, dass man u.a. auch andere Spieler durch hohe Geldeinsätze unter Druck setzt, damit diese z.B. ihr besseres Blatt weg werfen und man den Pot gewinnt. Das ist aber komplett unmöglich, wenn man nicht auch gleichzeitig bereit ist, seinen Einsatz zu verlieren.
 
Also: Nehmen Sie kein Geld mit an einen Pokertisch, dass Sie nicht auch finanziell verkraften können. Sonst wird die Pokerkarriere sehr kurz und schmerzhaft.
 
Dieses Buch wird Ihnen dabei helfen, nicht in Fallen zu tappen, die Sie langfristig teuer zu stehen kommen können. Und es soll Sie gleichzeitig durch taktische Anweisungen davor bewahren, dass Sie Ihr Pokerkonto leer spielen. Denn in jedem Fall ist es ratsam, immer sehr vorsichtig mit den eigenen finanziellen Ressourcen umzugehen.
 
Im Kapitel „Lektion 3 - Das Geld“ab S. 46 und im Kapitel über die verschiedenen Limits ab S. 33 wird noch genauer darauf eingegangen, welche Auswirkungen die finanzielle Situation auf das eigene Spiel hat. Ein Spieler, der monatlich $1000 zur Verfügung hat, wird ganz anders spielen, als ein Multimillionär, dem das Geld im Grunde egal ist.
 
Schließlich wird der Abschnitt „Aufbau einer Bankroll“im Anhang des Buches und das Kapitel „Lektion 11 - Bankroll Management“ab S. 96 genau erklären, wie man sich auch mit wenig finanziellem Einsatz ein Spielkonto aufbauen kann, das sich mit der Zeit immer mehr und mehr vermehrt.

Die Regeln

Bevor wir in die Themen Strategie und Theorie einsteigen, hier noch einmal ganz kurz eine Übersicht über die allgemeinen Regeln beim Poker:

Die Karten

Ein Poker Kartenspiel besteht aus 52 Karten. Jede Karte kommt nur einmal vor, es gibt 4 verschiedene Symbole und jedes Symbol hat 13 Karten mit unterschiedlicher Wertigkeit.
 
Die 4 Symbole sind Kreuz, Pik, Herz und Karo. Anders als bei anderen Kartenspielen (z.B. Skat) haben die Symbole bei Texas Hold’em allerdings keinen unterschiedlichen Wert. Kreuz ist also z.B. nicht mehr wert als Herz oder Karo!
002
Die Symbole werden wie folgt abgekürzt:
c [clubs] = Kreuz
s [spades] = Pik
h [hearts] = Herz
d [diamonds] = Karo
Die 13 Karten pro Symbol sind in der Reihenfolge ihrer Wertigkeit:
003
Die Karten werden recht häufig z.B. in anderen Büchern oder im Internet mit ihren englischen Abkürzungen gekennzeichnet. Deswegen werde ich hier ebenfalls die englischen Abkürzungen verwenden, damit sie sich auf Dauer einprägen. Neben der Bezeichnung der Karten gibt es noch die Kurzform für „gleiches Symbol“= s [suited] und für „ungleiches Symbol“= o [off-suited]. Hier also noch mal alle Abkürzungen im Überblick:
 
c [clubs] = Kreuz
s [spades] = Pik
h [hearts] = Herz
d [diamonds] = Karo
s [suited] = gleiche Symbole
o [off-suited] = ungleiche Symbole
A [ace] = Ass
K [king] = König
Q [queen] = Dame
J [jack] = Bube
T [Ten] = 10
Die restlichen Zahlen werden natürlich auch als Zahlen dargestellt.
 
 
 
Beispiele:
 
AKs = Ass und König mit gleichem Symbol (z.B. Kreuz Ass und Kreuz König)
 
JhTd = Herz Bube und Karo 10
 
2s2h = Pik 2 und Herz 2
 
78o = 7 und 8 mit ungleichem Symbol (z.B. Pik 7 und Kreuz 8)

Die Blätter

Ziel jedes Pokerspiels ist es, mit 5 Karten das höchste Blatt zu bekommen. Dieses „Blatt“bzw. diese „Hand“bildet sich je nach Pokervariante auf unterschiedliche Art und Weise. Dazu mehr bei den Pokervarianten. Vorab sollte man aber natürlich erst einmal die Reihenfolge der Blätter kennen, denn die ist bei allen gleich:
004
1) Royal Flush
Der Royal Flush ist das höchst mögliche Blatt bestehend aus T, J, Q, K, A bei gleicher Farbe.
005
2) Straight Flush*
Der Straight Flush ist eine Straße mit gleichen Symbolen. Haben zwei Spieler einen Straight Flush, gewinnt der Spieler mit der höheren Karte im Straight Flush.
006
3) Vierling (Vierer oder Four of a kind)
Einen Vierling besteht aus 4 Karten mit demselben Rang.
007
4) Full House
Beim Full House hat man einen Drilling und ein Paar. Haben zwei Spieler ein Full House, zählt der höhere Drilling als Gewinnerblatt, bei gleichem Drilling das höhere Paar.
008
5) Flush
Ein Flush sind 5 Karten mit gleichem Symbol. Haben zwei Spieler einen Flush, entscheidet die höchste Karte.
009
6) Straight (Straße)
Als Straight bezeichnet man 5 Karten in aufeinander folgender Reihenfolge, die aber nicht das gleiche Symbol haben. Haben zwei Spieler eine Straight, entscheidet die höchste Karte, wer das bessere Blatt hat (z.B. 9TJQKo gewinnt gegen 89TJQo)
010
7) Drilling (Dreier, Set oder Three of a kind)
Ein Drilling sind drei Karten mit demselben Rang. Haben zwei Spieler den gleichen Drilling, entscheidet die Höhe der 4. bzw. 5. Karte, wer das bessere Blatt hat.
011
8) Doppelpaar (Two pair)
Ein Doppelpaar besteht aus zwei Pärchen. Das Blatt mit dem höheren Pärchen gewinnt. Haben zwei Spieler das gleiche Doppelpaar entscheidet die 5. Karte.
012
9) Pärchen (Pair)
Ein Pärchen sind zwei Karten mit demselben Rang. Haben zwei Spieler das gleiche Pärchen, entscheidet die Höhe der 3., 4. bzw. 5. Karte darüber, wer das bessere Blatt hat.
013
10) Höchste Karte (High Card)
Bei 5 nicht zusammenhängenden Karten entscheidet die höchste Karte.

Pokervarianten

Es gibt ziemlich viele verschiedene Spielweisen und Varianten von Poker. Jede einzelne Spielart hat ihre eigenen Regeln und ihre eigene Psychologie. In diesem Buch wird hauptsächlich auf die Strategien bei der Variante „Texas Hold’em“eingegangen. Diese Variante wird sehr häufig im TV gezeigt oder hauptsächlich in Kinofilmen gespielt (Casino Rayale, u.ä.). Trotzdem seien zwei andere, z.Z sehr populäre Varianten hier auch einmal der Vollständigkeit halber kurz vorgestellt: Omaha Hold’em und 7-Card Stud. Es lohnt sich, die anderen Varianten einmal auszuprobieren (freegame oder um sehr wenig Geld), um seinen Horizont zu erweitern oder herauszufinden, ob man sich vielleicht dort wohler fühlt. Um ein wirklich guter Spieler in einer der anderen Varianten zu werden, sollte man sich allerdings sehr speziell mit der Variante auseinander setzen und evtl. entsprechende Literatur zulegen. Denn eines sei jedem ans Herz gelegt: ein guter Texas Hold’em Spieler ist noch lange kein guter Omaha-Spieler!

Texas Hold’em Die Regeln

Bei Texas Hold’em erhält jeder Spieler 2 Karten ausgeteilt, die er sich verdeckt anschaut: die sog. Hole Cards (oder Pocket Cards bzw. Pockets).
 
Zusätzlich werden im Laufe der Spielrunde 5 Karten offen in die Mitte des Tisches gelegt, die jeder Spieler sehen und für die Bildung seines Blattes benutzen kann. Diese Karten bezeichnet man als Community Cards oder Gemeinschaftskarten.
Die Community Cards werden in drei Schritten ausgelegt:
1. ) der Flop = die ersten drei offenen Karten
2. ) der Turn = die vierte offene Karte
3. ) der River = die fünfte offene Karte
Aus den zwei Hole Cards und den fünf Community Cards bildet jeder Spieler sein best möglichstes 5-Karten-Blatt und der Spieler mit dem höchsten Blatt gewinnt.
 
 
 
Hierzu ein paar Beispiele:
014
015
Immer wenn Karten ausgeteilt wurden, gibt es eine Bietrunde, in der die Spieler Geld einsetzen und somit weiter spielen oder aus der Runde aussteigen können. Am Ende gewinnt der Spieler mit dem höchsten Blatt oder derjenige, der als letzter in einer Bietrunde im Spiel bleibt (weil alle anderen ausgestiegen sind).
 
Soweit die grobe Theorie. Jetzt zu den einzelnen Abläufen etwas genauer:

Der Spielablauf

Das Spiel beginnt damit, dass der sog. Dealer (=Kartengeber) die Karten austeilt. In Online Pokerräumen und in Casinos macht das natürlich kein Spieler, sondern der Computer bzw. ein Casino-Angestellter. Damit nicht ständig dieselbe Person als erstes an der Reihe ist, wird der sogenannte Dealer-Button mit jeder Runde weiter gereicht. Ein „D“-Symbol bzw. ein großer „Dealer“-Chip zeigt dann immer diese Dealer-Position an, weshalb diese Position auch als Button bezeichnet wird. Wenn ein Spieler also „On the Button“sitzt, heißt das, dass er der Dealer bzw. Geber ist und die Person nach ihm als erstes rauskommt.
 
Bevor die Karten ausgeteilt werden, müssen die sog. Blinds (Blindgebote) gesetzt werden: Die Person links neben dem Dealer setzt die Hälfte des Mindesteinsatzes, den sog. Small Blind (SB). Die Person daneben setzt den Mindesteinsatz des Tisches, den sog. Big Blind (BB). In Online Pokerräumen und auch in Casinos sind immer Angaben zu den Mindesteinsätzen gemacht:
- bei No-Limit bedeutet „Texas Hold’em No-Limit $2/4“, dass der Small Blind $2 und der Big Blind $4 beträgt. Mindestgebot ist in jeder Bietrunde $4.
- bei Limit bedeutet „Texas Hold’em Limit $2/4“allerdings, dass das Mindestgebot (Small Bet) in den ersten beiden Bietrunden $2 ist, in den letzten beiden $4. Der Small Blind ist demnach $1 (immer die Hälfte des Mindesteinsatzes) und der Big Blind $2...
Dieser Unterschied ist im Moment nicht so 100%ig wichtig, er verändert das Spiel zu Anfang auch nicht wirklich. Man sollte es nur schon mal gelesen haben und vielleicht später noch einmal nachschlagen, wenn das Thema von Bedeutung wird.
 
Allgemein sollen die Blinds Null-Runden vermeiden, also wenn niemand Geld setzt. Später werden die Blinds (z.B. wenn sie in einem Turnier stetig steigen) für taktische Überlegungen wichtiger.
 
Nach dem Einsatz der Blinds schaut sich jeder Spieler seine 2 Hole (oder Pocket) Cards an und entscheidet, ob er mit diesen Karten spielen möchte oder nicht. Wenn er spielen möchte, dann nimmt er an der ersten Bietrunde teil, sonst steigt er aus.

Die Bietrunden

Nachdem ja zu Anfang zwei Spieler Geld in die Mitte des Tisches geschoben haben (SB und BB), beginnt nun die 1. Bietrunde mit dem Spieler links neben dem BB. Im Uhrzeigersinn kann jeder Spieler Geld setzen, wenn er mitspielen möchte oder aussteigen wenn er nicht spielen möchte.
 
Hierzu gibt es 4 verschiedene Möglichkeiten:
1. ) Fold bzw. Pass (Aussteigen) = Die Karten sind zu schlecht und man möchte in der Runde nicht mitgehen. Man steigt aus (aber nur aus der Runde).
2. ) Call (Mitgehen) = Man möchte spielen und geht den aktuellen Mindesteinsatz mit. Das heißt, wenn z.B. $4 gefordert sind, legt man auch $4 in die Mitte.
3. ) Raise (Erhöhen) = Man möchte mitspielen und gleichzeitig den Mindesteinsatz erhöhen (z.B. weil man eine „starke Hand“hat oder eine „starke Hand“signalisieren will). Man legt den Mindesteinsatz plus seine Erhöhung (um den BB oder ein vielfaches davon) in die Mitte. Alle nachfolgenden Spieler müssen ihre Einsätze dann dem erhöhten Mindesteinsatz entsprechend anpassen. Es darf in der Regel dreimal pro Einsatzrunde erhöht (geraist) werden.
4. ) Check (Schieben) = Wenn noch niemand vor einem einen Einsatz gemacht hat, kann man „checken“. Das bedeutet, dass man kein zusätzliches Geld setzt, aber im Spiel bleibt. In der ersten Bietrunde sind die Blinds aber bereits ein Einsatz, so dass dort ausschließlich der BB checken könnte, falls die anderen Spieler vor ihm nur callen und nicht raisen.
In einer Bietrunde kann man auch mehrmals an der Reihe sein, z.B. wenn man selber „gecallt“(also den Mindesteinsatz gezahlt) oder „geraist“hat und ein anderer Spieler danach hat das eigene Gebot erneut „geraist“. Dann muss man - sobald man an wieder der Reihe ist - erneut entscheiden, ob man den erhöhten Einsatz auch noch mitgeht, ihn sogar erneut erhöht oder doch lieber aussteigt.
 
Wie bereits erwähnt gibt es eine Bietrunde nach dem Verteilen der verdeckten Hole Cards, nach dem Verteilen des Flops, nach der Turn-Karte und nach der River-Karte. Insgesamt sind also bis zu 4 Bietrunden mit mehreren Durchläufen möglich. Auf die einzelnen Bietrunden werde ich im Kapitel „Lektion 10 - Bieten in den einzelnen Runden“ab S. 79 noch wesentlich genauer eingehen.

Der Showdown