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DAS BUCH

Ich war schon immer ein unartiger Junge mit einem sehr schlechten Ruf.

Aber dann traf ich die süße, verletzliche, unschuldige Madison. Sie gibt mir das Gefühl, dass es noch Hoffnung für mich gibt. Dass ich ein guter Mensch sein kann. Ich brauche sie wie die Luft zum Atmen.

Es gibt nur ein Problem: Juliet. Sie ist eine Verführerin, die kein Nein akzeptieren wird. Wenn ich ihr widerstehe, wird sie unser schmutziges Geheimnis ausnutzen, um alles mit Madison kaputt zu machen. Ich will Madison nicht verlieren, aber kann ich mich wirklich ändern?

Es wird eine wahnsinnige Achterbahnfahrt. Bist du so weit?

DIE AUTORIN

Monica James lebt mit ihrer Familie und ihren Haustieren in Melbourne, Australien. Wenn sie nicht an ihren Romanen schreibt, dann leitet sie ihr eigenes Unternehmen. Sie liebt es authentische, herzergreifende und leidenschaftliche Geschichten zu erfinden, die ihre Leser begeistern. Ihre Romane waren in den USA, in Australien, Kanada und Großbritannien auf den Bestsellerlisten. ADDICTED TO SIN ist ihre erste Serie bei Heyne.

LIEFERBARE TITEL

Du gehörst mir …

MONICA JAMES

ADDICTED

TO SIN

… und ich gehöre dir

Aus dem Englischen

von Silvia Kinkel

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel

Wicked Dix bei Bookouture.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt

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Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss.

Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

Taschenbucherstausgabe 09/2017

Copyright © 2016 by Monica James

Copyright © 2017 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

unter Verwendung von shutterstock/Tonhom1009

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN 978-3-641-19632-5
V001

www.heyne.de

Mum und Dad … dank euch bin ich die, die ich bin.

Ich liebe euch.

Gegenwart …

»Wie konntest du?«, keucht das Mädchen, dessen Herz ich soeben in tausend Stücke gebrochen habe.

»Ich kann das erklären.« Das stimmt nicht. Nichts würde hinreichend rechtfertigen, warum ich hier bin.

»Nun?« Die einzelne Träne, die sich langsam den Weg über ihre blasse, zarte Wange sucht, betont, was für ein verdammter Mistkerl ich bin.

»Ich … ich …« Fuck! Was versuche ich eigentlich zu sagen? Wo soll ich anfangen? Wann genau war der Moment, als das hier alles den Bach hinunterging?

»Wie ich es mir dachte.« Sie macht auf dem Absatz kehrt und will in Richtung Tür eilen.

»Madison, warte! Lass mich bitte ausreden!«

»Wieso, Dixon? Um mir noch mehr von deinen Lügen anhören zu müssen?«

»Maddy, bitte«, flehe ich und umklammere verzweifelt ihren Arm.

»Nein!«, kreischt sie zurückweichend. Anscheinend stößt meine Berührung sie ab.

»Tu das nicht. Bitte tu das nicht.«

Meine Stimme verrät meine Angst. Das einzig Gute, Anständige in meinem Leben ist drauf und dran, durch diese Tür zu marschieren, und ich könnte es ihr nicht verübeln, wenn sie nie zurückkehrt. Deshalb werde ich, wenn es sein muss, vor ihr auf die Knie fallen und um Gnade winseln.

»Was soll ich nicht tun?«, schreit sie und streicht sich mit bebenden Fingern das lange Haar zurück.

Ich habe das verdient.

Ich bin ein Playboy.

Und ich bin ein Feigling.

Ich habe die Liebe dieses wunderschönen Engels nicht verdient. Aber ich wollte sie so sehr, dass ich dachte, scheiß auf die Konsequenzen. Aber jetzt habe ich alles vermasselt.

»Tut mir leid. Es ist nicht so, wie du denkst.« Ist es doch.

Ich habe mich in dieser Absteige mit ihrer Schwester verabredet – eine Schwester, die die personifizierte Sünde ist.

»Hoffentlich, denn dann müsste ich mir eingestehen, dass ich nicht weiß, wer du eigentlich bist.«

Noch nie haben mich Worte tiefer getroffen.

»Ich bin noch derselbe Mann wie heute Morgen. Derselbe Mann, der dich mehr liebt als sein Leben. Das hat sich nicht geändert. Das wird sich nie ändern«, beschwöre ich sie und gehe auf sie zu, weil ich sie einfach berühren muss. Aber sie weicht zurück, und aus ihren Augen spricht Abscheu.

»Dann verrate mir nur eins … was machst du hier?«

Ich könnte lügen, das mache ich ja schließlich die ganze Zeit. Aber wenn man nicht länger zwischen den Lügen und der Wahrheit unterscheiden kann, ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen.

Mein Schweigen zementiert meine Schuld.

»Sag mir, dass es nicht das ist, wofür ich es halte, und ich vergesse, dich je hier gesehen zu haben.«

In diesem Moment scheint alles widerzuhallen – die Uhr an der fleckigen Wand schlägt im selben Takt wie mein pochendes Herz, mein schweres Atmen ist synchron mit dem stürmischen Wind, der draußen tobt, aber vor allem stimmt die Sturzflut der Tränen, die Madisons Wangen hinunterläuft, mit meiner ertrinkenden Seele überein.

»Dixon?« Ihre Unterlippe zittert, während sie darauf wartet, dass ich diese Situation in Ordnung bringe.

Jede Faser meines Körpers sagt mir, ich solle lügen, aber ich kann nicht. Ich tue das einzige Anständige, das ich je in meinem Leben getan habe.

Ich sage gar nichts.

»Das dachte ich mir«, flüstert sie nach einem Moment des Schweigens mit gebrochener Stimme.

Als sie die Tür aufreißt, steht in ihren wunderschönen grünen Augen nichts als Trauer. »Leb wohl, Dr. Mathews. Danke, dass du der größte Fehler meines Lebens warst«, stößt sie schluchzend hervor.

Ich möchte so vieles sagen, tue es aber nicht. Ich stehe einfach nur wie betäubt da und sehe, wie mich das Beste verlässt, das es in meinem Leben gibt. Und zum ersten Mal tue ich das Richtige.

Ich lasse sie gehen.

ERSTER TEIL

Vorher …

1

Eier

Dixon

»Und dann hat er gesagt … sorry, ich brauche einen Moment«, schnieft Goldlöckchen und spreizt die zitternden Finger.

»Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie brauchen, Ms. Kibard.« Ich werde einfach weiter an der morbiden Zeichnung eines Teddybären feilen, aus dem mit einem Schrotgewehr die Füllung hinausgepustet wurde.

Nachdem sie sich wieder gefangen hat, fährt Ms. Kibard fort: »Und dann hat er gesagt, dass er mich verlässt, wenn ich noch einen einzigen Teddybären kaufe.« Sie umklammert ihren augenlosen, zotteligen, krank aussehenden Teddy, als sei er der Heiland persönlich. »Können Sie sich das vorstellen?«

Darauf kannst du deinen Arsch wetten. Aber ich nicke nur mit ungerührter Miene. Schließlich ist das mein Job.

»Es ist nicht meine Aufgabe, über jemanden zu urteilen, Ms. Kibard. Lassen Sie uns darüber sprechen, warum Teddybären … Sie so faszinieren.«

Ja, das ist genauso lächerlich, wie es klingt, aber es lässt mich zumindest mein eigenes Drama vergessen.

Zehn Tage sind es nun. Zehn ganze Tage, an denen ich die unschuldigste, ehrbarste Person belüge, die mir je begegnet ist. Zehn Tage, an denen ich mich mehr hasse, als ich es je für möglich gehalten habe.

Ich bin kein guter Mensch, das weiß ich. Bevor ich Madison Roberts kennenlernte, habe ich bezweifelt, überhaupt so etwas wie Moral und Ethik zu kennen oder eine Seele zu besitzen. Aber für eine Sekunde, den Bruchteil einer Sekunde hat sie mir das Gefühl gegeben, es gäbe für mich noch Hoffnung. Als könne ich doch ein guter Mensch sein.

Aber diese Hoffnung ging zum Teufel, als mich die Sünden meiner Vergangenheit zwangen, das Schoßhündchen zu spielen. Und jetzt sind mir die Hände gebunden. Gebunden durch Juliet Harte – den Antichristen auf Highheels.

Das ist mein Schicksal, weil ich ihrem sündigen Verhalten erlegen bin. Sich – mit Pocken übersät – Celine Dion als Endloswiederholung anzuhören wäre weniger schmerzhaft als das, was Juliet von mir verlangt. Mein Schwanz rollt sich zusammen und geht freiwillig auf Exerzitien, wenn ich nur daran denke, diese Hure jemals wieder anzufassen.

»Sehen Sie das auch so, Dr. Mathews?«

Mich auf die Katastrophe vor mir konzentrierend, überlege ich krampfhaft, was Ms. Kibard gerade gesagt hat.

»Blabla, Bär. Blabla Teddy. Blabla Daddy.«

Ich verdränge mein eigenes Elend für einen Moment und stütze das Kinn auf die Finger. »Ich würde gern über Ihren Teddybären sprechen.« Mein Blick fällt auf das teuflische Stoffknäuel, und ich hoffe, dass es funktioniert, denn ich habe nicht ein Wort mitbekommen von dem, was sie gesagt hat. »Von wem haben Sie diesen …« – Lumpen möchte ich sagen, entscheide mich aber für – »… diesen kleinen Kerl bekommen?«

Wir Menschen sind ungemein ausdrucksstarke Wesen, und die kleinste Veränderung der Miene enthüllt für gewöhnlich, was unter der Oberfläche lauert. Ms. Kibard bildet da keine Ausnahme.

Als Goldlöckchens Kinn zu zittern beginnt, kenne ich die Antwort bereits. »Mein Vater.« Sie presst den schmuddeligen Teddy fest an ihre Brust.

Woher ich wusste, wie die Antwort lautet? Nun, weil ich ein Mann bin.

Wir Männer sind Riesenarschlöcher. Wenn wir unsere Töchter nicht selbst verkorksen, dann erledigt das der Sohn eines anderen Mannes für uns.

Der Gedanke dreht mir den Magen um, denn wenn es stimmt, was Juliet sagt – dass sie von mir schwanger ist –, dann ist dieses Kind dazu verdammt, zu einem hinterhältigen Bastard oder einem Psychopathen heranzuwachsen, einem manipulativen, völlig bekloppten Mistkerl.

Die Tatsache, dass Juliet mit halb Manhattan geschlafen hat, gibt mir ein winziges bisschen Hoffnung, dass dieses Kind nicht von mir ist. Aber falls doch …

Mich schaudert’s.

Aber damit kann ich mich jetzt nicht beschäftigen. Ich kann mich nur auf ein Drama nach dem anderen konzentrieren. Und dass Goldlöckchen mir vorweint, ihr Vater habe diesen Teddy als Sündenbock benutzt, um sie unsittlich zu berühren, hat wahrlich keine Priorität.

Heute Abend bin ich zum Essen bei Sebastian und Rachel in ihrer Luxusvilla in Westchester County eingeladen. Als wir uns vor zehn Tagen kennenlernten, mochte ich die beiden sofort. Und unter normalen Umständen wäre ich begeistert, einen Abend mit Madisons Eltern zu verbringen. Aber die heutigen Umstände sind alles andere als normal.

Das schwere Handy in meiner Tasche verhöhnt mich, indem es mich daran erinnert, dass ich vor etwa zwanzig Minuten eine SMS von der Schlampe bekommen habe. Eine Nachricht, die jegliche Hoffnungen zerstörte, dass sie vielleicht doch nur Witze macht.

Sie lautete: Ich habe einen Juckreiz, den nur du lindern kannst. Genau dasselbe hat sie schon einmal gesagt.

Aber dieses Mal habe ich geantwortet: Dagegen kannst du dir eine Salbe besorgen.

Schluck das erst einmal, du arrogantes Miststück. Aber als sie nur Sekunden später zurückschrieb, machte sie klar, wer diese Freak-Show moderiert und das Sagen hat.

Die einzige Salbe, die ich will, ist die, die aus deinem Schwanz kommt.

Die Romantik ist eindeutig tot. Juliet Harte hat sie an jenem Tag umgebracht, als sie ihren boshaften Mund öffnete, und ich selig meinen Schwanz hineinschob.

Ich nehme die Brille ab und massiere mit zwei Fingern meinen Nasenrücken. Wie zur Hölle soll ich das machen? Auf der einen Seite wird die Frau neben mir sitzen, die ich verehre, während diejenige, die ich verachte, auf der anderen sitzt und zweifellos versuchen wird, mir unauffällig unter dem Tisch einen runterzuholen.

Ich bin angeschissen.

»Das ist in Ordnung, Tracey. Du weißt, dass es sich gut anfühlt.«

Verblüfft hebe ich den Kopf, weil sich das angehört hat, als sei soeben die besessene Regan MacNeil aus Der Exorzist in mein Büro gekrochen. Was sich vor mir abspielt, unterstreicht einfach nur, was für eine Woche ich hinter mir habe.

»Ms. Kibard?«, frage ich und lehne mich verwirrt nach hinten, da ich statt Goldlöckchen den augenlosen Teddybären sehe.

Der Bär tanzt vor Goldlöckchens Gesicht herum, artikuliert jedes Wort einzeln. »Tracey ist nicht hier. Du redest jetzt mit Johnny. Möchtest du ihre Muschi ficken?«

»Wie bitte?«, frage ich den … Teddybären entsetzt, obwohl das Ganze nicht der Komik entbehrt.

»Du hast mich gehört. Sie mag es hart.« Der Bär kreist mit den Hüften, für den Fall, dass ich die verstörende Mitteilung nicht kapiert habe.

Ich fahre mir mit der Hand durchs Gesicht.

Während Johnny, der Bär, Traceys Missbrauch in der Kindheit detailliert beschreibt, sinke ich immer tiefer in meinen Sessel. Aber immerhin höre ich zu und gebe mich interessiert, denn das hier wird das einzig Normale an meinem heutigen Tag sein.

»Du darfst sie anfassen. Sie will das.« Anscheinend kann dieser Bär nicht nur sprechen, sondern arbeitet auch als Zuhälter.

Gütiger Gott.

Frustriert lehne ich den Kopf nach hinten.

Womit habe ich das nur verdient? Nein, genauer lautet die Frage, dank wem habe ich das verdient. Und diese Person, diese Hure, hat mich in meinem eigenen Spiel geschlagen. Ein Spiel, von dem ich mir dummerweise eingebildet hatte, es zu beherrschen.

Aber jetzt wird mir klar, dass ich die ganze Zeit ihre Marionette gewesen bin. Ich habe ihr direkt in die Hände gearbeitet. Und jetzt, wo meine Eier in ihrer Gewalt sind, fürchte ich mich vor dem, was sie mit ihnen tun wird, wenn sie Aufschlag hat.

2

Sodbrennen

Dixon

Durch den Flur von Madisons Apartmentblock zu gehen verschafft mir normalerweise ein wohliges Kribbeln.

Aber heute Abend verursacht es mir Sodbrennen. Ich ziehe am Kragen meines weißen Hemds. Unsichtbare Hände scheinen mir die Luft abzuschnüren, je näher ich Maddys Wohnungstür komme.

Wie soll ich das schaffen? Maddy ins Gesicht zu lügen ist eine Sache, aber vor ihren Eltern zu lügen, wenn die Ursache der Lüge nur Zentimeter neben mir sitzt, ist eine andere Kiste. Meine Fassade bröckelt bereits, und ich weiß nicht, wie lange ich sie noch aufrechterhalten kann.

Ich reiße mich zusammen, atme tief durch und klopfe an ihre Tür. Sie öffnet nur eine Sekunde später, und sofort fühle ich mich wie ein noch größeres Arschloch.

»Dixon«, haucht sie und streicht sich eine seidige Haarlocke hinters Ohr. Ein rosiger Schimmer schießt ihr in die Wangen, und sie nagt nervös an ihrer verführerischen Unterlippe.

Falls ich je schon einmal etwas so Süßes gesehen habe, kann ich mich jedenfalls nicht daran erinnern.

Ich war von dem Moment an von Madison Roberts verzaubert, als ich sie zum ersten Mal sah, und ich schäme mich nicht zu sagen, dass es seither so geblieben ist. Ich habe sie gerettet, als so ein Neandertaler sie anmachte. Keine Ahnung, warum ich mich damals genötigt sah, mich einzumischen, aber ich bin froh, dass ich es getan habe.

Nach ein paar Fehlentscheidungen – wie zum Beispiel Juliet bei mehr als einer Gelegenheit zu vögeln – kam ich zur Vernunft und wusste, dass diese wunderbare, schöne Frau die Einzige ist, die ich will. Sogar wenn ich mich mit Juliet »getroffen« habe, war Madison stets in meinem Kopf. Ich wünschte nur, ich hätte früher auf so etwas wie gesunden Menschenverstand gehört.

Ich hätte mich sogar mit Freundschaft zufrieden gegeben, wenn das alles gewesen wäre, was sie für mich empfinden konnte.

Sobald ich sie besser kennenlernte, wusste ich jedoch, dass ich sie mehr brauche als die Luft zum Atmen. Und ich bin ein verdammt glücklicher Hurensohn, da sie genauso fühlt.

Ihre Stärken und Schwächen inspirieren mich dazu, ein besserer Mensch zu werden.

»Madison.« Während sie weiter an ihrer Unterlippe nagt, gehe ich auf sie zu und umfasse ihre schlanke Taille. »Du siehst umwerfend aus.«

Ihre Wangen werden noch eine Spur rosiger, ein Farbton, der dem ihres Sommerkleides ähnelt. »Danke.«

»Nein, ich danke …« – ich beuge mich vor und schnuppere an ihrer Wange – »… dir«, vollende ich den Satz dicht an ihrem Ohr. Ein leises Stöhnen entrinnt ihrer Kehle, und sofort wirft sich der Alphahund in mir stolz in die Brust. Wunderbar, dass sie mir nach allem, was sie durchgemacht hat, immer noch genügend traut, um diese Nähe zwischen uns zuzulassen.

Als ich über ihre Schulter schaue, sehe ich ihre Reisetasche unschuldig auf dem Boden stehen und runzle die Stirn. Normalerweise würde ich mich über diesen Anblick mehr freuen als ein naschhaftes Kind in der Konditorei, aber in Anbetracht der Umstände habe ich das wohl kaum verdient. Maddy spürt meine Irritation sofort.

»Ich dachte, ich könnte bei dir bleiben, weil du viel näher zu meinen Eltern wohnst. Aber das muss nicht sein. Bitte entschuldige, dass ich einfach davon ausgegangen bin«, fügt sie rasch hinzu und senkt den Blick.

»Hey«, murmele ich, hebe mit zwei Fingern ihr Kinn und versinke in diesen großen, smaragdgrünen Augen. »Entschuldige dich niemals dafür, dass du über Nacht bleiben willst. Du bist in meiner Wohnung immer willkommen. Und in meinem Bett.«

Meine Bemerkung ist so kühn, dass sie mühsam schluckt. »Es ist nur … ich wollte es nicht einfach voraussetzen. In letzter Zeit …« Sie beendet den Satz nicht.

»Was?«, dränge ich sie sanft.

»Du warst in letzter Zeit so abgelenkt. Ich habe dich diese Woche kaum zu Gesicht bekommen. Habe ich irgendetwas falsch gemacht?« Sie sieht mich bedauernd an, weil sie offenbar glaubt, zu viel gesagt zu haben, und ich bedaure, zu wenig gesagt zu haben.

Ich habe mich zwar mächtig angestrengt, mein schlechtes Gewissen zu verbergen, aber sie hat es gespürt, so wie ich es mir dachte.

»Nein, Maddy, nein. Du hast nichts falsch gemacht.« Ich umfasse ihre Wangen, suche ihren Blick. »Ich bin derjenige, der etwas falsch gemacht hat.« Sie schaut mich an, wartet auf eine Erklärung. Aber ich kann nicht.

»Bitte entschuldige, du hast völlig recht«, fahre ich schließlich fort. »Ich hatte nur so viel zu tun bei … der Arbeit.« Mein Zögern ist ihr nicht entgangen, aber sie bedrängt mich nicht.

»Okay. Solange du dir sicher bist.«

Ich streiche mit dem Daumen über ihre Unterlippe. »Ja, angelo, was dich betrifft, bin ich mir völlig sicher.« Ihr Lächeln erhellt sogar die düsterste Nacht.

Ich küsse sie auf die Stirn. »Komm schon, lass uns gehen.« Sie nickt.

Ich schnappe mir ihre Tasche und werfe sie über meine Schulter. »Jesus, was hast du denn eingepackt? Eine Leiche?«

Sie lacht. »Noch nicht.« Ich weiß, dass sie auf Juliet anspielt, und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Wenn mein Leben doch nur so einfach wäre.

Hand in Hand gehen wir zu meinem Wagen, während Madison mir erzählt, wie ihre Woche verlaufen ist. Ich bin ein fürchterlicher Freund, denn als ich bei einigen Themen nachhake, sagt sie, dass ich sie dasselbe schon vor einer Woche gefragt habe.

»Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?«, fragt sie mich, während wir an der Ampel warten.

»Ja, wieso?«

Statt einer Antwort streckt sie die Hand aus und beruhigt meine auf das Lenkrad trommelnden Finger.

Ich lächle sie an. »Es geht mir gut. War heute ein harter Tag. Ich habe meinen ersten Teddybären therapiert.«

»Wie bitte?« Sie weicht zurück und verzieht das Gesicht. Vermutlich habe ich als Zuschauer der Showeinlage mit dem Teddy genauso ausgesehen.

Ich grinse. Madison ist einfach anbetungswürdig. »Das willst du gar nicht wissen.«

Als sie mit ihrem Sicherheitsgurt herumspielt, frage ich mich, was sie so beschäftigt. Und schon bekomme ich die Antwort. »Ich hatte heute Therapie.«

»Oh?« Natürlich hatte sie das. Heute ist Dienstag. Reiß dich zusammen, du Idiot.

»Ja.« Sie lässt mich zappeln, wartet darauf, dass ich das Gespräch führe.

»Wie ist es gelaufen?« Wir haben die unausgesprochene Vereinbarung, nicht über ihre Sitzungen zu sprechen. Deshalb bin ich neugierig, warum sie es erwähnt hat.

»Dr. Canetti denkt, dass ich gute Fortschritte mache. Sie hat vorgeschlagen, dass ich meine Gefühle aufschreiben soll.«

»Das ist eine gute Idee«, antworte ich und fahre auf die Schnellstraße.

»Also habe ich es getan.«

»Und? Hat es geholfen?«

»Ja, ein bisschen. Ich will Beth damit konfrontieren. Ich meine Juliet.«

Dieser Name ist wie ein Tritt in meine Eier. »Womit genau konfrontieren?«

Sie rutscht auf ihrem Sitz hin und her, atmet stoßweise. »Damit, dass sie so … gemein zu mir war, als wir noch Kinder waren.«

Warum hat sie gezögert? Was wollte sie eigentlich sagen?

»Maddy …« Ich halte den Blick auf die Straße gerichtet. »Ich kenne Juliet nicht …« Lügen! Lügen! Lügen! »Aber nach allem, was ich weiß, wäre sie sogar zu ihrer eigenen Mutter gemein.«

»Ihre Mutter ist tot.«

»Exakt. Das ist vermutlich besser, als sich mit einem Satansbraten herumschlagen zu müssen.«

»Dixon!«, ermahnt sie mich. »Das ist abscheulich.« Ihr mühsam unterdrücktes Kichern verrät jedoch ihre Zustimmung.

»Kommst du damit klar, sie heute Abend zu sehen?«

Sie hebt die zarten Schultern. »Keine Ahnung. Sie macht mir nicht mehr so viel Angst. Mein Brud-, ihr Verlobter«, korrigiert sie rasch, »dagegen schon.«

Ich umklammere das Lenkrad so fest, dass meine Knöchel weiß hervortreten.

Zum Glück beehrt uns dieses zwielichtige Ungeziefer von einem Bruder heute nicht mit seiner Anwesenheit, denn dann hätte sich dieses Dinner in ein Grillfest verwandelt, auf dem ich seinen Arsch erst geröstet und dann in dünne Scheiben geschnitten hätte.

Nie zuvor habe ich gegenüber zwei Menschen solche Abneigung verspürt wie bei Juliet Harte und ihrem schwanzlutschenden Partner Dylan Roberts. Es heißt, Unheil zieht Unheil an. Nun, diese beiden Individuen sind die unheilvollsten Bastarde, die ich kenne.

»Du musst ihn niemals wiedersehen. Und falls doch, dann bin ich dein Bodyguard.«

Sie lächelt, und ich überschlage mich bei dem Anblick fast wie ein sabbernder, verliebter Trottel.

»Ich steh auf deinen Body, also abgemacht«, antwortet sie frech.

Mir wird schwindeliger als einem Schulmädchen auf einem One-Direction-Konzert. »Nun, in dem Fall gehört er dir, wann immer du willst.«

»Heute Nacht?«

Beinahe hätte ich einen Schwerlaster gestreift, der auf der anderen Fahrbahn unterwegs ist. Rasch lenke ich zurück auf meine Spur und schaue zu dem kichernden scharfen Weib auf dem Beifahrersitz. »Nächstes Mal warnst du mich bitte vor.«

»Wie möchtest du denn vorgewarnt werden?« Sie klimpert mit diesen unglaublich langen Wimpern. »Ich brauche ganz dringend ärztliche Hilfe, Dr. Mathews, die nur du geben kannst.«

Ich möchte diesen frechen Mund küssen, bevor ich sehe, wie er sich vor Lust öffnet, während ich sie lecke.

»Vorsicht, sonst wende ich sofort den Wagen und das Einzige, was mein Mund heute Abend schmecken wird … bist du.« Jetzt bleibt ihr das Kichern im Hals stecken.

Als sich ihre rosa Zunge zeigt, mit der sie die Unterlippe befeuchtet, unterdrücke ich ein Stöhnen. Der Anblick erinnert mich daran, dass ich wegen meiner Lüge jetzt wie ein Mönch lebe. Die paar Mal, die ich Madison im Laufe dieses Albtraums gesehen habe, war ich so von Schuldgefühlen geplagt, dass ich sie nicht anfassen konnte, ohne mir dafür am liebsten die Hände abzuhacken. Ich verdiene sie nicht, aber ich will sie – so sehr. Und danach zu urteilen, wie sie die Beine zusammenpresst und sich an den Sitz klammert, wage ich zu behaupten, dass sie mich auch will – sehr.

Plötzlich ist es in meinem BMW verdammt warm geworden, und ich konzentriere mich angestrengt auf die Straße vor mir, vor lauter Angst, was passieren wird, wenn ich sie anschaue und sie meinen Blick erwidert.

Zum Glück biege ich nur wenige Augenblicke später auf das eingezäunte Gelände des knapp dreizehn Hektar großen Grundstücks am Seeufer ein. Das dreigeschossige weiße Haus ist gelinde gesagt beeindruckend. Der Kies der langen Zufahrt knirscht unter meinen Reifen. Der weitläufige Rasen vor dem Haus ist saftig grün, und je näher wir dem gigantischen Anwesen kommen, desto besser verstehe ich, warum Juliet so ist, wie sie ist.

Ihr Leben lang besaß sie anscheinend alles, was man sich nur wünschen kann, und dieser Reichtum hat sie zu einem verwöhnten kleinen Balg gemacht. Und was passiert, wenn jemand alles hat? Er will immer noch mehr, denn mehr ist nie genug.

Madison ist das genaue Gegenteil.

Sie hat im Laufe ihres Lebens viel Elend durchgemacht, bevor Sebastian in ihre Welt trat. Sie und ihre Mom hatten es schwer. Sie weiß, wie es ist zu hungern. Und deshalb weiß sie jetzt ihr Glück zu schätzen, weil sie keine undankbare Teufelin ist. Sie hat eine Seele.

Ich parke den Wagen und gönne mir einen Moment, um diesen spektakulären Anblick zu genießen. »Was sagtest du noch, wie viele Schlafzimmer es hat?«

Madison schnallt den Sicherheitsgurt ab und schaut ebenfalls durch die Windschutzscheibe auf das Anwesen. »Sieben. Außerdem fünf Badezimmer, einen Salzwasser-Swimmingpool, ein Kino, ein hundertachtzig Quadratmeter großes Gästehaus und, für den Zeitvertreib, einen Tennisplatz samt Zuschauerrängen.«

»Kein Wunder, dass Sebastian so gut in Form ist«, sage ich. Madison verpasst mir einen freundschaftlichen Klaps auf den Arm.

Wir steigen aus, und als sie ihre zarte Hand in meine schiebt, bin ich der glücklichste Mann auf Erden. Die Marmortreppe ist makellos poliert, und der große Balkonerker beschirmt die breite Eingangstür. Madison bleibt gar keine Zeit, die Klingel zu betätigen, denn ihre Mutter reißt in dem Moment die Tür auf, als wir die letzte Stufe erreichen.

»Du hast es geschafft!«, ruft Rachel, kommt herausgestürmt und umarmt Madison.

»Mom!« Die Verlegenheit ist Madison deutlich anzuhören.

»Entschuldige, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich dich in letzter Zeit in einem Monat zweimal gesehen habe. Ich freue mich so.« Sie zwinkert mir über Madisons Schulter hinweg zu, und ich muss lächeln.

Schließlich löst sie sich von ihrer Tochter und strahlt mich an. »Wie schön, Sie wiederzusehen, Dixon. Danke, dass Sie die Einladung angenommen haben.«

»Ich danke Ihnen, Rachel.«

Sie beugt sich vor, um mir einen Luftkuss zu geben, aber meine Mutter würde sich im Grabe umdrehen, wenn ich ihr nicht auf beide Wangen einen Kuss hauchen würde. Ein zartes Rosa schießt ihr in die Wangen. Ein Rosa, dass mich an das ihrer Tochter erinnert …

»Aber bitte, kommt doch rein.« Rachel macht eine einladende Handbewegung.

Sie heißt uns in ihrem bemerkenswerten Zuhause willkommen, das der vermutlich schönste Wohnsitz ist, den ich je gesehen habe. Von dem großen, sich öffnenden Foyer gehen fünf Flure ab, die wer weiß wohin führen. Ich kann es kaum erwarten, das herauszufinden.

Wir folgen Rachel durch das extravagante Wohnzimmer und einen Flur entlang. »Kommt durch. Sebastian ist in der Küche und kocht.«

Ich ziehe die Brauen hoch, und Rachel lacht. »Er ist ein viel besserer Koch als ich. Glauben Sie mir, wenn ich am Herd stehen würde, gäbe es am Ende Tiefkühlpizza.«

Als wir die Küche betreten, schlägt mir der Geruch von frischer Tomatensauce, Oregano und geschmolzenem Mozzarella entgegen – drei meiner Lieblingsdüfte auf dieser Welt. Gerüche, die mich an meine Mutter erinnern.

»Sieh mal, wen ich vor der Haustür gefunden habe«, zieht Rachel ihren Mann auf, der sich mit einem breiten Lächeln vom Herd zu uns umdreht.

»Button! Du siehst wunderschön aus.« Er wischt die Hände an einem Küchentuch ab, bevor er Maddy fest in die Arme schließt.

»Danke. Was auch immer du da kochst, es duftet köstlich.« Sie steht auf ihren zarten Zehenspitzen und späht ihm über die Schulter.

»Da Dr. Mathews Italiener ist …« – sein Blick richtet sich auf mich –, »… wollte ich mich ein bisschen an der italienischen Küche versuchen.« Er streckt die Hand aus, und wir tauschen einen festen Händedruck.

Ein Mann mit einem festen Händedruck hat Eier in der Hose.

»Madison hat recht, es duftet köstlich. Aber bitte, nennen Sie mich Dixon.«

Sebastian nickt erfreut.

»Ich hoffe, Sie mögen Rotwein.« Ich überreiche ihm die sechshundert Dollar teure Flasche Cabernet Sauvignon.

Sebastian stößt einen leisen Pfiff aus und studiert das Etikett. »Sie haben einen guten Geschmack. Aber das wissen wir ja bereits.« Er wirft einen liebevollen Blick auf die strahlende Madison. »Der passt perfekt zum Abendessen. Liebes, würdest du die Flasche öffnen? Meine Tomatensauce verkocht mir sonst.«

Rachel nickt, und Sebastian tritt wieder an den Herd. »Und? War viel Verkehr?«, fragt er, während er uns den Rücken zuwendet und noch ein paar Blätter frisches Basilikum in die Sauce wirft.

»Ganz okay. Und da Dixon am Steuer saß, können wir froh sein, in einem Stück hier angekommen zu sein«, scherzt Maddy und grinst mich an, während sie über die Theke langt, um eine Tomatenscheibe zu stibitzen.

Gebannt sehe ich zu, wie sie sich die rote Frucht in den Mund schiebt und ein paar verirrte Tropfen von der Lippe leckt.

»Das glaube ich dir nicht. Ich wette, dass Dixon ein ausgezeichneter Autofahrer ist«, höre ich Rachel wie durch Watte im Hintergrund sagen. Ich reiße den Blick von Madison los, die sich unschuldig die Finger ableckt.

Mein Schwanz entscheidet sich in genau diesem Moment, aus dem Winterschlaf zu erwachen. Echt typisch.

»Nicht wahr, Dixon? Dixon?«

Dass mein Name wiederholt wird, ist ein sicheres Zeichen, dass ich etwas Wichtiges verpasst habe. Aber für mich ist in diesem Moment nur wichtig, dass Madison diese Vorstellung noch einmal gibt – aber dieses Mal würde ich gern die Tomate sein.

Madisons gerötete Wangen und das verschämte Lächeln machen mich jedoch darauf aufmerksam, dass von mir eine Antwort erwartet wird. Aber wie soll ich jetzt etwas sagen können? Diese Schönheit vor meinen Augen verschlägt mir die Sprache. Das lange, seidige Haar und die weichen, rosigen Lippen – ich kann nur daran denken, was diese Lippen alles tun könnten.

Und weil ich ein Masochist bin, wandere ich mit den Augen hinunter auf ihre umwerfenden Brüste, die sich bei jedem Atemzug heben. Erinnerungen daran, was ich mit diesen wunderbaren vollen Brüsten schon gemacht habe, lassen mich wünschen, jetzt nicht zusammen mit Madisons Eltern in einem Raum zu sein – ihren Eltern, die vermutlich nur Sekunden davon entfernt sind, mich rauszuwerfen, weil ich ihre Kleine gerade mit den Augen ausziehe.

»Völlig richtig, Rachel. Ihre Tochter ist in guten Händen.« Während ich antworte, weicht mein Blick nicht eine Sekunde von Maddy, und ich bin froh, wenigstens mit halbem Ohr zugehört zu haben.

Ihr rosiges Glühen verrät mir, dass sie genauso erregt ist wie ich.

»Daran hege ich keinen Zweifel«, sagt Rachel und stellt ein Glas Wein vor mir auf die Theke. Sie scheint nicht zu bemerken, dass ich in Erwägung ziehe, das Dinner zu überspringen und direkt zum Dessert überzugehen – dem Dessert zwischen Madisons Schenkeln.

»Ich freue mich so, dass wir alle zusammen sein können! Nur schade, dass Dylan arbeiten muss. Aber Juliet müsste jede Minute hier sein.«

Bei ihren Worten zieht sich mein Schwanz sofort zusammen wie eine verschrumpelte Pflaume. Juliet ist das Gegenteil von Viagra.

Madison scharrt unbehaglich mit der Schuhspitze über den Boden.

»Maddy, würdest du Dixon schon ins Esszimmer führen? Das Essen ist fast fertig«, sagt Sebastian über die Schulter hinweg, während Rachel damit beschäftigt ist, noch ein paar Dinge aus dem Schrank zu holen.

Madison nickt wortlos. Wie können ihre Eltern nur übersehen, dass sie sich sofort in sich zurückzieht?

Ich folge ihr in ein riesiges Esszimmer, von dem aus man einen Blick über den Pool hat. Sobald sie stehen bleibt, schließe ich sie in die Arme.

»Alles in Ordnung?«, frage ich und küsse sie zärtlich auf die Schläfe.

Sie dreht sich in meiner Umarmung um und antwortet: »Es geht mir gut. Ich wünschte nur, wir könnten zu Abend essen, ohne dass Dylan ein einziges Mal erwähnt wird.«

»Ich weiß, angelo.« Für einen Moment bleiben wir aneinandergeschmiegt stehen, brauchen beide diesen Trost.

In Gedanken versunken betrachte ich den Pool, als Maddy plötzlich flüstert: »Woran hast du gedacht? Vorhin in der Küche«, fügt sie rasch hinzu.

Statt einer Antwort erwidere ich: »Und woran hast du gedacht?«

Sie atmet schneller. »Ich … ich glaube, wir haben an das Gleiche gedacht«, haucht sie mit dieser zarten Stimme, deren Klang mir mittlerweile verrät, dass sich in ihrem Unterleib gerade ein Feuer ausbreitet.

»Ach ja? Und das wäre?« Ich spüre das Pochen des Herzens in ihrer Brust. Die Luft ist aufgeladen mit Elektrizität, und wir sind beide kurz vorm Explodieren.

Tapfer schaut sie zu mir hoch. »Dass wir dem Gästehaus einen Besuch abstatten sollten.«

Mein Schwanz salutiert und klatscht mit dem sich aufbäumenden Verlangen ab, flachgelegt zu werden.

»Du …« – ich tippe ihr an die Nasenspitze – »… kannst Gedanken lesen. Sollen wir uns rausschleichen, bevor die Vorspeise serviert wird?«

Sie kichert, wird aber sofort wieder ernst. »Nein. Aber vielleicht vor dem Dessert?«

Ich stöhne, als sie die Hand zwischen uns schiebt und über die Schwellung streicht, die in ihrer Gegenwart an der Tagesordnung ist.

»Das passt mir sehr gut, denn ich weiß schon, was ich nehme.«

Ihre Pupillen verdunkeln sich, und sie schluckt nervös. »Vielleicht …« Sie stöhnt, als ich mich vorbeuge und ihr Ohrläppchen in meinen hungrigen Mund sauge. »… sollten wir das ganze Essen überspringen?«, schlägt sie vor und spricht damit meine Gedanken aus.

»Ich würde mich nicht beschweren.«

Ihr leises Wimmern hüllt uns in eine Decke der Glückseligkeit, während ich mich ihren langen, gebogenen Hals hinabküsse. Meine Selbstbeherrschung schwindet, und ich muss meine ganze Stärke aufbringen, um sie nicht nach draußen zu ziehen und meine Worte in die Tat umzusetzen. Mein Schwanz ist hart wie Stahl, und wenn sie weiterhin diese unschuldigen Geräusche macht, werde ich damit den Hackbraten tranchieren können.

»Ah, Dixon«, schreit sie leise auf, als ich ihren pulsierenden Hals entlangknabbere. Aber ich kann einfach nicht aufhören.

Ich bin nur Momente davon entfernt, mit der Hand unter ihrem Rock erwischt zu werden, aber das ist nicht gerade der Eindruck, den ich bei ihren Eltern hinterlassen will. Ich brauche eine Unterbrechung oder zumindest eine eiskalte Dusche. Bedauerlicherweise bekomme ich eines davon. Die kalte Dusche wäre mir lieber gewesen.

»Ist das eine Privatparty? Oder kann man mitmachen?«