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Inhalt

Vorwort Ralf Schumann

1 Einleitung

2 Der Nachwuchstrainer im Sportschießen

3 Kindersportbücher adäquat nutzen

4 Lehr-, Lern- und Erziehungsmethoden

4.1 Die methodischen Grundformen der Bildung

4.1.1 Die darbietende Methode

4.1.2 Die erarbeitende Methode

4.1.3 Die aufgebende Methode

4.1.4 Ideomotorisches Training

4.2 Die methodische Gestaltung der Erziehung

4.2.1 Methoden des Überzeugens

4.2.2 Methoden des Gewöhnens

4.2.3 Methoden des pädagogischen Stimulierens

5 Didaktisch-methodische Grundlagen

6 Üben und Trainieren lehren

7 Pädagogische Führung und Selbstständigkeit

7.1 Zur Effektivität des Lernprozesses

7.2 Psychische Regulation der Lerntätigkeit

8 Förderung der Zielbildung

8.1 Besonderheiten im Nachwuchstraining

8.2 Lern- und Trainingsziele

8.3 Zielbildung als Orientierungsgrundlage

9 Förderung der Motivation

9.1 Wie lässt sich Motivation fördern?

9.2 Was passiert im Kopf des Sportschützen?

9.3 Motivationsfördernde Rahmenbedingungen

9.4 Besonderheiten im Kinderbereich

9.5 Weitere Aspekte der Motivation

9.6 Positive Verstärkung

10 Förderung der Selbstkontrolle und der Selbstbewertung

10.1 Kontrolle und Selbstkontrolle im Training

10.2 Kriterien der Kontrolle und Selbstkontrolle

Anhang

Der Kinderfreundlichkeits-Pass

Gemeinsam gegen Doping

Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Sportler

Fragebogen zum Trainer

Leistungs- und Trainingsübersicht

Stärken-Schwächen-Analyse

Testbogen zur Lerntypanalyse

Wettkampfprotokoll – Luftgewehr (Anfänger)

Wettkampfprotokoll – Luftgewehr (Fortgeschrittene)

Wettkampfprotokoll – Luftpistole (Anfänger)

Wettkampfprotokoll – Luftpistole (Fortgeschrittene)

Literatur

Bildnachweis

Sportschießen

Modernes Nachwuchstraining

Berndt Barth & Beate Dreilich

Meyer & Meyer Verlag

Reihe: „Modernes Nachwuchstraining“

Herausgeberin: Katrin Barth

Sportschießen – Modernes Nachwuchstraining

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Details sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie das Recht der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form – durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren – ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, gespeichert, vervielfältigt oder verbreitet werden.

© 2011 by Meyer & Meyer Verlag, Aachen

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Member of the World

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eISBN: 9783840330315

E-Mail: verlag@m-m-sports.com

www.dersportverlag.de

Vorwort

Lieber Leser, liebe Leserin,

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mit den zwei vorangegangenen Büchern „Ich lerne Sportschießen“ und „Ich trainiere Sportschießen“ als auch mit diesem weiterführenden Buch „Sportschießen – Modernes Nachwuchstraining“, möchten die Autoren Beate Dreilich und Berndt Barth Anregungen geben und das Denken über den Schießsport positiv beeinflussen. Sie möchten neben dem rein sportlichen Aspekt im Umgang mit „Schusswaffen“ als Sportgerät besonders auch den Bildungs- und Erziehungsprozess, den Kinder und Jugendliche beim Erlernen und Perfektionieren ihrer Sportart durchlaufen, in den Vordergrund stellen.

Das Training im Sportschießen fördert viele gute Eigenschaften, die auch im Alltag von Nutzen sind. Konzentration, Ruhe, Geduld, Selbstkontrolle, Korrekturfähigkeit, Verantwortung (vor allem im Umgang mit Waffen) und Vertrauenswürdigkeit sind einige der Schlüsselqualifikationen, die dabei erworben werden.

Das bisher Erlernte hat Ihren Schützlingen im Training oder Wettkampf aufgezeigt, wo deren Schwächen und Stärken liegen. Nur ein qualitativ hochwertiges Training wird Sie und Ihre jungen Sportler Schritt für Schritt zum Erfolg führen. Dabei ist es unerlässlich, dass Sie mit sich als Trainer selbstkritisch und ehrlich umgehen lernen und ihr methodisches Vorgehen immer wieder reflektieren. Sie können mithilfe dieser Buchreihe gezielt und altersgerecht den gewünschten Weiterentwicklungsprozess von Kindern und Jugendlichen unterstützen.

Die bekannten Lehr- und Handbücher für den Schießsporttrainer beschränken sich zumeist auf die möglichst detaillierte Beschreibung der technischen und taktischen Elemente des Sportschießens, oder sie legen das Augenmerk auf die athletischen Grundlagen und die entsprechenden Trainingsformen und -methoden. Hier steht jedoch mehr das Handeln des Trainers im Mittelpunkt. Das Buch gibt Hilfestellung bei der Hinführung zu einem Lernen, das von den Kindern und Jugendlichen selbstgesteuert, eigenmotiviert und damit nachhaltig weiterentwickelt wird. „Man kann einen Menschen nicht trainieren, man kann ihm nur helfen, es selbst zu tun.“ Dieser Leitspruch aus dem Buch könnte das Motto sein, unter dem diese Traineranleitung steht.

Die Disziplinvielfalt im Sportschießen erfordert eine spezialisierte Talententwicklung und Talentförderung. Dieses Buch bietet ein reichhaltiges Angebot an zielorientierten und modernen (Trainings-)Methoden für die Erweiterung der bekannten Trainingsinhalte. Hier werden dem Leser interessante Tipps und Anregungen gegeben, WIE ein Training zu gestalten ist, um das aktuelle Trainingsniveau noch weiter zu steigern und die Zielgruppe dann auch in den Wettkämpfen erfolgreich sein lässt.

Die beiden Bücher „Ich lerne Sportschießen“ und „Ich trainiere Sportschießen“ geben zusätzliche nützliche Hinweise zur athletischen Ausbildung, zur Verbesserung der Kondition, Koordination, Kraft und Handruhe. Sie enthalten historische Hintergrundinformationen, für Kinder und Jugendliche aufbereitetes trainingsmethodisches Basiswissen, Ernährungstipps und Anregungen zur Führung von Ergebnisdiagrammen. Für die Eltern der jungen Sportschützen sind sie eine prima Verständigungsbasis mit ihren Kindern.

Die vom Deutschen Schützenbund entwickelten Technikleitbilder bieten eine gute Grundlage und Anleitung (in optischer Form), technische Bewegungsabläufe verständlich zu machen. Die langjährige Zusammenarbeit von Trainern, Wissenschaftlern und die Erfahrungen von Spitzenschützen zeigen, dass die in diesem Buch vorgestellten Methoden auch zum Erfolg führen. Es fügt sich harmonisch in die vielfältigen Ausbildungsmaterialien des DSB ein. Besonders für die Lizenzausbildung der Nachwuchstrainer wird es zu einer wichtigen Ergänzungsliteratur.

Ich danke den Verfassern und Herausgebern dieser Buchreihe für eine altersgerechte, freudbetonte und qualitativ hochwertige Anleitung, zum einen, um das Sportschießen zu erlernen und weiterführend zu trainieren und zum anderen, um den Trainer bei seinem pädagogischen Auftrag mit wertvollen Hilfestellungen zu unterstützen.

Ihnen, liebe Leser, wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Umsetzen der Anregungen.

Vor allem wünsche ich allen beteiligten Personen dieser Buchreihe und allen Lesern Gottes reichen Segen.

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Ralf Schumann

1 Einleitung

Es gab mehrere Gründe, dieses kleine Buch zu schreiben. Die wichtigsten Impulse werden vorangestellt.

Image Missing Erstens

Während unserer eigenen sportlichen Entwicklung haben wir viele Anweisungen so ausgeführt, wie der Trainer es uns gesagt hat. Aber oft wussten wir nicht, warum wir das so machen sollten. Anfangs – besonders, wenn uns etwas keine Freude bereitet hat, wollten wir immer wissen, warum eine bestimmte Übung ausgeführt werden sollte, vor allem, wenn sie abwich vom eigentlichen Sportschießen. Warum sollten wir zum Beispiel Krafttraining absolvieren, obwohl wir doch zielen, schießen und treffen wollten? Die Verbindung zum Sportschießen und seinen spezifischen Kraftanforderungen war meist nicht erkennbar. Ebenso konnte die Frage nach dem Sinn und Zweck des Ausdauertrainings für Sportschützen nicht umfassend beantwortet werden. Erst als auf Grund von Erkenntnissen aus der Trainingswissenschaft der Trainingsumfang ab Mitte der 70er des 20. Jahrhunderts drastisch erhöht wurde, erhielt das Kraft-, Schnelligkeits- und Ausdauertraining eine neue Bedeutung.

Wenn wir heute, nach eigener Erfahrung, Sportstudium, Trainertätigkeit, umfangreicherem Einblick in die Trainingswissenschaft und intensiver Beschäftigung mit der Tätigkeitstheorie der pädagogischen Psychologie, noch einmal anfangen könnten zu trainieren, würden wir selbst vieles anders machen. Und vor allem würden wir früher wissen wollen, wie effektiv und erfolgreich trainiert werden kann. Das war ein wichtiger Grund, warum wir das Training im Sportschießen in seinen methodischen Wirkungen auf das Lehrverhalten für Trainer der heutigen Zeit aufbereitet haben.

Leider zeigen Untersuchungen, dass nur bei einem Viertel der Trainingseinheiten im Nachwuchsbereich die Trainer das Ziel des Trainings bestimmt hatten und die Sportler dann auch zu diesem Ziel führten. In mehr als der Hälfte der Trainingsstunden wurde nur das Thema des Trainings bekannt gegeben, nicht jedoch das Trainingsziel aufgezeigt, und bei einem Drittel davon wurde nicht einmal das Thema klar formuliert. Was davon bei den Kindern und Jugendlichen ankam, wissen wir nicht.

Den Kindern wird immer wieder gesagt, dass und was sie trainieren müssen, aber sehr viel seltener, wie sie trainieren sollen. Das überrascht insofern, als es als Binsenweisheit gilt, dass das „Talent“, was es auch immer sein mag, nicht ausreicht, um im Sport gut voranzukommen. Ein Talent will richtig angesprochen werden, damit es sich im und durch Training entwickelt. Das bedeutet, dass neben der dauerhaften Lust zum Training auch kindgemäß trainiert werden sollte.

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Der „geborene Trainierer“ existiert nicht. Trainieren will gelernt sein.

Was nützen alle Bestätigungen, sie oder er seien ein großes Talent, wenn diese Talente dann wenig oder falsch trainieren und die Lust verlieren, wenn es anstrengend wird. Wir wollen mit diesem und den zwei Büchern zum Sportschießen für Kinder und Jugendliche aufzeigen, wie mit unserem Nachwuchs trainiert werden sollte, denn mit einfachem „Drauflosschießen“ würden unsere Bestrebungen nach Anleitungen für ein leistungsorientiertes und wissenschaftlich durchdachtes Nachwuchstraining im Sportschießen sicherlich nur halb so Erfolg versprechend sein.

Wir möchten, dass die jungen Sportschützen genauer darüber Bescheid wissen, was sie tun und was damit beabsichtigt wird, weil sie dann dauerhafter motiviert sind. Und der Trainer wird, wenn er es erklären soll, indirekt veranlasst, sich mehr Gedanken zu machen. Es fällt vor allem älteren oder unerfahrenen Trainern oftmals schwer, jungen Sportschützen Handlungswissen „in ihrer Sprache“, eben altersgerecht und verständlich, zu erklären.

Image Missing Zweitens

Die Zeit, in der Kinder trainieren wollen und können, ist nicht unbegrenzt. Schulische Anforderungen, wie Ganztagsschule, begrenztes, qualifiziertes Betreuungspersonal, lange Anfahrtswege und vieles andere, schränken die Gelegenheit für das aktive Sporttreiben ein. Sportschießen ist auch Reisesport, vor allem wegen der notwendig gut und sicher ausgestatteten Schießsportanlagen, die häufig nur mit dem Auto zu erreichen sind und auch wegen der (Kader-)Lehrgangstermine und der so wichtigen Wettkämpfe. Zudem bedeutet Nachwuchstraining in der Regel Gruppentraining, bei dem der Trainer nicht alles pädagogisch und trainingswissenschaftlich Notwendige lang und breit erklären kann. Er benötigt auch die Selbststeuerung durch den Sportler, vor allem auch bei der Einhaltung der Sicherheitsstandards. Es ist also zwingend, dass wir die Zeit, die zur Verfügung steht, effektiv nutzen.

Wir möchten mit diesem Buch erreichen, dass die Zeit für das aktive Üben und Trainieren auf Kosten des Erklärens und Korrigierens vergrößert wird, ohne auf das erforderliche Wissen verzichten zu müssen.

Image Missing Drittens

Das Erlernen des Sportschießens und das Trainieren bedeuten nicht nur „Zielen und Abziehen“, sondern es ist auch ein pädagogischer Prozess. Wir möchten, dass nach Wegen gesucht wird, um die dem Schießsport innewohnenden Erziehungspotenziale besser auszuschöpfen und die Entwicklung jedes der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen intensiv und individuell zu fördern.

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Man kann einen Menschen nicht trainieren, man kann ihm nur helfen, es selbst zu tun.

Und das ist das Ergebnis eines längerfristigen, umfassenden Bildungsprozesses, bei dem man „…Zeit zu verlieren verstehen muss, um Zeit zu gewinnen“, wie es Jean-Jacques Rousseau sah.

Dieses Buch stellt einen Versuch dar, den Trainern von Kindern und Jugendlichen Anregungen zu geben, wie sie die neuen, speziell dafür geschriebenen Lern- und Trainingsbücher „Ich lerne Sportschießen“, „Ich trainiere Sportschießen“1 in ihre Arbeit einbeziehen können und den Kindern und Jugendlichen helfen, Üben und Trainieren zu lernen.

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Der Grundgedanke besteht darin, dass Lernen und Trainieren im Sportschießen zielgerichtete und aktive Auseinandersetzungen mit der Sportart und sich selbst sind.

Das Buch will nicht belehren. Wir hoffen aber, Anregungen zu geben, um vielleicht das eine oder andere auszuprobieren. Dieses Buch kann vom Übungsleiter oder Trainer als direkte Arbeitshilfe verwendet werden, um vor allem die Bücher aus der Kindersportbuchreihe „Ich lerne Sportschießen“ und „Ich trainiere Sportschießen“ effektiv für die eigene Arbeit zu nutzen. Es kann auch unabhängig davon die Übungsleiter-, Lehrer- und Traineraus- und -weiterbildung ergänzen und bereichern.

Wir verzichten in diesem Buch bewusst auf abstrakte Theorie und auf eine umfassende Darstellung detaillierter Sachverhalte. Dafür gibt es ausreichend Literatur, die das speziell beabsichtigt. Wir begrenzen uns darauf, die Absichten zu erklären, die mit den Sportbüchern, die direkt für Kinder und Jugendliche geschrieben sind, bezweckt sind und Handlungsempfehlungen zu geben, wie mit ihnen umzugehen ist.

Dabei versuchen wir natürlich, die theoretischen Aussagen auf die Trainertätigkeit zu transformieren.

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Lern- und Trainingsresultate kommen nicht dadurch zustande, dass auf den Lernenden „eingewirkt“ wird, sondern mehr dadurch, dass sich der Lernende und Trainierende mit seiner Sportart und mit sich selbst aktiv auseinandersetzt.

Dieses Buch ist weder „Wundertüte“ noch ein Rezeptbuch. Vieles wird bekannt sein, manches ist vielleicht auch nur anders formuliert. Fühlen Sie sich also bestätigt oder ermuntert. Wir freuen uns auch, wenn Sie etwas Neues für Ihre Tätigkeit als Trainer erfahren.

Für diese Art des Buches gibt es im Sportschießen kaum Vorbilder. Geben Sie uns also eine Rückmeldung, wenn Sie etwas vermissen und wenn Sie etwas anders sehen möchten. Wir sind für Anregungen jederzeit offen.

Ihre Hinweise senden Sie bitte an das Lektorat des Meyer & Meyer Verlags, Von-Coels-Straße 390 in D-52080 Aachen.

Berndt Barth und Beate Dreilich


1 Als Buch 1 soll im Folgenden das Kinderbuch „Ich lerne Sportschießen“ und als Buch 2 „Ich trainiere Sportschießen“ bezeichnet werden.

2 Der Nachwuchstrainer im Sportschießen

Nachwuchstraining ist auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen gerichtet. Bei den hohen Trainingsumfängen im Sportschießen ist eine Sensibilisierung der Nachwuchstrainer auf die Besonderheiten des zu formenden Menschen unabdingbar.

Dabei gelten als wichtige Grundsätze des Nachwuchstrainings:

Was sollte speziell im Sportschießen beachtet werden, wenn Kinder trainiert werden?

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Kinder lernen die Grundtechniken des Sportschießens vor allem durch gezieltes Schießtraining.

Die Volksweisheit, die sagt: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, basiert auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Es entscheidet sich vor allem in den ersten 15 Lebensjahren, welche Neuronen mit welchen verbunden sind. Bis etwa zu diesem Zeitpunkt entsteht der grundsätzliche Schaltplan der Nervenzellen. Dann ist die Gehirnreifung weitgehend abgeschlossen. Nahezu alle Bahnen, die der Mensch benötigt, sind zumindest grob vorgegeben. Danach werden die vorhandenen Verbindungen verstärkt, die trainiert werden. Die anderen verkümmern. Wenn keine Vorbahnungen gegeben sind, kann auch nicht verstärkt werden.

Doch diese Ansprüche können Sie, liebe Trainer, nicht allein realisieren. Dazu brauchen Sie Ihre jungen Sportschützen. Sie sind Ihre Partner – vorausgesetzt, sie werden in den Trainingsprozess aktiv einbezogen und erhalten genügend Handlungsfreiräume, in denen sie ihre Bedürfnisse befriedigen können. Kinder verfügen über viel Anpassungsfähigkeit und -bereitschaft. Der kindliche Drang nach Selbstständigkeit und Selbsterfahrung ist scheinbar unbegrenzt. Selbst gesteuertes Lernen ist eine notwendige Voraussetzung, um individuelle Kompetenzen entwickeln zu können.

Spätestens jetzt werden Sie fragen, wie Sie diese Möglichkeiten nutzen können.

Ganz einfach, betrachten Sie die Kinder und Jugendlichen nicht als „Empfänger“ Ihrer Anweisungen, sondern als „Partner“ im gemeinsamen Trainingsprozess. Sagen Sie ihnen, warum, wann, welche Übung für sie notwendig ist und welches Belastungsmaß bei welchen Anforderungen besonders günstig ist.

Und jetzt werden Sie fragen, ob das überhaupt möglich ist.

Natürlich nicht bis zur letzten Konsequenz. Die für das Nachwuchstraining vielfach geforderte altersgerechte oder altersabhängige Übungs-, Trainings- und Belastungsgestaltung berücksichtigt meist allgemeine biologische, psychologische und pädagogische Entwicklungsstufenmodelle. Sie bieten für den Trainingsprozess auf der Grundlage stark verallgemeinerter Durchschnittsangaben einen allgemeinen Orientierungsrahmen zur Abschätzung der Anforderungen entsprechend dem biologischen Entwicklungsstand und dem Trainingsalter der Kinder.

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Ganz unterschiedliche Voraussetzungen bringen die Kinder eines Jahrgangs mit.

Da gibt es Früh-, Normal- und Spätentwickler, Anfänger und Jugendliche, die schon längere Zeit trainieren. Allein das kalendarische Alter bietet keine ausreichende Orientierung. Das biologische Entwicklungsalter kann vom kalendarischen in dieser Alterskategorie 2-3 Jahre nach beiden Seiten abweichen. Das 12-jährige Kind kann also biologisch wie ein 10-jähriges Kind (Spätentwickler) oder wie ein 14-jähriges Kind (Frühentwickler) sein. Dem biologisch jüngeren Kind muss man Zeit zur Entwicklung lassen und das biologisch ältere Kind sollte man nicht überschätzen. Jedes Kind ist anders. Deshalb braucht es im Schießsport vor allem aufmerksame Trainer, die die Entwicklung ihrer Schützlinge genau beobachten.

(siehe dazu Kap. 7)