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Tino Rau

20 Jahre Chronik einer Jugend

Für Nicole

Tino Rau

20 Jahre Chronik einer Jugend

Impressum

© Tino Rau

ISBN 978-3-7345-9337-6 (Paperback)

ISBN 978-3-7345-9338-3 (Hardcover)

ISBN 978-3-7345-9339-0 (e-Book)

© 2017 Verlag: tredition GmbH, Hamburg

Inhalt

1. Vorspiel

2. Casanova und Casanovski

3. Ekstase

4. Tohuwabohu

5. Exodus

6. Alles auf Anfang

7. Die wilden Jahre in Bayern

8. Götterdämmerung in Chemnitz

9. Nachspiel

1.

Vorspiel

Warum schreibt man Sachen auf, welche man früher einmal erlebt hat? Denkt man die Erlebnisse seien so weltbewegend gewesen, um der Nachwelt erhalten zu bleiben? Wie kann man sich nur so wichtig nehmen! Millionen- wenn nicht milliardenfach passieren täglich gleiche oder ähnliche Dinge, jederzeit. Überall auf der Welt. Und wirklich wichtige und große Sachverhalte geschehen. Dagegen ist das folgende Werk doch banal und nicht so ernst zunehmen. Was also ist der Grund? Eine eindeutige Antwort kann dem geneigten Leser sicher nicht gegeben werden. Vielleicht ist es die Lust am Schreiben, oder das Gefühl dabei. Wenn man beim Tippen die ganzen Erlebnisse noch einmal an seinem geistigen Auge vorüber ziehen sieht, so ist das manchmal wie eine gute Behandlung beim Psychiater. Und schmunzelnd denkt man auch an die lustigen Vorkommnisse in seiner Jugend zurück. Also sicherlich von Beiden etwas. Das soll nicht bedeuten dass unser lieber Schreiberling einen an der Waffel hat. Na ja, halt auch nicht mehr als die meisten Leute auf der Welt. Jedenfalls hatte er sich zur Aufgabe gestellt seine Erlebnisse beginnend von 1980 bis 1999 auf Papier zu bringen. Subjektiv und so gut es ging. Die dazwischen wirklich wichtigen weltpolitischen Ereignisse, nämlich die friedliche Revolution in der DDR, der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, waren blanker Zufall. Man kann sich ja schließlich nicht aussuchen wo und wann man geboren wird! Viele heute lebenden Menschen haben diese Jahre noch in Erinnerung. Die meisten in guter, aber manche auch nicht. Vor allem die, welche nach der Wende ungewohnte Erfahrungen mit Existenzängsten, verbunden durch langjährige Arbeitslosigkeit, machen mussten. Eins war sicher, in der DDR brauchte niemand Ängste solcher Art zu haben. Das ist aber auch ziemlich das einzig Gute was übrig bleibt. Dafür war es sonst überall sehr öde und trostlos. Und die ewigen roten Parolen. Die stark beschränkte Reisefreiheit. Vor allen Richtung Westen. Und ja nichts Unerlaubtes sagen! Was nützt einen ein Leben ohne Angst, wenn sonst nichts passierte? Einfach traurig! Einige alte Genossen von der SED, werden dies sicherlich ganz anders sehen. Aber denen ist sowieso nicht zu helfen. Dem überwiegenden Teil der ehemaligen DDR Bürger geht es doch heute unbestreitbar viel besser als früher. Und die weinen dem alten System bekanntlich keine Träne nach. Dieses ist dann auch, zum Glück, schon lange im Mülleimer der Geschichte entsorgt worden. Man kann nur hoffen, dass sich solche Zeiten niemals wiederholen werden. Amen!

Es sollte jedoch kein rein politischer Rückblick werden. Also wurden diese Themen immer nur mal kurz gestreift. Eigentlich ging es mehr um Aktivitäten im Freizeitbereich, um Freundschaft und Liebe. Vor und nach der Wende. Da unser Akteur schon vor dem Ende der DDR diese verlassen konnte, hatte er noch Gelegenheit die "alte" BRD ungefiltert kennen lernen zu dürfen. Eins war klar, als er übersiedelte kam ihm der Westen doch mehr als Ausland vor, als ein Teil eines gemeinsamen Landes. Er musste sich aber schnell damit arrangieren, um zu überleben und sich eine neue Existenz aufzubauen. Sozusagen ein Sprung ins kalte Wasser. Ein großer Vorteil gegenüber vielen DDR Bürgern, die jahrelang brauchten um im neuen Leben anzukommen. Arbeiten wie im Osten und leben wie Westen, so ging das nun mal nicht. Aber genug. Das klingt ja schon fast so als wäre dieses ganze Werk ein ernstzunehmendes Traktat. Dem ist aber beileibe nicht so. Im Gegenteil. Deshalb wollen wir es jetzt auch mit dem ganzen "Vorspiel" belassen und wünschen dem geneigten Lesefreund viel Spaß bei der Lektüre!

Der Verfasser

2.

Casanova und Casanovski

Wie war das damals in der DDR? Wie war das damals, he? Auf diese Frage hat wohl jeder ehemalige DDR-Bürger seine eigene Antwort parat. Die folgende Erzählung stellt eine Variante dar, wie sie so oder so ähnlich sicher auch von einigen anderen erlebt wurde. Es ist die Geschichte einer Jugend. Und jede Jugend hat ihre speziellen Erlebnisse, an die man sich auch später noch gerne erinnert. Man stelle sich vor, man schreibt das Jahr 1980 und ist im Osten Deutschlands, im schönen Sachsen, genauer gesagt in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz).

Da gab es zwei junge Typen, der eine war Üppel und 18 und Gigo der andere 20.

Üppel war Malerlehrling im zweiten Lehrjahr. Gigo war frischgebackener Schreinergeselle.

Sie hatten die „Rotlichtbehandlungen“ in ihren noch jungen Leben bis jetzt gut überstanden und wollten vor allem ihr eigenes Ding machen, weit weg von Regeln und Zwängen. Und da bot sich in der DDR nicht ganz so viel an, außer man vergnügte sich so oft es geht mit jungen hübschen Mädchen und etwas Alkohol natürlich nur gepflegt!

Der geneigte Leser wird merken dass ihnen beides nicht immer gelang. Doch Versuch macht bekanntlich klug. Genug der Vorrede lasst es beginnen!

Am jenen Silvesterabend des Jahres 1979 saßen zwei Jünglinge in ihrer Bude und warteten sehnsüchtig auf ihre beiden Frauen Walli und Rikki. Was heißt hier ihre Bude, die Eltern von Gigo waren nicht zu Hause, folglich fand dort die Party statt. Durch die lange Wartezeit kamen sie auf die Idee sich über die Vorhaben für das Jahr 1980 auszutauschen. Bei weiterem Lesen kann man nun verfolgen, ob und was daraus wird.

Nachdem die beiden Damen eingetroffen waren, verbrachten die vier eine dufte Silvesternacht! Gegen Morgen zeichnete sich folgendes Bild ab: Üppel und Rikki liebten sich innigst auf einen der noch leerstehenden Betten. Indessen saß Gigo bei seiner dritten Flasche Sekt. Dadurch geriet Walli in Wut und brüllte dem WC eins. Um ihrem Vorhaben weiter gerecht zu werden, mussten die zwei Frauen leider aus ihren weiteren Lebensweg ausscheiden. Bis Mitte Januar lief alles „Stil 79“. Das erste Wochenende verbrachten unsere zwei im „I“. Das „I“ war etwas besser als eine Gartenkneipe, in der Innenstadt von Chemnitz, aber bei der Jugend ziemlich angesagt. Deshalb war es dort auch immer meistens ziemlich voll, und das Bier floss in Strömen.

Am folgenden Sonnabend war die Sache reif. Gigo setzte seine Frau Walli auf die Abschussrampe. Und rutsch! Indessen bekniete Üppel seine Rikki vorläufig des letzten Males bei sich auf dem Fußboden. Nach dieser obskuren Nummer war ebenfalls die Trennung perfekt. In der darauf folgenden Woche wurde „schwer“ gearbeitet. Am lang ersehnten Wochenende versumpfte Gigo im Irkutsk, einer nobleren Diskothek in der City. Aber schon gegen zwei Uhr stand er wieder vor dem Fenster seiner ehemaligen Frau, die ihn auch, ohne lange zu zögern, in ihr Gemach führte. Dieses Spiel wiederholte sich noch des Öfteren. Nach der Trennung von seiner Rikki geriet Üppel auf die schiefe Bahn, er wurde zum Alkoholiker. Dies bewies er das erste Mal an der Bar im Strickbau. Der Strickbau war der Speisesaal des VEB Strickmaschinenbau wo samstags wie auch in anderen Speisesälen der Stadt Jugendtanz bzw. Discos stattfanden. Beginn war meist gegen neunzehn Uhr und halb eins war spätestens Schluss! Man stelle sich das mal heute vor, unvorstellbar. Das Irkutsk war dagegen eine richtige Disco und hatte zu damaliger Zeit schon bis drei Uhr geöffnet. Eine Sensation, die aber nur bis Mitte der achtziger Jahre Bestand hatte, danach schlossen sich schon ein Uhr im Irkutsk die Türen. Somit war die sozialistische Ordnung wiederhergestellt. Halleluja. Doch zurück zu unseren Beiden.

Einige Tage später lernte Gigo auf Arbeit Gitta kennen. Obwohl sie 27 und verheiratet war geriet er in ihre Fänge. Kurze Zeit später war die „Verlobung“ perfekt. In den Stunden wo Üppel nüchtern war, verdingte er sich als Chauffeur. Er war nämlich stolzer Besitzer eines Mokicks der Marke Simsons S 50. Und dieses Teil mußte natürlich auch bewegt werden. So kam es das er auch eines Tages Walli nach Lengefeld befördern mußte. Ihre Mutter wohnte dort mit neuen Lebensgefährten. Wahrend ihr Vater mit den Kindern in Chemnitz lebte. Ein Durcheinander war das in der Familie! Auf der Rückfahrt gerieten sie in einen Schneesturm. Um Walli bei Laune zu halten erzählte Üppel ihr von der Verlobung Gigos. Kurzerhand entschloss sie sich Gigo ein Glückwunschtelegramm zu senden. Über diese Karte lachten unsere beiden Helden noch einige Wochen. Doch Gigo war eine Verlobung zu wenig. So heiratete er seine Gitta kurz entschlossen in Oederan bei einem Faschingsball. Dadurch begann der Konkurrenzkampf zwischen Gigo und Gittas erstgeheirateten Mann. Am selben Abend leerte Üppel Strickbaus Bierfässer.

Einige Tage später war Gigo das Glück beschieden mit seiner Gattin zu schlafen. Dieses Glück war Gigo noch des Öfteren hold, wie z.B. nach dem Polterabend eines Arbeitskollegen in Harthau. Das Alkoholikerdasein brachte Üppel einen leeren Geld- und einen vollen Hmmbeutel ein. So besann er sich auf sein Vorhaben. Am darauf folgenden Sonnabend schockte Üppel die Kellner des Strickbaus und sich selbst. Gegen zweiundzwanzig Uhr verließ er mit drei Frauen die heiligen Hallen in Richtung Irkutsk. Die drei Damen waren Walli, Franzi und Steffi. Da Üppel drei Frauen zur Auswahl hatte mußte er sich für eine entscheiden. Seine Wahl fiel auf Franzi. Grund Wallis Herz schlug noch immer für Gigo. Und Steffi wusste auch über Gigos Liebesleben Bescheid. Dieses spürte sie in der zweiten Januarwoche in seiner Bude. Dort hatte er die etwas ausgeflippte Lady gründlich eingeritten. Diese Frau fiel demzufolge ebenfalls aus. Außerdem war Franzi Üppels alte Schulliebe aus den Tagen in der Comeniusoberschule. Im zarten Alter von 14 waren sie fast ein Jahr lang zusammen gewesen. Sie trafen sich in jeder Pause zum Schock aller Lehrer, und waren es nur fünf Minuten. Sie waren in Parallelklassen, und nach der Schule gingen sie gemeinsam heim, nur um danach auch wieder zusammen zu sein. Durch das viele Aufeinanderhocken gingen sie sich schließlich so auf den Keks das die Beziehung beendet werden mußte noch bevor sie sexuell richtig vollzogen wurde. Außer Pettingversuchen war nicht viel passiert.

Doch diesmal sollte alles anders werden. Üppel wollte unbedingt ihre „Lustgrotte“ kennen lernen. In tiefer Nacht, nach der Heimkehr aus dem Irkutsk, knallte Üppel seine Franzi zum ersten Mal auf seinem Sofa. Das Sofa maß ein Meter mal fünfzig Zentimeter. Dementsprechend war das Lustgefühl nicht so himmelhochjauchzend. Das mußte später unbedingt unter besseren Voraussetzungen nachgeholt bzw. verbessert werden, dachte sich Üppel, als er Franzi noch nach Hause begleitete. Praktischerweise wohnte sie gleich in der Nähe. Man mußte nur einmal kurz eine große Wiese überqueren, und schon war man da. Und Gigo? Der Konkurrenzkampf zwischen ihm und Gittas Mann entwickelte sich langsam zu dessen Gunsten. Dieses bemerkte Gigo erstmals im Jugendtreff einen Jugendklub in der City. Er bekam an diesen Abend seine Frau nur zweimal zwischen die Finger, was ihn aber nicht sehr störte. Der Grund war: die alte Freundin Monika lief ihn über den Weg. Sie kannten sich ebenfalls, wie Üppel und Franzi, aus alten Schultagen. Das Üppel an diesen Abend mit von der Partie war, ist natürlich selbstverständlich. Er suchte vergeblich nach einer Frau. Als er keine fand ging er schleunigst zurück in den Strickbau wo seine Franzi schon sehnsüchtig auf ihn wartete. An diesen Abend entbrannte der Konkurrenzkampf zwischen Üppel und Franzis festen Freund Banane, den auch Üppel später verlieren sollte. In der kommenden Woche bekam Gigo Damenbesuch. Die Frau war Moni, die er auch am selben Abend in seiner Bude gepflegt vernaschte.

Ein paar Tage später saßen Üppel und Gigo im „I“ und lernten dort Rosi und „Tante Gitta“ kennen. Kurzerhand schleppte Gigo „Tante Gitta“ mit in seine Bude. Was war das eigentlich, seine Bude? Damit war eine gemütlich eingeräumte Bodenkammer gemeint, mit einem Sofa und einen großen Ohrensessel zum drehen. Der Clou waren die leeren Kabadosen auf einem kleinen Regal. In der Bodenkammer gab es natürlich kein WC, also mussten die Frauen die leeren Dosen benutzen. Unsere zwei konnten ja ins Freie gehen. Schlimm war nur, wenn Gigo mal wieder vergaß, die Dosen rechtzeitig zu leeren. Sehr unangenehm! Doch genug davon. Am nächsten Tag konnte Gigo jedenfalls sagen auf „Knochen“ gestoßen. Üppel hatte an diesen Abend einen Rückfall gehabt und sich dem Alkohol ergeben, und somit kein Glück bei Rosi. Währenddessen ist es Gigo gelungen in zwei Monaten gleich fünf verschiedene Frauen zu vernaschen! Was für eine übermenschliche Anstrengung, aber auch! Anfang März war nach dem Strickbau bei Üppel eine große Fete angesagt. In seinem Kinderzimmer versammelten sich fünfzehn Personen. Gegen zwei Uhr leerte sich die Bude bis auf zwei Pärchen. Das eine war Gigo und Moni, das andere Üppel und Monis „kleine“ Schwester. Diese war auch nicht zu verachten. Gegen vier Uhr brachen sie diese kleine Party ab, da vor Üppels Haus schon ein Taxi auf die beiden Damen wartete. Unsere zwei Helden mussten nämlich ihre Kräfte schonen, denn die nächste große Fete stand schon ins Haus. Ein paar Tage später war es soweit. Eine große Party war in Üppels Waschhaus angesagt. Der Anlass war die Geburt eines „Mannes“. Üppel feierte an diesem Tag seinen achtzehnten Geburtstag. Es war eine große Schar Gäste erschienen. Darunter Gigo mit seiner letzten Liebesbekanntschaft Moni, Judy die kleine Schwester von Gigo, Steffi, Lea und noch viele andere. Üppel versuchte sich an diesem Abend mit mehreren Frauen. Gegen dreiundzwanzig Uhr brach er seine Versuche ab, denn Franzi stand, mit einen großen Geschenk, vor ihm. Leicht zufrieden ergab er sich ihrer Reize. Franzi die am selben Tag Geburtstag hatte wie Üppel, verlies extra ihre eigene Feier um bei ihm sein zu können. Es war eine klasse Fete in der Üppel wieder voll in seinem Element war. Zwischen dem Auflegen der neuesten Klänge fand er auch noch Zeit sich hinreißend um seine Flamme zu kümmern. Soweit so gut.

Die nächsten Wochen verliefen ziemlich ruhig. Üppel bekniete Franzi hin und wieder, und Gigo setzte den Konkurrenzkampf um seine Gattin Gitta weiter fort. Nach längerem trübem Warten öffneten sich wieder die Tore des Strickbaus. An diesen Abend verliebten sich Katrin und Christina in unsere zwei Helden. Sie ergaben sich natürlich sofort ihrer Reize, und verließen gegen null Uhr den Ort des Geschehens, um sich zu viert bei Gigo den Rockpalast im Fernsehen anzuschauen. Die Schärfe der zwei Frauen zog sie jedoch bald vom Fernseher weg. Üppel und Marion liebten sich auf dem Sofa und probierten gerade eine neue Stellung aus. Indessen vertiefte sich Gigo in seine Lieblingsstellung. Obwohl der Anblick ihres Hinterns nicht gerade große Reize ausstrahlte, war es doch ein dufter Abgang. Marion war auch mit Üppel sehr zufrieden.

Nach diesen Abend lebten sie einige Zeit in Abstinenz. Anfang April wurden sie dann das erste Mal enttäuscht. Nachdem sie sich im Strickbau an zwei Frauen herangepirscht hatten und danach mit auf Gigos Bude nahmen, wurde es nicht mehr als ein Griff unter die Bluse. Nach diesem Fehlgriff hatte Gigo keinen Trieb mehr auf weiße Frauen zu steigen. Üppel trug es mit Fassung. Denn Gigo hatte großes vor. Und um dies deutlich zu machen lies er sich von seiner Frau Gitta „scheiden“. Der Stress und die Heimlichtuerei mit einer verheirateten Frau waren ihm einfach zu viel geworden. Solche Beziehungen hat man wenn man 30 oder 40 ist und nicht mit 20. Die letzten Tage des Aprils verbrachten sie im „I“. Üppel traf sich hin und wieder heimlich mit Franzi, um die Sache am Köcheln zu halten, und auch weil ehrliche Gefühle eine Rolle spielten. Das Problem war, Üppel konnte sich nie so recht zu etwas durchringen, was ihm im späteren Leben noch oft ans Knie laufen sollte. Doch daran dachte jetzt noch niemand. Es sollte endlich Frühling werden! Schließlich war es soweit. Der große Schnee war geschmolzen und die Wiesen langsam wieder liegefähig. Es war Mai geworden, die Bäume schlugen aus und unsere zwei Helden schlugen zu. Schon am dritten Tag dieses Monats belagerten sechs Personen Üppels Wohnung. Die Partyzeit war in vollem Gange. Immer wenn Üppels Eltern am Wochenende vereisten, wurden die Einladungen zu gepflegten Partys, mit ein wenig Musik und einigen Getränken an eine auserlesene Klientel verschickt. So auch dieses Mal. Da Gigo etwas ganz großes erreichen wollte lud er sich die 24 jährige Kubanerin Caridat ein und verliebte sich. Caridat war eine rassige dunkelhäutige Frau mit einer tollen Ausstrahlung. Am nächsten Morgen erwachte Gigo im Schlafzimmer von Üppels Eltern. In seinen Armen lag immer noch die braune Schönheit.

Da Gigos Vater etwas gegen diese Beziehung hatte, mußte er zwangsläufig das Liebesleben mit Caridat unterbrechen. Und Üppel? Seine Franzi war wieder mal verhindert und immer nur Alkohol ist auch ungesund. Also pirschte sich Üppel näher an Gigos kleine Schwester Judy heran, die sein Kumpel wieder Mal zu einer Fete mitbrachte. Einige Tage später lernte Gigo Kerstin kennen, mit der er ebenfalls großes vorhatte. Üppel wollte ihm nicht nachstehen und machte sich näher und näher an Judy heran. Praktisch war, dass beide Ladys zusammen einen Beruf lernten und so oft in Kontakt waren. Dieses stellte sich später aber als nachteilig heraus. Doch jetzt stand erst einmal das Pfingstreffen in der City kurz bevor. Das war zwar von der FDJ organisiert interessierte Üppel und Gigo aber wenig. Da waren Frauen aus der ganzen DDR in der Stadt! Jedoch am Freitag vor Pfingsten geschah erst einmal ungeheuerliches. Üppel hatte es doch tatsächlich geschafft sich einen neuen fahrbaren Untersatz zu besorgen! Und zwar eine MZ TS 250-1 mit unglaublichen 19 PS! Diese gab es ohne Vorbestellung zu kaufen, man mußte nur wissen wo. In diesem Fall wurde der heiße Ofen in Flöha gekauft und auf den Namen „Emma“ getauft. Das Problem war nur, dass sie erst nach Pfingsten zugelassen werden konnte. So stand das schöne Teil die ganzen Feiertage über rum und durfte nicht bewegt werden. Welch eine Schande! Zum Glück gab es ja noch andere Vorhaben.

Schon am ersten Tag schlugen sie ihren Sommersitz vor Üppels Haus auf und starteten noch am selben Abend eine Trinkerfete. Vor dem Kinderzimmerfenster, Üppel wohnte im Erdgeschoß, bauten sie ein kleines Zelt auf, welches mit Bier gefüllt wurde. In das Fenster stellte Üppel noch seine Lautsprecher und beschallte so das halbe Wohngebiet mit gepflegter Musik. So gemütlich eingerichtet konnte ja nun kommen was kommen wollte. Am darauf folgenden Tag ließen sie sich mit einer Tasche Bier auf einer großen Spielwiese im Stadtzentrum fallen. Als diese geleert war schleppten sich unsere zwei Helden gegenseitig nach Hause. Ein großer Schock traf sie, als sie sich Üppels Residenz näherten. Eine Herde fröhlicher Gäste (Batalionsstärke) belagerte den Eingang. Alle diese Leute hatten sie im Laufe des Tages selber eingeladen, aber leider jetzt total vergessen! Da sie sehr niedergeschlagen und betrunken waren, stiegen sie unauffällig von hinten in Üppels Wohnung ein, und schlichen sich still und leise ins Bett. Nach einiger Zeit verzogen sich auch die Massen vor der Tür endlich nach Hause, oder sonst wohin. Die restlichen Tage des Festivals waren doch eher enttäuschend. Zuviel „Rotlicht“ also nichts für unsere zwei. Bis auf einen Auftritt von Brigitte Stefan und Meridian, der recht toll war, hatten sie doch überzogene Erwartungen gehabt. Vor allem neue Frauen hatten sie nicht kennen gelernt.

Das Festival ging zu Ende und die Zeit des Strickbaus fing wieder an. Aber erst einmal konnte Üppel seine MZ anmelden und die ersten Testfahrten durchführen, welche zur vollsten Zufriedenheit ausfielen. Wie gesagt Ende Mai öffneten sich wieder die Pforten des Strickbaus und sie betraten das erste Mal in diesem Jahr die heiligen Hallen mit zwei Frauen. Es waren Kerstin und Judy. Da Gigo an diesen Abend nach Abwechslung suchte, griff er sich auch noch Simone, die ihm schon den ganzen Abend aufgefallen war. Aber sie mußte schon gegen dreiundzwanzig Uhr gehen. Zuvor machte er noch ein Rendezvous für Dienstag aus. Nachdem Simone verschwunden war, wollte sich Gigo wieder um Kerstin kümmern. Doch leider war sie auch schon weg (Pech). Glücklicherweise war noch ein Platz am Tresen frei. Üppel verbrachte unterdessen einen wilden Tanzabend mit Judy. Normalerweise lief ein Abend im Strickbau folgendermaßen ab: nach dem Betreten und Abgabe der Klamotten an der Garderobe ging man nach oben in den Saal. Dort lief man erst einmal eine Ehrenrunde, um sich alle Frauen flüchtig anzuschauen. Manchmal konnte man sich da schon eine ausgucken. Dann ließ man sich an der Bar nieder und reservierte sich bei der Bardame eine Flasche „Mokka Edel“. Gegen Ende jeder Jugendtanzveranstaltung waren hochprozentige Getränke stets ausverkauft, nur clevere, wie unsere zwei, hatten natürlich dann immer noch was. Dies kam bei den Frauen immer gut an. Außerdem konnte man das Bier bei solchen Veranstaltungen zur damaligen Zeiten einfach nicht trinken, nur in Notfällen. Ich sage nur „Braustolz Hell“, Braustolzbiere trinkst zwee pisst viere!

So war es normalerweise, nur diesmal nicht, was ihnen nicht gefiel. Und dann noch die Nacht… Üppel wurde von Judy ausersehen als Versuchskaninchen herzuhalten. In Gigos Bodenkammer wurde ein Verhütungstest mit Non-agel Zäpfchen durchgeführt. Diese Zäpfchen muß sich die Frau einführen und nach cirka zwanzig Minuten heißt es rauf auf die Mutti, denn nach weiteren vielleicht dreißig Minuten ist die Wirkung schon wieder vorbei. Das Zeug schäumt wie die Pest und wie es erst riecht! Zum Glück hatte Üppel eine Nasenklammer dabei, und konnte so die ganze Aktion einigermaßen routiniert über die Bühne bringen. Denn wie sagt der alte Spruch: übe Vorsicht auch beim Ficken, denn Non-agel hat seine Tücken!

Die im Mai begonnene Zeit der Feten, wollten sie natürlich auch im Juni fortsetzen. Damit die Sache die richtige Würze bekam verdrückten sich Gigos Eltern erst einmal für zwei Wochen an die Ostsee. Das bedeutete für unsere zwei sturmfreie Bude! Die Staubwolke des Trabbis hatte sich noch nicht richtig verzogen, als Kerstin mit ihrem Koffer schon vor der Tür stand. Obwohl Gigo diese Frau sehr recht kam, so mußte er doch erst noch an seine anderen Verpflichtungen denken. Denn es war Dienstag geworden und das Rendezvous mit Simone stand vor der Tür. Die Zeit war knapp, aber ein Glück das es Üppel gab, der noch dazu ein neues Motorrad hatte. Also auf zur Zentralhaltestelle, vor die Bezirksapotheke. Fast jeder Jugendliche kannte diese Stelle als Treffpunkt. So standen dort immer mehrere Frauen und Männer allein herum und warteten. Eine Warterei war das! Üppel fuhr auch deshalb mit um bei der Erkennung der Frau zu helfen. Denn Gigo wusste nur noch eins, klein, gepflegt und große Lück, und das war nicht viel! Der Platz an Strickbaus Tresen war zu gemütlich gewesen. Nach längeren Warten stieß Üppel Gigo an und zeigte auf eine Frau. Sie gingen eiskalt auf sie zu und hatten Glück, sie war es auch! Damit war Üppels Mission beendet und er stieg auf seine 19 PS und fuhr nach Hause. Indessen schleppte Gigo diese kleine Lück mit zu sich und bestieg 100 PS! Da sämtliche Uhren Gigos wieder einmal vorgingen, kam Simone schließlich gegen sechs Uhr zu Hause an.

Anfang Juni verlegten sie ihren Sommersitz hinter Gigos Haus. Also bauten sie dort ihr Zelt auf, bestückten es mit Bier und machten es sich auch sonst noch nett zu Recht. Da konnte ja die erste Party in der neuen Residenz starten! Gegen sechzehn Uhr kamen die ersten Gäste. Kerstin die sich langsam in Gigo verliebte, brachte ihren Bruder Jens mit. Dieser war für Judy eingeplant. Und Üppel kam mit einer Tasche Bier an. Die Party lief ganz gepflegt an. Die zwei Pärchen liebten sich zärtlich und Üppel spielte den Unschuldigen, und nippelte an seinem Bier. Keiner ahnte dass er einen großen Coup geplant hatte, denn gegen zweiundzwanzig Uhr klopfte Franzi ans Zelt. Da Jens und Judy Einsicht mit Üppel hatten, verließen sie das Zelt und strapazierten die Spannfedern auf dem Sofa von Gigos Eltern. Gigo und Kerstin entspannten sich inzwischen auf einer Bank im Grünen. So konnte Üppel loslegen. Als er mit Franzi im Zelt verschwunden war, erloschen kurz darauf die Lichter und die Erde fing an zu beben. Jetzt endlich konnte Üppel zeigen, dass er mehr draufhatte als auf dem Minisofa in seinem Kinderzimmer. Nachdem er sie bis zur Halskrause aufgeblasen hatte, und sie so nicht mehr in das Zelt passte, ging sie schweißgebadet nach Hause. Nach diesem Gewaltakt war Üppel wie neu geboren und hielt nach einer neuen Frau Ausschau. Als er bemerkte, dass Judy immer noch nicht ganz befriedigt war ging er mit ihr gegen zwei Uhr sanft schlafen. Diesmal ohne irgendwelche „Chemische Duftstoffe“ was der Sache auch ganz gut bekam. Gegen drei Uhr hörte Üppel einen ungewöhnlichen Schrei, Gigo hatte im Schlafzimmer seiner Eltern die Unschuld von Kerstin geraubt.

Am darauf folgenden Abend gingen sie frisch in den Strickbau. Gigo mit seiner frisch entjungferten Frau und Üppel mit Judy. Das sollte aber nicht so bleiben. Da Üppel noch immer im Konkurrenzkampf mit Banane stand, feierte er die nachstehende Whiskyfete mit Franzi. Judy wurde an diesem Abend zeitig ins Bett geschickt (kaputt gespielt). Kerstin lag auch schon im Bett. Nur Gigo nicht. Nach mehreren Anläufen verließ er schließlich gegen fünf Uhr Üppel und Franzi, die sich schon ungeduldig nach Liebe sehnten und rüttelte seine Kerstin wieder wach!

Am nächsten Tag war die Abschiedsparty angesagt. Nach einigen Stunden feucht fröhlichen Beisammenseins knöpfte sich Gigo wieder seine Frau Kerstin vor. Üppel dagegen warf seine „Salami“ wieder mal bei Judy in den Hausflur. Nach einem Interview stellte sich heraus das er trotzdem eine gepflegte Nacht verbrachte. Nun brauchte das Rückenmark unserer Zwei dringend Entspannung. Üppel bestieg seinen heißen Ofen und genoss vierzehn Tage lang das FKK Strandleben von Prerow. Der Zeltplatz in Prerow war zu DDR Zeiten bei FKK Anhängern absoluter Kult. Einen Zeltschein zu bekommen war schon mit gewissen Anstrengungen verbunden. Die Ostsee war Grenzgebiet und da durfte natürlich nicht jeder hin. Trotzdem hatte Üppel hier seit frühester Kindheit fast jeden Sommerurlaub mit seinen Eltern verbracht. Es war bald wie ein zweites zu Hause und so wurde dann auch dort immer schön gefeiert. Unterdessen zog sich Gigo an die stillen Gewässer des Werbellinsees zurück. Dort hatte sein Betrieb einige Wohnwagen stehen, die dann vermietet wurden. Nach einigen Tagen fühlte sich Üppel allein und erschien so bei Gigo am Werbellinsee. Dies war aber nicht der einzige Grund um bei Gigo vorbeizuschauen. In Chemnitz fand die mündliche Prüfung zum Malergesellen statt, also ging es einmal kurz Ostsee- Werbellinsee- Chemnitz und zurück. Außerdem mussten mit Gigo noch die Vorbereitungen für das zweite Halbjahr getroffen werden. Wollten sie es auf die Spitze treiben? Sie wollten.

Nach dem Abschluss eines Vertrages wurde eine zünftige Party gefeiert, bei Pilzgulasch und einen gepflegten Tropfen. Die Sache mit den Pilzen… Als Üppel bei Gigo erschien fand er diesen zunächst nicht vor. Erst etwas später betrat Gigo seinen Caravan mit einem Korb selbst gesuchter Pilze. Üppel etwas skeptisch, die sind doch giftig! Doch Gigo ließ sich nicht beirren, und so wurden die Pilze zubereitet. Nach dem Essen nervte Üppel Gigo ständig mit angeblichen Bauchschmerzen, schließlich wurde Gigo auch etwas nervös. Doch die Pilze waren gut, vielleicht war nur ein Bier schlecht.

Nun nahmen sie Abschied bis Anfang Juli. Gigo war eher in Chemnitz zurück und begab sich alleine in die Buma, auch ein Speisesaal eines Betriebes. Dort fand ebenfalls Jugendtanz statt. Hier lief ihn seine ehemalige Frau Ute über den Weg. Sie hatte indessen Mann und Kind, aber Gigo ließ das kalt und Ute auch. In seiner Bude rissen sie sich gegenseitig auf. Als er sich besann, hatte er mit Hilfe seines Dauerständers, Abrala genannt, fast die ganze Nacht mit ihr durchgevögelt. Am nächsten Tag erinnerte sich Gigo an den Vertrag vom Werbellinsee. Als erstes lies er Ute abflattern und besorgte zwei Karten für den Strickbau. Denn heute sollte Üppel aus dem Urlaub zurückkommen! Nach einem achtstündigen Ritt auf seinen 19 PS erschien er dann auch im Strickbau. Dort begossen sie ihr Wiedersehen mit reichlich Lunikoff Wodka, den Üppel aber lieber seinen wund geriebenen Hinterteil anbot. Sie beschlossen ihren Vertrag in Geist und Buchstaben zu erfüllen.

In der darauf folgenden Woche erhielt Üppel feierlich seinen Gesellenbrief. Nun konnten endlich die seit Monaten ständig vorhandenen Schulden an Gigo beglichen werden. Ein gutes Gefühl. Im zweiten Lehrjahr gab es nämlich nur hundertzwanzig Mark monatlich, auch damals schon recht wenig. Aber jetzt konnte richtig Geld verdient werden! Eine Woche später öffneten sich das letzte Mal die Tore des Strickbaus vor der großen Sommerpause. Durch den Vertrag vom Werbellinsee gebunden, musste Üppel sich aus dem Konkurrenzkampf um Franzi zurückziehen, das hieß Abschied von ihr nehmen. Nach zwei bis drei Trauerdrinks an der Bar lernte Üppel an diesen Abend Marion kennen. Gigo klebte immer noch an Kerstin. Der Abend verlief ungewöhnlich gesittet. Damit sie auch weiterhin geldmäßig immer flüssig bleiben, mussten unsere Beiden wieder auf Arbeit gehen. An den freien Wochenenden feierten sie gepflegte Partys vor ihren Sommersitz, die durch Kästen voller Bier noch verschönert wurden. Und die zwei Frauen Marion und Kerstin setzten noch den I-Punkt darauf. Was für eine Idylle!

Nun hieß es das zweite Mal Abschied nehmen, denn Gigo fuhr mit seinen Betrieb ins Ferienlager. Dort fungierte er als Betreuer für die lieben Kleinen. Üppel legte sich unterdessen eine Woche mit der Angina ins Bett, zuviel Zug auf dem Motorrad ist ihm nicht bekommen. In den vierzehn Tagen die Gigo in Gotthun verbrachte lernte er das Mecklenburger Girl Christine kennen. Mit ihrem mecklenburgischen Talent zog sie Gigo jeden Morgen gegen drei Uhr unter die Tischtennisplatte, aber nicht zum Tischtennisspielen! Dieses beobachtete Neptun, der Herrscher der sieben Meere, mit Sorge und taufte Gigo auf den Namen „Jusi Flachpenner“. Nach einer Woche wilden Flachpennens brach Gigo schließlich zusammen. Es folgte noch ein herzzerreißender Abschied mit Christine. Gigo versprach sie baldigst wieder unter der Tischtennisplatte besuchen zu kommen. Unterdessen befand sich Üppel auf „Einkaufstour“ in Ungarn. Er war mit seinen Eltern nochmals mitgefahren, um sich im Ungarn neu einkleiden zu können. Denn laut Werbelliner Vertrag, war auf gepflegtes Äußeres großer Wert zu legen! Die Klamotten aus Ungarn waren damals modisch topp, hielten aber nicht so lange. Das war unseren Zweien aber egal. Und außerdem gab es da noch geile Schallplatten zu kaufen, von denen man in der DDR nur träumen konnte. Da konnte Üppel als alter Musikfreak natürlich nicht widerstehen. Nach sieben Tagen Einkaufsstress kehrte Üppel als Gentleman zurück nach Hause. Die nächste gemeinsame Sitzung war anberaumt, aber Gigo war nicht da. Von Judy erfuhr Üppel, das Gigos Meister ihm eine schwere Prüfung auferlegt hatte. Gigo sollte sich drei Wochen im Nachtleben von Leipzig zurechtfinden. Seine Firma sollte auf der Leipziger Messe einige Stände mit aufbauen. So mußte die Sitzung natürlich auf einen anderen Tag verlegt werden.

Kaum waren die ersten Tage in Leipzig verflossen, da lernte Gigo im Hotelrestaurant eine taubstumme Lady kennen. Mit dieser Frau führte er bis tief in die Nacht ein heißes Gespräch. Ein paar Tage später besuchten Kerstin und Judy Gigo in seinem Hotel, um nach dem Rechten zu sehen. Da sie nichts auffälliges bemerkten, zogen sie enttäuscht von dannen. So konnte sich Gigo wieder voll in das Nachtleben von Leipzig stürzen. Üppel indessen kümmerte sich rührend um seine neue Frau Marion. Er kämmte ihr das Haar, streichelte ihre Brüste, und war fasziniert von ihr. So kam es auch, dass er mit ihr eine ungewöhnliche Disko besuchte. Die drei Wochen vergingen und die gemeinsame Sitzung konnte nachgeholt werden. Aber Üppel hielt es für wichtiger sich um seine Frau Marion zu kümmern. Erst zu später Stunde erschien er mit ihr bei Gigo, um die Schlüssel für die Bodenkammer zu holen. Dort konnte er Marion den ersten Freudenstoß geben. Gigo kam derweil zu Tagesordnungspunkt drei, erst einmal etwas Gepflegtes trinken. Gegen null Uhr mußte er seine Sitzung abbrechen, Grund, Gigo fiel vom Stuhl. Üppel wollte in der Kammer gerade eine neue Stellung ausprobieren, da klang es in seinen Ohren, ich will nach Hause ich habe keine Lust mehr! Diese zarten Töne gaben ihm den Rest, und die Beziehung zu Marion wurde vorerst beendet.

Das nächste große Ereignis stand vor der Tür. Kerstin hatte Geburtstag. So kam es das Üppel sich an diesen Abend wieder um Gigos kleine Schwester Judy kümmern mußte, welche natürlich mit von der Partie war. Im Jahnsdorfer Elternhaus von Kerstin feierten sie eine dufte Party, mit Flaschendrehen und ähnlichen. An diesen Abend gründeten sie einen siebenstimmigen Chor und sangen den Blues „de galbe Katz is duut“! Es waren auch noch weitere Gäste anwesend. Darunter auch Astrid eine Studentin. Unsere Zwei waren beide begeistert von ihr. Gigo liebte zwar noch immer seine Kerstin, griff aber auch gern mal Astrid unter die Bluse. Auch Üppel vertiefte sich in ihre Glocken von Rom. Diese Frau mußte unbedingt noch näher kennen gelernt werden! Da es ein gepflegter Abend bleiben sollte, brach der Papa von Kerstin die Party gegen ein Uhr ab. Üppel und Gigo wollten an diesen Abend in den weichen Betten der Frauen eigentlich die neuesten Stellungen austesten. Aber es kam viel besser. Big Papa verfrachtete sie in seinen Wagen, und fuhr sie in eine ihnen gebührende Residenz, sie lag zwischen Rom und Paris genauer gesagt in Thalheim. In dieser Villa erwarteten sie zwei gemütliche Betten in denen sie gegen zwei Uhr sanft einschlummerten.

So hatten sich unsere Beiden dies eigentlich nicht vorgestellt! Sie allein in Thalheim und die Frauen in Jahnsdorf! Kerstins Vater war LPG Vorsitzender und hatte sie in einen der betriebseigenen Bungalows untergebracht. Wirklich clever! Da der Jahnsdorfer Service weltweit bekannt war, holte er sie am nächsten Morgen selbstverständlich auch wieder ab. Als Gigo seinen neuen Chauffeur sah, begrüßte er ihn mit einem gepflegten „Urgen“! Sie wurden in Windeseile zurück nach Jahnsdorf gebracht. Dort wartete auf sie schon der frisch gedeckte Frühstückstisch. Da das Frühstück sehr mager ausgefallen war, schlichen sie sich still und leise in die Vorratskammer. Als diese leer war, verdauten sie ihr Essen bei einem ausgiebigen Waldspaziergang. Zurück von ihrer Wanderung begaben sie sich in die City zurück. Zu Hause entspannten sich unsere zwei dann gründlich und schöpften so Kraft für kommende Ereignisse.

Da Üppel in Jahnsdorf an Astrid großen Gefallen gefunden hatte, fuhren sie am darauf folgenden Montag sofort zu ihr nach Hohenstein Ernstal. Zum Glück hatte sich Üppel in Jahnsdorf noch von ihr die Adresse geben lassen. Astrid besaß eine geräumige Zweizimmer Wohnung. Da diese lange nicht richtig genutzt wurde, setzten sie für das kommende Wochenende gleich eine gepflegte Party an. An diesem Samstag schien aber alles ins Wasser zu fallen. Gigo hatte sich mit Kerstin und Judy leicht zerstritten. Zufällig erfuhr er, dass sich beide Damen alleine nach Hohenstein Ernstal begeben wollten. Und schon waren sie unterwegs zum Zug. Als Gigo Üppel informierte war schon eine halbe Stunde verstrichen. Trotzdem setzten sie den Wettlauf mit der Zeit fort. Mit zwanzigminütigen Vorsprung gewannen sie diesen auch. Üppels MZ trug sie sicher und schnell nach Hohenstein Ernstal.

Nach kurzer Auseinandersetzung mit den Damen, die inzwischen auch eingetroffen waren, stand bloß noch ein Problem zur Debatte. Es mußte ein Mann für Judy beschafft werden, sonst war eine Frau zuviel und das war nicht gut. Üppels Verhältnis zu Judy war nie mehr als gelegentlicher Sex. Und heute stand ihm der Sinn nun mal mehr nach Astrid. Also fuhren Gigo und Üppel zurück nach Chemnitz. Zum Glück kannten sie noch einige Jungs die eventuell in Frage kommen könnten. Aber nicht heute, es war wie verhext. Keiner hatte Zeit oder Bock. Nach größeren Anstrengungen gelang es ihnen schließlich Steffen für dieses Vorhaben zu begeistern. Als sich alle Beteiligten in Hohenstein Ernstal eingefunden hatten, konnte die Party ja starten! Doch vorher fuhr Üppel noch zweimal hin und her, erst um Gigo dann um Steffen zu holen. Geschafft, los geht’s! Zum Auftakt nahm sich Gigo erst einmal seine Frau Kerstin gepflegt vor. Denn letzte Woche in Jahnsdorf war ja nicht viel passiert, wegen dem Fahrdienstservice und so. Nach einem übermäßigen und schnellen Umtrunk stürzte Astrid schon vom Hocker und verharrte auf den Fußboden. Üppel versuchte sie auch dort noch weiter zum trinken anzuregen. In den darauf folgenden Stunden tranken und tobten sie wie wild in der Bude umher. Gegen ein Uhr trat langsam Ruhe ein. Steffen und Judy verdrückten sich ins Schlafzimmer und trieben dort irgendein Spiel. Bei gepflegten Licht und leiser Musik streckte sich Gigos Frau auf dem Sofa aus. Diesem Anblick hielt er nicht lange stand. Beim zärtlichen Liebesspiel vernahm er plötzlich sonderbare aber vertraute Geräusche, die unter dem Tisch herkamen. Nach einem gewagten Blick sah Gigo zwei dunkle Gestalten, tief umschlungen. Beim zweiten Hinsehen erkannte er Üppel, der Astrid gerade aufknallte. Gegen vier Uhr ließen sie ihre beiden Frauen endlich zur Ruhe kommen, denn unsere beiden bekamen fürchterlichen Brand. Als sie sich über die letzten Bierflaschen stürzen wollten, kam es zu einem derartigen Handgemenge, das sich Gigo ein Veilchen zuzog. Daraufhin gingen auch sie ins Bett. Nach einen gepflegten Frühstück, gegen dreizehn Uhr, traten sie die Heimreise an. Damit waren die Ausflüge ins Erzgebirge vorerst zu Ende.

Üppel und Gigo hatten gerade ihre Höchstform erreicht, so zog sie ein neuer Termin nach Waren Müritz. Üppel mußte sich wieder mal als Chauffeur verdingen. Während der ganzen Fahrt über die Autobahn mußte sich Üppel ständig von Gigo anhören, Lage Üppel Lage! Also lagen sie mehr als sie saßen und fuhren stellenweise unglaubliche 140 kmh mit der guten alten „Emma“. Sie besuchten das Mecklenburger Girl Christine, die immer noch sehnsüchtig auf Gigo unter der Tischtennisplatte wartete. An diesem Wochenende verbrachten sie drei tolle Tage. Sie gingen gepflegt tanzen, zusammen mit einer mitleidigen Frau die sich um Üppel kümmerte. Als Gigo seine Christine befriedigt hatte und Üppel seine Ruhe, fuhren sie wieder nach Hause. Lage Üppel Lage! Und ihr Hintern brannte wie Feuer. Nach einer anstrengenden Arbeitswoche trennten sie sich.

Am Freitag ging Üppel zum Betriebsvergnügen und Gigo stattete an diesem Abend der Quelle einen ersten Besuch ab. Die Quelle war eine Kneipe in Harthau wo freitags und samstags immer Diskos stattfanden. Sie hatten dies durch ihre Connections erfahren. Dort ging immer richtig der Bär ab. Der Laden war immer brechend voll, und außer der Gaststube gab es noch einen kleinen Saal. Da konnte man schön zwei Frauen gleichzeitig beknuspern, ohne dass die eine von der anderen etwas mitbekam. Da taten sich ungeahnte Möglichkeiten auf! Währenddessen wählte sich Üppel zum Betriebvergnügen gleich zwei Frauen aus, mit denen er erschien. Es waren Judy und Kerstin. Nach seinen späteren ausführlichen Bericht hatte er einen tollen Tanzabend und beiden Frauen das Herz gebrochen. Gigo traf in der Quelle indessen Jörg wieder, der ihnen mittwochs bei einem außerplanmäßigen Trinkertreffen im Forsthaus, einer Kneipe in Altchemnitz, aufgefallen war. Jörg wies Gigo in die Gepflogenheiten der Quelle ein.

Am selben Abend lernte Gigo Kerstin E. kennen, die später von unseren beiden auf den Namen „Selbstmörderin“ getauft wurde. Da diese Person gegen zweiundzwanzig Uhr nach Hause mußte, machte Gigo noch schnell einen Treff für den nächsten Tag aus. Jetzt lief ihm auch noch Rikki, Üppels verblichene Frau, über den Weg. Nach etwas Smalltalk mit ihr und einigen Bierchen zog es Gigo gegen ein Uhr nach Hause. Aber nicht zu sich sondern zu seinen alten Freund Üppel. Um in sein Bett zu gelangen, wagte Gigo eine halsbrecherische Kletterei durch Üppels Fenster, was immer offen stand. Denn Üppel hatte wieder mal sturmfrei, was Gigo selbstverständlich wusste. Sie verbrachten eine dufte Nacht. Am nächsten Morgen, bei einen gepflegten Frühstück, zwar ohne richtigen Kaffee aber voller Tatendrang, planten sie ihre nächsten Streiche. Die Bude war leer, sie mußte mit Frauen gefüllt werden! Gigo erzählte von der Begegnung mit Rikki in der Quelle. Durch seine gute Nase verspürte er bei ihr eine gewisse „Nässe“ auf Üppel. Da sich bei Üppel der gleiche Duft absonderte, fuhren sie schließlich in Windeseile in Richtung Aue. Nicht die Stadt sondern eine Straße in Chemnitz! Dort erzählten sie Rikki und ihrer Freundin Sylvia, von der seit zwei Tagen leer stehenden Wohnung in der Comeniustreet und der eventuell stattfindenden Party. Ohne genaue Zusage verließen sie die beiden Damen aber schon bald wieder. Sie fuhren in Lichtgeschwindigkeit, so konnten sie ungesehen der Polizei entgehen, zu Gigos Wohnsitz. Dort wartete schon mit ungeduldigem Zucken die „Selbstmörderin“, die sich mit Gigo zu diesem Zeitpunkt und Ort verabredet hatte. Also „Emma“ in den Keller und zu dritt in Üppels Wohnung. Nach einer Stunde gepflegten Beisammenseins, klingelte es an der Tür. Nach Üppels Freudenschrei lies er Rikki und Sylvia in seine Räumlichkeiten eintreten. Hätte er sich nur nicht zu früh gefreut! Kurz darauf bemerkten sie, dass etwas schief gelaufen war. Sie waren drei Frauen und zwei Männer, wieder mal! Eins stand fest, Steffen holen sie nicht noch mal. Und andere Kerle auf die Schnelle…, dies alles wollten sie sich nicht noch einmal antun. Also knobelten sie, wer sich um zwei Frauen kümmern soll. Üppel traf es wieder mal. Er machte sich gleich an die große Aufgabe heran. Nach einem kurzen Umtrunk wurde Üppel von Rikki und Sylvia ins Schlafzimmer gezerrt. Indessen machte sich Gigo über seine zitternde Frau her. Als er sie fürs erste (zehn Minuten) befriedigt hatte, wagte er einen Blick ins Schlafgemach von Üppels Eltern. Dort erblickte er einen großen Batzen Fleisch. Üppel lag mit den beiden Damen im Bett und kämpfte verbissen um seine „Unschuld“. Als das erste Blut floss mußte der Kampf abgebrochen werden. Die beiden Frauen merkten das an Üppels „Unschuld“ nicht zu rütteln war und gingen kopf hängend nach Hause. Im Wohnzimmer spielte sich inzwischen ein noch größeres Blutbad ab. Üppel der alte Schnüffler fand Blutspuren von Wohnzimmer in Richtung WC. Er ging der Sache nach, und sah Gigo im Bad, der sich gerade seinen blutrünstigen Penis und seine nicht minder blasse Hand reinigte. Üppel floh geschockt in Richtung Wohnzimmer, und dort traf ihn der Schlag. Kerstin E. lag mit weit gespreizten Beinen unter dem Tisch. Sie sah aus als wäre sie frisch gekillt worden. Aber es war halb so schlimm, denn Gigo fuhr mit seinem „U-Boot“ nur bei ihr ins „rote Meer“. Aber diese Sauerei!

Das war überhaupt immer der größte Stress, die Reinigungsaktionen nach diversen Partys. Betten machen alles säubern und Wohnung entrümpeln und entlüften, nur das Mutti nicht merkt, was während ihrer Abwesenheit wieder einmal zu Hause los war. Meistens klappten diese Aktionen auch. Rätselhaft ist bis heute, das sich die Nachbarn nie beschwert haben. Denn leise ging es bei ihren Feten nie ab! Doch zurück zu jener Nacht. Als sich die beiden Pechvögel gereinigt hatten, klingelte es erneut an der Tür. Verena stand davor, Üppels ehemalige Klassenkameradin und ewige Jugendliebe. Stimmt, sie hatten sie heute getroffen und ihr erzählt, dass bei Üppel eine Fete sein wird. Aber nie gedacht, das sie auch wirklich kommen wird! Ein Glück das die beiden anderen Frauen schon wieder abgeflattert waren. Üppel war diese Frau jetzt natürlich sehr willkommen. Gigo warnte ihn aber vor ihr. Anfang des Jahres hatte er schon einmal im Strickbau vergeblich versucht diesen „Kühlschrank“ aufzutauen. Tja, aber Üppel kannte sie länger, und schließlich ist sie ja freiwillig zu ihm gekommen. Also konnte Üppel wie so oft nicht hören, und mußte nun selbst die Erfahrung machen auf „Packeis“ zu stoßen. Verstehe einer die Frauen. Kommen zu einer Party und geben sich dann so zugeknöpft! Nach einem kurzen Blick auf ihren Terminkalender stellte sich heraus, dass sich für dreiundzwanzig Uhr weitere Frauen angekündigt hatten. Also mussten sie zwangsläufig Verena und Kerstin E. vor die Tür setzen, was Üppel, auch nicht weiter schwer fiel. Vielleicht klappt es ja später doch noch mal mit ihr, nur heute nicht. Wie angemeldet klingelte es an Üppels Tür. Eine Klingelei ist das heute! Judy und Kerstin traten ein. Als Üppel sich gerade auf Judy knien wollte, merkte er, dass die ziemlich ramponiert war. Irgendwo heimlich gesoffen oder was! Das war nicht sein Abend. Da er aber ein Gemütsmensch war und für so etwas Verständnis hatte, ließ er sie nach Hause gehen. Warum die dann überhaupt gekommen war ist unklar. Kerstin folgte ihr bei Fuß. Hoffentlich hat sie keine Blutspuren an Gigo entdeckt! Mit deutlichen Worten gab sie ihm nämlich zu verstehen, dass er sich bis spätestens null Uhr zu Hause einzufinden habe. Bis zu dieser Zeit wollte sie das Bett warm halten, danach war es geschlossen. So blieb unseren Beiden nur wenig Zeit das letzte Fass zu leeren. Punkt null Uhr lag Gigo neben Kerstin und konnte noch in Ruhe mit ihr eine Nummer schieben. Üppel hatte nun auch endlich seine Ruhe und bestieg sich selbst.

Nach der vielen Klingelei folgte erst einmal eine ruhige Arbeitswoche. Anfang Oktober trugen Üppel und Gigos Füße sie das erste Mal gemeinsam in die Quelle, der Beginn einer langen Tradition. Später gehörten sie fast schon zum Inventar. An diesem Abend klapste sich Gigo mit Kerstin E. an der Bar ein und nahm ringsum wenig war. Üppel traf eine alte Bekannte aus frühester Jugend wieder und sackte auch mit ihr an der Bar fest. Als sie ein Fass geleert hatte, rollte sie Üppel zum Bus und schickte sie nach Hause. Immer diese betrunkenen Frauen! Wie er zurück kam lief ihm Rikki über den Weg. Üppel dachte sich, warum nicht? Also lud er sie für nächsten Samstag zu Gigo ein. Bei Gigo war dieses Wochenende nämlich wieder mal sturmfrei. Voraussetzung sie kommt allein und ohne Freundin. Keine wilden Kämpfe mehr um Üppels „Unschuld“! Sie ließ ihn aber noch im Ungewissen. Gegen null Uhr wies ihnen Jörg, der auch mit in der Quelle gewesen war, den Weg nach Hause.